Wunderando (8)

Der große MGB-Heiligencheck

It’s tough as hell to become a damn saint. No job for candy-asses, Porsche pussies, and gun nuts. You’ve gotta take it like Rocky. Or Saint Emma.
(Artwork: Munich Globe Bloggers)

Sankt Emma hilft bei klassischen Fällen von Überschurke und Untersekt.

Munich Globe Bloggers – Saints Department

(Hier geht’s zur ersten Folge: Wunderando 1)

Bruce-Lee-Memo

Auf Platz 4 kickt sich Sankt Emma. Dabei balanciert sie virtuos ein Glas Champagner in der Hand. Selbstverständlich in einem Emmapeeler, dem nach ihr benannten Catsuit. Blau mit weißen Seitenstreifen. Eine überdeutliche – wenn auch um einige Jahre vorgezogene – Anspielung an combat legend Bruce Lee, dem Emma Peel kampfkunsttechnisch zwar nicht ganz den Champagner reichen kann, aber dessen Schurkenknockoutcount sie am Ende der Staffel doch sehr nahe kommt. Unter unseren Szenen-Favourits der 60s-TV-Serie The Avengers alias Mit Schirm, Charme und Melone tummeln sich die spleenigen Post-its, mit denen John Steed seiner Partnerin Emma Peel signalisiert, dass die beiden Londoner Geheimagenten einen neuen Fall an der Arschbacke haben. Die Message „Mrs. Peel, we’re needed!“ erreicht Emma auf angemessen skurrilen Wegen: via Verkehrsampel, als Zeitungsschlagzeile, als Graffito unter einer Tapete, mittels Spielzeugeisenbahn – und das sind nur diejenigen, die wir spontan in unserem Alzheimercube aufstöbern. Ah, und einmal crasht John Steed sogar Emmas Flimmer-Entertainment. Mrs. Peel föhnt sich gerade einen alten Roboterfall in die hübsche Melone, da ruft ihr Partner sie aus der Glotze heraus zum Einsatz. That’s service, gentlemen. That’s service.

Still needed

Emma Peel wurde noch viel mehr gebraucht, um dem altbackenen, männergemachten Frauenbild, das die Televisionskommoden seit deren Erfindung Tag für Tag in die Wohnzimmer staubten, nachhaltig zwischen die Beine zu treten. Emma macht den big little Difference zu den 0815-Chicks nach Hausfrauenart. Sie hat einen soliden Punch – manuell und verbal –, ein nimmermüdes Synapsenfeuer im Kamin lodern und sie rettet Steed gefühlt genauso oft den Arsch wie er den ihren. Und beim Ritter der Kokosnuss: Emma hat Stil ohne Ende. Ihren stammi bene können wir uns nicht leisten, so lange das fucking Menschenpack diesen Planeten mit seiner Ignoranz, Anmaßung und Dummheit in Müll verwandelt. Aber wie holen wir Sankt Emmas Beistand? Wer bekommt ihn? Und wie sieht er aus? Pflückt sie noch am kaputtesten Arsch der Welt eine Flasche Champagner aus dem brennenden Gestrüpp und badasst mit ihren Karatechops und -kicks sämtliche Villains in den K.o.-Modus? Schön wär’s …

Ähnlich wie bei Saint Dude generieren Emmamaniacs und Peelistas den Beistand Sankt Emmas, indem sie auf ihren stylishen Fährten wandeln, also Emmapeelen, das heißt, ganz nach Bedarf elegant Gentlewomanizen oder eben handfestes Takethatvillaining betreiben. Be Emma!

Watch out for Champagne

Sankt Emma hilft bei klassischen Fällen von Überschurke und Untersekt. Wer ein Problem hat, seine Bierflasche zu öffnen, wendet sich besser an Sankt Dude. Nach 26 Schwarz-weiß- und 24 Farb-Entschurkungen komaschockt Emma Peels Serien-Farewellness die Angelrutensachsen am 25. September 1968, die Westkrautistanesen am 11. August 1970. In Folge 1 der Season 6 übergibt Emma Peel an ihre Nachfolgerin Tara King, die beim Sexappeal noch ein Gläschen nachschenkt, aber gleichzeitig mehr Richtung Häschen hoppelt, anstatt das von Emma Peel signalisierte Emanzipationspotenzial upzugraden.

