Pastablanca

Interview mit den KdFSM-Gurus Nadja Entner & Eva Rosina (2)

Fotogen wie eine Pirateninsel und merchandising-tauglich wie Old Jesusbaby: das Fliegende Spaghettimonster im Bügelperlenmodus
(Foto & Ikone: Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich)

We’ll always have Pasta.

Rickatoni Blaine: Pastablanca

(Hier geht’s zu Folge 1: Mission: Impastable)

Imagine: Riesen Götterparty. Alle sind da. Amma, Adonai, Chaos, Enki, Quetzalcoatl, Osiris, Zeus … Sogar die Mega-Spaßbremsen Allah, Drei-Falten-Gott und Jahwe. Wäre ähnlich prickelnd wie ein Coronamaskenball mit Abstandsregeln. Aber da ist ein Gast, der rockt den Club: das Fliegende Spaghetti Monster (FSM). Der Chefgott der Pastafari ist den anderen nicht nur coolnessmäßig um Endlosnudellängen voraus, er hat auch strategisch die Nudel vorn. Mit seinen ungezählten Armen hält das FSM gleichzeitig ungezählte Gin-Tonics, Bierflaschen und stimmungsoptimierendes Qualmgut.

Auf unserem Tomatensoßenroten Sofa sitzen indes immer noch die beiden ösi-flavoured Pastafari-Ladys Nadja Entner (Fast Oberste Maccharona) und Eva Rosina (Les Femmes Farfalles).

Und wir, die Munich Globe Bloggers, befeuern sie mit einer weiteren Breitseite schwefelparfümierter Fragen der holzbeinharten Sorte.

Born to RAmen

Munich Globe Bloggers (MGB): Ihr seid missionarisch unterwegs. Wie dürfen wir uns das vorstellen? Tingelt Ihr mit Nudelsieb auf dem Kopf von Haustür zu Haustür wie die Zeugen Dingsdas mit ihrem sexy Lifestyle-Magazin vorneweg oder diese Ü-60-Tante aus Ulrich Seidls Paradies-Trilogie mit ihrer Maria-to-go-Statue?

Fast Oberste Maccherona Nadja Entner: Unser missionarisches Engagement offenbart sich pandemiebedingt momentan ausschließlich virtuell. Die große Nachfrage benudeln wir mit Online-Erleuchtungen für Gläubige, Andersgläubige und Ungläubige. In erster Linie treffen wir uns, um Spaß zu haben und um über das FSM und die Welt zu diskutieren. Zudem leben wir gemeinsam unseren Glauben aus und praktizieren pastafarische Rituale.

Eva Rosina, Les Femmes Farfalles: Im Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters (Gospel of the Flying Spaghetti Monster) steht geschrieben, dass wir so missionieren dürfen, wie es die jeweilige alte Religionsgemeinschaft macht. Das heißt, bei dem Zeugs Jehovas dürften wir auch an der Tür klingeln und nerven. Ich persönlich predige lieber im Rausch von unserem Biervulkan-Jenseits. Das überzeugt die Leute für gewöhnlich.

MGB: Ihr ködert Interessenten mit einer Religion-zurück-Garantie im Falle des Nichtgefallens. Drohung oder Marketing-Trick?

Nadja: Erfahrungsgemäß wird dieses Angebot so gut wie nie eingefordert. Zumindest ist das bei uns Ösis so, dass kaum jemand zurücknudelt.

Eva: Genau so ist das auch gedacht. Das musst du als moderne Kirche einfach draufhaben. Wenn wir nur brav über die inhaltliche Glaubwürdigkeit von Religionen diskutieren, sitzen wir in 500 Jahren immer noch da. Letztlich ist es immer das Marketing, das die Leute vom Beitritt überzeugt – bei jeder Religion.

Wunderstatement der dritten Art: Offizielle Spaghettolit-Erscheinung im heiligen Piratenland Tirol (Pressespitzname: „Mikado-Miracle“)
mit Entdeckerin Nadja Entner im Contact high
(Foto & Ikone: Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich)

Hotel Cannellonia

MGB: Die katholische Kirche punktet mit Gimmick-Merchandising (z. B. Heiligen-Actionfiguren mit Features wie Random-Bluten und Augen-Inkontinenz), Magic Saint-Bones, Super-Food (Hostien, Messwein) und urgünstigem Sünden-Dispo. Mit welchen Nudelheil-Angeboten punktet die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters?

Nadja: Pastafarisches Super-Food ist quasi immer und überall in fast jedem Lebensmittelgeschäft der Welt erhältlich: Pasta und Bier! Aus den meisten Haushalten sind diese Pastafari-Super-Food-Produkte quasi Standardausstattung. Ein Nudelsieb bringt Glück und trennt die Pasta vom Nudelwasser. Dieses spirituelle Ritual begehen tagtäglich unzählige Menschen auf dieser Welt (oft, ohne zu wissen, dass es sich hierbei um eine alte pastafarische Tradition handelt). Zu besonderen Anlässen verwenden wir Pastafaris das Nudelsieb auch als religiöse Kopfbedeckung. Das Fliegende Spaghettimonster ist zudem äußerst fotogen und merchandisingkompatibel. Es gibt z. B. gestrickte Varianten oder mit Bügelperlen angefertigte FSM-Getränke-Untersetzer. Beichtstühle haben wir zwar nicht im Angebot, aber Nachfrage halte ich gerne pastafarische, kinky angehauchte Seelsorge-Stunden via Zoom! (Anmeldung unter: fom@pastafari.at)

Eva: Es gibt eine genaue Untersuchung der Auswirkungen unserer Nudeligen Nahrung (Spaghetti und Bier) versus der Ernährung mit Hostien. Sie belegt eine klare Pastafarische Überlegenheit bei den Punkten Nahrhaftigkeit und Geschmack. Unsere Kopfbedeckungen sind zudem multifunktional: Nudelsiebe eignen sich u. a. zum Abseihen von Nudeln – und die Piratentücher z. B. als Mund-Nasen-Schutz.

Forget the Turiner Grabtuch: Pastafari-Eva erscheint auf Farfalle
(Foto: Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich/MGB)

(Weiter zu Folge 3: Pastacalypse Ciao!)

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