Always look on the abide side of life

Interview mit Dudeismus-Gründer Oliver Benjamin (4)

Some creatures really tie the universe together: No, it ain’t Babel fish, it’s the Dudefish, walking on the surface and taking it easy in case the sea gets too cold or too fucking busy.
(Artwork: Dudeism LLC / Dudeism.com)

Wir haben damit gerechnet, mehr wütende Briefe zu bekommen, weil wir eine Religion erfunden haben, die sich über andere Religionen lustig macht.

Oliver Benjamin, Founder of Dudeism

(Hier geht’s zu Folge 1 des Interviews: Dude it like Lebowski!)
(Hier geht’s zu Folge 2 des Interviews: Abide like hell!)
(Hier geht’s zu Folge 3 des Interviews: All you can dude)

All Things Must Pass betitelte George Harrison eine unserer Lieblingsplatten. Auf dem Cover sitzt er in einem Park, umringt von vier Dekozwergen. Das Tripple-Album tauchte im November 1970 auf, also vor nicht ganz 50 Jahren. Es war soundmäßig ein „Alle-neun!“-Nachruf auf die Beatles, um das Ding mal im dudegefälligen Bowling-Jargon abzurollen. Quasi das allerletzte Beatles-Album. Und in jedem Fall die dudemäßigste Scheibe aus dem Beatles-Universum.

„Its title, although Hindu or Buddhist in spirit, may also have been a veiled reference to the end of The Beatles, for the whole record is rooted in Harrison’s experiences within the group in its later years; it is about friendship, failed relationships, and his search for spiritual peace and harmony“, schreibt John Hutchinson** in seinem kleinen Powerbook Pearl Fishers, das wir ebenfalls als absodudely dudelike highfiven.

All Things Must Pass widmen wir einen separaten Post, bestimmt noch in diesem Jahr – vielleicht das dudeistischste seit 1998. Es startet auch ganz dudeisch mit Teil 4 unseres Word-BBQs mit dem Dudely Lama Oliver Benjamin.

Munich Globe Bloggers (MGB): In deinem letzten Buch The Tao of the Jedi* buddelst du dich in die spirituelle Seite von Star Wars. Heißt das, du konvertierst jetzt vom Dudeismus zum Jediismus oder Jodaismus?

Oliver Benjamin/The Dudely Lama (OB/TDL): Nicht jeder steht auf Lebowski. Traurig, aber wahr. Also expandieren wir den Dudeismus auf andere Kulturvehikel. Wie sich das entwickelt, siehst du auf unserer neuen Website Independent Spiritual Ministries. Jediismus ist da – und viele weitere. Sie alle sind in erster Linie Variationen vom Dudeismus. Das Projekt steht noch ganz am Anfang. Quasi ein play-in-progress.

Stolperfalle Teppich?

MGB: Gehen wir zurück zum Anfang. Eine weitere Spaßbremse der Mainstreamreligionen: Sie haben keine coolen Reliquien. Der Vatikan besitzt weder eine Flasche vom Wein, den Jesus aus Wasser und Magie gebraut hat (Hat er das in Hogwarts gelernt? Und wenn ja, war er ein fucking Slytherin?), noch Marias Stroh-G-String, den sie trug, als sie fleckenfrei geschwängert wurde. Ich wette, wenn das Marketing der Church of the Latter-Day Dude Reliquien vorsähe, dann wäre eine davon Lebowskis vollgepinkelter Teppich. Oder reiten wir jetzt komplett auf dem falschen Esel?

OB/TDL: Der Dudeismus interessiert sich nicht für materielle Dinge. De facto ergeben sich alle Probleme des Film-Dude aus dem Bedürfnis, an seinem geschätzten Teppich festzuhalten, seinen einzigen Wertgegenstand. Und damit beginnt für den Dude der Umweg seines Lebens. Der Dudeismus konzentriert sich auf den Wert von Ideen und Freundschaften – nicht auf den Wert von Schätzen und Status.

Public stealth mode?

MGB: Oha, dann kann auch der Dude noch was lernen! Und die Funktionsfuzzis der Analogreligionen sowieso. Bekanntlich gehen die zum Lachen in die Hölle. Haben diese Typen euch verklagt oder zumindest verflucht, weil der Dudeismus sie verarscht? Und weil der Dudeismus obendrein eine verflucht coole Religion ist (was diese Knacker natürlich niemals zugeben würden)?

OB/TDL: Wir haben damit gerechnet, mehr wütende Briefe zu bekommen, weil wir eine Religion erfunden haben, die sich über andere Religionen lustig macht. In Wahrheit geht es uns gar nicht darum, über den Glauben anderer Leute herzuziehen. Wir integrieren respektvoll Ideen aus Christentum, Buddhismus, Taoismus und anderen Weltanschauungen. Wir sind vielleicht nicht mit allem einverstanden, aber wir sympathisieren mit den Bedürfnissen der Menschen nach Sinn und Erklärung. Pastafarier bekommen anscheinend viele böse Briefe von religiösen Eiferern – uns haben sie bisher in Ruhe gelassen. Vielleicht kennen sie uns einfach nicht. Und das ist auch cool.

(This is the end of the interview but not the end of the Dude’s way.)

Anmerkungen:

*) Oliver Benjamin: The Tao of the Jedi, Independently published, 2019
**) John Hutchinson, ehemaliger Kurator der Douglas Hyde Gallery, Dublin

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