Plastiksommer (3)

A season-critical diary with a canny dose of Elvis

Oh my God! We are so crazy beautiful! Wie hält der Spiegel das nur aus? Das Ding müsste vor Neid schmelzen wie die Dali-Ticktacks.
(Foto: Munich Globe Bloggers / Installation Art: Dina Goldstein, Bathroom mirror, 2012; aus:
Yes, We Ken! (Ausstellung), Pasinger Fabrik, 2020)

Cuba Libre. Mucha ron, poca cola.

Chief Chibuku

Our universe itself keeps on expanding and expanding,
In all of the directions it can whiz;
As fast as it can go, at the speed of light, you know,
Twelve million miles a minute and that’s the fastest speed there is.
So remember, when you’re feeling very small and insecure,
How amazingly unlikely is your birth;
And pray that there’s intelligent life somewhere out in space,
‚Cause there’s bugger all down here on Earth!

Monty Python: The Galaxy Song

Elvis stand auf Monty Python.

Der King lachte sich tot über ihre Sketche. Macht es noch immer. Im Extraleben. Why the Chuck not?

Und die Pythons standen auf Elvis. „You know, Elvis saved my life when I was 13 or 14. He saved all our lives.“

Eric Idle im Interview.

Then stay tuned, Elvis.

There are still so many lifes to save.

Je suis Charlie Watts

Der Dressman der Rolling Stones hatte sich die Stiefel ausgezogen. Damit versank ein ganzes Zukunftsszenario im Meer. Wie die meisten Shesarainbownauten war ich überzeugt, wenn etwas den Gesetzen der Vergänglichkeit trotzte, dann die Rolling Stones. Kein bekanntes Lebewesen zeigte eine vergleichbare Verwesungsignoranz, Fuckthehaltbarkeitsdatumfreude und Doriangraytness wie diese Rock-’n‘-Roll-Band, deren Zungen-Logo als älteste Höhlenmalerei datiert wurde. Oder hatten sie beschlossen, in ein Paralleluniversum umzuziehen, wo sie noch keiner kannte? Und wo sie sich als vielversprechende Newcomerband lancieren konnten? Das klang gewagt, widersprach aber keineswegs den äußerst unbürokratischen Statuten des Universums. Und Charlie Watts reiste quasi voraus und machte sich schon mal einen Namen als Erfinder der CharlieWattsApp, mit der sich Trommelnachrichten verschicken ließen. Diese Spekulation hatte allerdings einen äußerst geringen Trostnährwert. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die Stones den Rest der Welt in ihr Zweituniversum mitnahmen, war sehr viel geringer als die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Beatles auf ein letztes gemeinsames Konzert einigen konnten. Mit Special Guest Elvis. Wie auch immer: Ein Universum ohne Stones war ein Verlorenes, ein Plastikkosmos, und würde aus purer Verzweiflung in seinen Prä-Urknall-Zustand zurück implodieren.

Pandenoia

Can you help me occupy my brain?
Oh yeah

Black Sabbath: Paranoid

Machtfuzzis stehen auf autoritäres Gehabe. Nichts ist so lästig für sie wie Spielregeln, an die sie sich halten müssen. Deshalb existiert Demokratie nach wie vor nur in der Theorie. Und deshalb stehen Machtfuzzis auf Pandemien. Solche Phänomene werden zunehmen – nicht erfunden, wie Corona-Leugner behaupten, aber dramatisiert. Weil das mit C-Baby so gut funktioniert hat. Die Opposition hat mitgespielt. Die Medien haben mitgespielt. Die Gerichte haben mitgespielt. Die Gewerkschaften haben mitgespielt. Die Leute haben mitgespielt.

Bequemer geht’s nicht.

Das ist eine viel schlimmere Pandemie. Wie der Staat weltweit Rechte einschränkt, die er eigentlich schützen sollte, und die nicht verhandelbar sind.

In diesem Zustand kollektiver Paranoia wäre ein Sommer so seltsam gewesen wie in der Social-Distancing-High-Time einen Fremden im Postamt zu umarmen*.

Im Faschismus gibt es keinen Sommer.

Poca Cola

Oh no, it’s raining again.

Supertramp: It’s raining again

Was die aktive Cultureschredderpolitik der Arschlochregierungen übrig gelassen hatte, erledigte deren Klimawandelbeschleunigungspolitik. In diesem Dreckswetter ersoffen die letzten Lebenssignale der Kultur. Großen Widerstand konnte ich allerdings nicht erkennen. Hatte ernsthaft jemand geglaubt, dass Regierungen, die noch nie irgendetwas auch nur annähernd richtig gemacht haben, plötzlich im Sinne der Menschen handelten? Zurück-in-die-Zukunft-Kopfklopf: „Hallo, jemand zu Hause?“

Ein Anlass mehr, die Hirnzellen in Gin-Tonic einzulegen. Aber wo? Wer keinen Bock auf das bürokratiegeblähte 3G-Plus-Prozedere hat, sollte seine eigene Pop-up-Bar dabeihaben. Und darauf hoffen, dass Elvis im Laufe des Abends eincheckte.

Ich hatte Glück.

Elvis deutete auf einen der acht Flachmänner in meiner mobilen Minibar.

„You mind if I try one of your fun boosters?“

„’course not, please help yourself.“

Elvis Blick wanderte über die Innenseite meiner Jacke. Auf beiden Seiten steckten jeweils vier Dosen in verdammt professionellen Getränkehaltern.

„You’ve got something with Coke in it?“

„Sure. Cuba Libre. Mucho ron, poca cola.“

Wir tranken. Elvis Cuba Libre. Ich Gin Tonic.

„What have you been doing since you officially checked out in ’77?“

„Surviving, Chiefy. Just surviving.“

„Oh, sounds like Double Zero Seven. And looks like you did a fucking great job. Wish I could keep up.“

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