All you can dude

Interview mit Dudeismus-Gründer Oliver Benjamin (3)

Thank Dude, it’s not another heavy tome by Dan Brown: The Dudevince-Code or so. It’s just a signpost to a more dudeified way through life
(Artwork: Dudeism LLC / Dudeism.com)

Yep, ich lebe in Thailand, weil es einer der dudemäßigsten Orte der Welt ist.

Oliver Benjamin, Founder of Dudeism

(Hier geht’s zu Folge 1 des Interviews: Dude it like Lebowski!)
(Hier geht’s zu Folge 2 des Interviews: Abide like hell!)

Der Duden kennt zwar einen Dudelsack aber keinen Dude. Das spricht nicht wirklich für dieses selbst ernannte Standardwerk deutschsprachiger Korrektschreibung. Immerhin gibt es den Dude schon seit 1998. Dude sollte also längst offiziell eingedudet sein in die deutsche Sprache. Allerdings kennt der Duden auch keinen Duden. Das macht seine uncoole Beschränktheit wieder ein Stück sympathischer.

Dude sei Dank haben wir einen echten Dude bei uns zu Gast. The Dudely Lama Oliver Benjamin. Im dritten Teil unserer Plauderei widmen wir uns dem globalen Impact des Dudeismus.

Viel Spaß und Motherduders unite!

Munich Globe Bloggers (MGB): Dudely Lama, du hast schon drei oder so Bücher geschrieben über dieses Dudezeug. Das sieht nach verdammt tiefen spirituellem Baggern aus. Welches deiner Bücher würdest du als Bibel oder besser Walden des Dudeismus promoten? Und welches empfiehlst du Dudeismus-Novizen?

Oliver Benjamin/The Dudely Lama (OB/TDL): Jedes unserer Bücher ist anders und richtet sich an einen anderen Typ von Dudeist. Der Abide Guide (geschrieben mit Co-Autor Arch Dudeship Dwayne Eutsey) ist eher eine schräge Sammlung von Ideen – inspiriert vom Film. The Tao of the Dude ist eine Art Lebenshandbuch mit philosophischen Aufsätzen, gepimpt mit Zitaten quer durch die Geschichte. The Dude De Ching ist eine Adaption des heiligen Buchs des Taoismus, The Tao Te Ching. Es zeigt wie Taoismus und Dudeismus mit ihren jeweiligen Konzepten die Welt erklären. Alle sind ziemlich gechillte Werke der Pop-Philosophie.

Ein Penner – und gleichzeitig ein König

MGB: Da müssen wir wohl durch. Hast du den Film Yesterday gesehen? Der mit dem worldwide Beatles-Blackout. Da war doch die Szene, wo dieser blonde Hipster – Ed Sheeran oder so – der Hauptfigur Jack Malik empfiehlt, den Songtitel und Refrain von Hey Jude zu ändern in Hey Dude. Heißt das jetzt, der Dudeismus ist Mainstream geworden? Oder ist das nur ein erbärmlicher Hipstermove, um auf dem Dudeboard zu surfen?

OB/TDL: Der Dudeismus parodiert ja selbst bestehende kulturelle Konzepte. Da wäre es reichlich vermessen, sich über andere zu beschweren, die dasselbe mit dem Dudeismus machen oder mit dem Dude-Konzept. Das Wort Dude wird derzeit tatsächlich etwas überbeansprucht und es tut weh, zuzusehen, wie Dude dazu benutzt wird, um Produkte an Hipster zu verkaufen – viele Werbespots arbeiten mit dem Wort Dude, teilweise richtig genial – aber Dude ist ein zutiefst demokratisches Konzept. Wir würden niemals versuchen, die Verwendung oder Interpretation zu begrenzen. Tatsächlich bedeutete Dude früher quasi das Gegenteil von dem, wofür Dude heute steht: es bedeutete einen reichen, verweichlichten und sehr geckenhaft gekleideten Fatzke. Später waren Dudes wohlhabende Leute, die einen auf Cowboy machten. Dann verschob sich die Bedeutung Richtung urbaner, afroamerikanischer Straßengauner. Und irgendwann wurden Dudes Hippies und Surfer. Auf dem Weg von der Ost- zur Westküste wurde der Begriffsinhalt immer ein Stückchen demokratischer, suggerierte aber stets eine Art von Noblesse. The Big Lebowski verankerte diese Idee nachhaltig in der Figur des Dude. Er ist ein Penner – und gleichzeitig ein König. Bisschen wie Jesus. Nur ohne Aberglauben und Mythologie. Und selbstverständlich viele andere Figuren. Dudeismus erkennt, dass Noblesse etwas ist, das du in dir trägst, das du selbst entwickelst – und nichts, was du dir ans Revers heftest oder erbst.

Die Welt scheint immer undudeischer zu werden

MGB: Dieser Blog war ursprüglich ein Reiseblog. Heute steht er zwar für einen universelleren Blick auf das Leben, aber wir interessieren uns noch immer für dudeifizierte Orte. Du lebst in Thailand. Inwiefern unterstützt dieser Ort einen dudegefälliges Leben?

OB/TDL: Yep, ich lebe in Thailand, weil es einer der dudemäßigsten Orte der Welt ist. Die häufigste Ansage hier ist „mai pen rai“, was soviel heißt wie „kein Problem“. Die zweithäufigste Ansage ist „sabai sabai“. Quasi „take it easy.“ Allerdings ändern sich die Dinge ziemlich rasant. Thailand ist nicht mehr die Chill-Insel, die es mal war. Dieses Problem besteht heute überall. Traurigerweise scheint die Welt gerade immer undudeischer zu werden. Aber die Geschichte durchläuft ihre Phasen. Mit etwas Glück schwingt das Pendel irgendwann wieder in die andere Richtung. Wer weiß? Wie auch immer. Der springende Punkt beim Dudeismus ist, eine nachsichtige Haltung einzunehmen. Dudeismus steht für den Ort, wo du sie findest, aber auch für das, was du mitbringst. Ein echter Dude zu sein bedeutet, inmitten in einer Katastrophe ruhig und entspannt zu sein. Ich selbst bin nirgendwo auch nur annähernd so entspannt wie der Dude, aber ich versuche es. Der Dudeismus ist da, um anderen zu helfen, die sich bemühen, mehr Dude zu sein.

(Weiter zu Folge 4: Always look on the abide side of life)

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