Plastiksommer (2)

A season-critical diary with a canny dose of Elvis

Some kind of aliens might eat spaghettied tape for breakfast, probably with some vanilla fish finger dressing – or, if they want to appear Elvis-friendly, squeezed into a peanutbutter and banana sandwich.
(Foto: Munich Globe Bloggers / Installation Art – cutout: Phyllida Barlow. frontier. untitled: hoard; 2013; Haus der Kunst, München; 2021)

Well that phony basterds took my summer and gone.

Chief Chibuku

(Folge 1 verpennt? Bitte schön: Plastiksommer (1) – A season-critical diary with a canny dose of Elvis)

I schlürf an Eiskaffee im Rialto
Und schau de junga Hasn noch
I glaub mei Chef muaß heit auf mi verzichtn
Ja i lieg vui liaber mit dir im Gras

Spider Murphy Gang: Sommer in der Stadt

Fuck.

Erste Ansage.

Mit dem Aufwachen.

Gestern. Heute. Morgen

Passt halt.

Immer öfter.

Irgendwo da draußen unter leitzordnergrauen Wolken mit der Danger-Performance eines Darth-Vader-SUVs kauert das Tollwood-Festival.

Kommerziell. Ja. Teuer. Ja.

Scheiß Gentri-Mühle.

Aber schon lange.

München kommt von Moneychen.

Trotzdem. An heißen Sommerabenden hatte das Tollwood seine Momente. Im Mini-Irish-Pub. Diese abgefahrene Riesenlichtmarionette vor ein paar Jahren. Mit Gefährten auf Paletten die Nacht wegchillen. Bissel was ging schon.

Once upon a time.

Jetzt ist das Gelände umzäunt. Rein kommt, wer eines der 3fuckingG nachweist, seine Daten abdrückt, auf dem ganzen Areal den Zorro macht und bei Sankt Hirntod schwört, auf immer und ewig den Inzidenzgott anzubeten.

Ganz großes Sommerkino.

Auf meiner letzten Funeral war die Stimmung um Sarglängen besser.

Nebenan auf dem Coubertinplatz: Sommer in der Stadt. Nix Besonderes. Buden, Big Wheel, Autoscooter. Keine Zugangskontrollen, keine Zorrofacing (außer beim Buden-Queuing und Fahren), kein Datenkraking, kein Garnichtsnachweis.

Und wie war das gleich noch in den EM-Stadien neulich?

Coronaverwaltung made in Bafuckingvaria.

Schlüssig. Durchdacht. Angemessen wie eine Atombombe gegen Zahnschmerzen.

„Put the glasses on! Put ‚em on!“

John Carpenter läuft mir über den Weg.

Dieser Sci-Fi-Gruselfilm mit den Sonnenbrillen.

Sie leben.

Bestialische 80s-Klamotten und die obligatorischen Guns-and-Muscles-Posings der Arnie-Stallone-Ära. So weit, so yankee. Dann kommt’s: Außerirdische haben die Erde als Exploit-Location klargemacht. Wie die Geldsack-Imperien damals mit Afrika, Asien und Untenrumamerika. Wenn der blaue Supermarkt ausgelutscht ist, suchen sich die Aliens einen neuen. Wo auch immer.

Das können die Erdkapitalisten schon lange. Nur ohne den Ersatzsupermarkt an der nächsten Milchstraßenausfahrt. Mars macht niemanden mobil. Außer Matt Damon. Saturn geizt mit Temperaturen, die für Menschen geil sind. Und den Mond hat Frank Schätzing schon gemolken.

Ray-Ban-Leaks

Carpenters Film-Aliens setzen auf human Camouflage. Machen einen auf John Doe. Einige Erdlinge ziehen die Arschkriecherkarte und sahnen ab. Die Medien vorne weg. Wie immer. Und Otto Obey versteht immer nur Old Shatterhand.

Eine Handvoll Erdis zappt in den Resistance-Modus. Predigerveck und Co. Mit Spezial-Sonnenbrillen leaken sie die Tarnung der Aliens. Durch die Specs betrachtet, haben sie fiese Skull-Visagen. Und auf Werbeplakaten, in Zeitschriften und auf Geldscheinen stehen ihre Messages uncodiert:

OBEY (Verwandte von den Daleks?).

THIS IS YOUR GOD (klar, Dollar-Note).

CONSUME.

Nicht wirklich subtil, Mr. Carpenter. Andererseits: Antennen für Kritik am American Way of Planetfuck gab’s seit jeher nur unterm Ladentisch.

And where the Spider-Murphy-Gang-Sommer was the Fuck?

Sie leben – das war zunächst einmal fröhliches Mittelfingerwinken Richtung Reagan und seinem neo-liberalen Yuppie-Terrorismus. Aber es steckt noch mehr drin.

Viel mehr.

Ein Film zum Klimawandel. Hirn-Lockdown und Aggro-Konsum sind sein Motor.

Ein Film zum Corona-Age. Grundrechte-Kidnapping, Culture-Extinction, Nurseploitation, Eigen-Pocket-Wirtschafting der Korrupti-Gang.

Ein Film mit Mittelfingergruß an jede Art von Faschismus.

Clean Up Your Own Backyard

Elvis läuft nicht durch Sie leben.

Schade.

Wäre cool gewesen.

Immerhin ist der Schauplatz L.A. Nur paar Tagesritte von Las Vegas, wo der King die meisten seiner Konzerte gab. Um die 350.

Vision 1

Elvis hat seine Sonnenbrille verloren. Er kreuzt den Weg der Hauptfigur Nada und bekommt von ihm eine Neue mit Alien-Detection. Für ein, zwei Sekunden leuchtet Elvis‘ Heiligenschein auf wie die Erkenntnis-Glühbirne in Zeichentrickfilmen. Dann lässt er das Becken kreisen und die Gitarre krachen. Jailhouse Rock.

Im Radius von einem Kilometer explodieren sämtliche Skull-Face-Aliens.

Vision 2

Elvis erscheint auf dem Tollwood. Aus dem Nichts. Als habe Scotty ihn eben vom Olymp runtergebeamt. Unter seinem Beckenwirbel zerfallen Zäune, Masken und Kontrollfuzzis zu Staub wie Vampire, die in ihren modischen Glassärgen von der aufgehenden Sonne überrascht wurden. Der Wind pustet den Staub weg. Weit weg.

(Weiter zur nächsten Folge: Plastiksommer (3) – A season-critical diary with a canny dose of Elvis)

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