Für uns eine der traurigsten Filmszenen überhaupt1: Emma verabschiedet sich von John Steed. Mit einem Küsschen und Survival-Tipps: „Always keep your bowler on in time of stress, and watch out for diabolical masterminds.“ „ … and of course champagne“, ergänzen wir unrühmliche 54 Jahre später. Mrs. Peels verschollener Vertrags-Mister Peter Peel ist wieder aufgetaucht. Von Steeds Fenster aus wirkt der Typ very steedy: Schirm, Anzug, Melone und Steed-Manieren. Wir mögen ihn trotzdem nicht. Und suchen verzweifelt nach Gründen, Emma nicht toll zu finden. (Erinnert uns arg an die interne Debatte von Monty Pythons Volksfront von Judäa auf der Suche nach Argumenten, die gegen die römischen Besatzer sprechen). Vielleicht dieser allgegenwärtige Snobismus des Agentendoppels, der nur deshalb nicht so auffällt, weil die meisten Folgen komplett in snobistischen Milieus baden.2 Andererseits: Emma hatte auch Punkability. Und damit meinen wir nicht ihr Stachelhalsband in der Schwarz-weiß-Episode A Touch of Brimstone (dt.: Die Nacht der Sünder).

Quick Facts

  • Heiligenschein-Leuchtkraft: 1.000.000 CLD (Candle Light Dinners);
  • Anrufungseffizienz: 100% bei angemessener Originalität = Steed-Style („Mrs. Peel, you’re needed!“)
  • Wunderreichweite: UK-weit und gentleman-/womanweit
  • Torture-Level: 9 (unzählige bewaffnete Attacken, Mordanschläge; Folter- und Exekutionsversuche)
  • Instagrammability: Emmapeeler geht’s nicht.
  • Kernkompetenz: Verfolgungsjagden, Nahkampf, Champagner-Exekutionen;
  • Künstlernamen/Nicknames: Her Lioness; Emmadonna; Queen of Nutshot; Champagne-Jane
  • Autobiografien: Epic, Baby! und M-Appeal – The art of placing women on top
  • Powerslogans: „Civilization is where ever you’ll find Champagne“; „Where’s a Steed, there’s a way“;
  • Jubelgeste (bei erfolgreichem Wunderabschluss): Champagnershaker
  • Veröffentlichungen: Better Bridge with Applied Mathematics (Bridge Player’s International Guide, Ausgabe Juni 1966);
  • Lieblingsland: Emmalaysia
  • Lieblingsshop: Emmazone
  • Lieblingsfilme: The Cybernauts (1965)
  • Lieblingssongs: Me and Paddy Macnee; (Emma Joplin); The Joker (Jeffrey Miller Band); For Emma (John „Iver“ Steed)
  • Lieblingscomics: The Winged Avenger; The Adventures of Johnjohn: The Superlative Seven;
  • Bevorzugter Treibstoff: Champagner
  • Auszeichnungen: u. a. Emma Award (1967); Best Female Agent Ever (2020); Catsuit Lady of the Century (2000); No.-1-Villain-Knock-Outer (1965, 1966, 1967, 1968) (zusammen mit John Steed);

Post-its

1) Gemeint ist die Folge The Forget-Me-Knot (Auf Wiedersehen, Emma), mal gelistet als letzte Episode der dritten Emma-Peel-Staffel (Season 6), mal als erste Folge der Tara-King-Staffel (Season 7).
2) Kennerhafte Einblicke in die Serie und ihre Spleens liefern Oliver Kalkofe und Wolfgang Bahro in den deutschen DVD-Fassungen der Serie.

(Hier geht’s zu Platz 3 unseres Heiligenrankings: Wunderando 9)

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