Mission: Impastable

Interview mit den Pastafari-Gurus Nadja Entner & Eva Rosina (1)

Monster Unser im Topf, geschlürft werden deine Tentakeln, dein Teig schmecke, dein Pesto geschehe, wie im Teller so im Magen: Post-Naives Strickporträt des Fliegenden Spaghettimonsters (FSM).
(Foto & Ikone: Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich)

Wer ist denn hier der Prophet – Sie oder ich?

Bobby Henderson: Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters

Am Anfang war ein Witz. Und der Witz trug Bart. Einen Schnauzer. Dazu Vokuhila. Alle lachten ihn aus. Alle außer dem Universum. Dem ging alles am Arsch vorbei. Es ließ nur einen fahren. Das war der Urknall. Damit schuf das Universum sich selbst. Und das war cool. Viel cooler als all die urschleimigen Schöpfungsmärchen der knallköpfigen Mainstream-Religionen. Aber diese Geschichte hier ist auch ziemlich cool: Weit draußen in den unerforschten Winkeln des Nichts fläzte sich das Fliegende Spaghettimonster (FSM) auf seinem Barhocker, zupfte an seinem Stringtheorietanga, startete eine einsame Gravitationsmexikowelle und bestellte eine Runde Licht. Damit rekelte sich das Universum aus dem schwarzen Startloch und nervt seither alle mit seiner lässigen Ignoranz.

Grund genug, zwei hochwohlnudelige Piratinnen aus dem austro-irdischen Stab des Fliegenden Spaghettimonsters, der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich (KdFSMÖ), auf unser Rotes Sofa zu beamen: Die Fast Oberste Maccherona (FOM) Nadja Entner aus der verlängerten Ötzi-Hood Tirol und Les-Femmes-Farfalles-Mitschöpferin Eva Rosina aus der Leiwand-City Wien.

Pirates of the Inn

Munich Globe Bloggers (MGB): Eure FOMistät, Eure Femmes-Farfalligkeit, wie habt Ihr selbst den Weg gefunden in den lasagneweichen Schoß dieses Erleuchtungsproviders und weiter in diese ehrtriefenden und huldigungserbeutenden Ämter?

FOM Nadja Entner: Tief drinnen spürte ich, dass ich schon immer eine echte Piratin war. Mit sieben Jahren trug ich meine erste Augenklappe und enterte Nudelsalatbuffets. Das Fliegende Spaghettimonster erwählte mich persönlich und bestimmte mich zur Piratin und Pastafari. Darauf wette ich mein Nudelholzbein. Es war eine lang gegarte spirituelle Erfahrung, so als habe mich das Fliegende Spaghettimonster mit Seinen Nudeligen Anhängseln berührt. Als ich erkannte, dass es noch andere Pastafari in Österreich gab, pilgerte ich 2012 nach Wien, wo wir gemeinsam die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich gründeten und ich sechs Jahre später zur Fast Obersten Maccherona auserkoren wurde.

LFF Eva Rosina: Meine nudelige Erweckung ergab sich nach mehreren religionsphilosophischen Seminaren zum Pastafarianismus. Zunächst war ich wenig engagiert und lebte meinen Glauben oft alleine bei einer Portion Spaghetti – bis ich 2019 im Lehramtsstudium den religiösen Behang meiner (meist katholischen) Kolleginnen und Kollegen sah. Da beschloss ich, meinen Nudeligen Glauben auch sichtbarer zu leben, damit die Kinder zumindest eine Auswahl haben, besorgte mir ein Monsterkettchen und ging zur ersten Generalversammlung.

MGB: Das klingt, als wähle das Spaghettimonster seine Fans selbst aus. Ungefähr wie der Sprechende Hut in Hogwarts die Erstklässler den vier Häusern zuteilt. Cool. Die Pastafaris sind ja eine vergleichsweise junge Religion ohne Wüsten-Experience und Seelenrentenheimgarantie im Jenseits wie bei den Big Playern der Seelenoptimierungskonzerne. Wie seht Ihr Eure Chancen, da mitzuspielen?

Nadja: Stimmt! Unsere Religion ist noch ziemlich jung, aber sie wächst rasend schnell und immer mehr Menschen möchten gerne Mitglied werden.

Eva: Ich halte die Jugendlichkeit unserer Religion für einen großen Pluspunkt. Debatten zwischen Kathol-, Islam- und Atheist-Menschen und so drehen sich seit Jahrtausenden im Kreis. Gähn! Außerdem: Eine Seelenrentenheimgarantie haben wir sehr wohl – klarer Vorteil gegenüber dem Atheismus! -, sogar eine viel bessere als die etablierten Religionen: Im Nudeligen Jenseits warten ein Biervulkan und eine Stripper- und Stripperinnen-Fabrik.

Hat Biss, aber beißt nicht: Fast Oberste Maccherone (FSM) Nadja Entner verführt den Betrachter Adam Mustermann mit einer Tschernobyl-Apfel-großen To-Go-Version des FSM
(Foto & Ikone: Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich)

The Spaghettolith Incident

MGB: Wahrlich, ein Anreiz für ein kurzes Leben im Diesseits und ein vielversprechendes Mittel gegen die Übermenschisierung der Erde. Bisweilen hilft das FSM persönlich beim Marketing: Letzten Dezember offenbarte sich in Tirol ein umlaufbahnbrechender Spaghettolithfund. Damit könnte diese Steinwüste ein pastafarischer Pilgerort werden – ein Mekkaroni, Farfátima oder Santiago de Cannelloni. Wie seht Ihr das Wallfahrtspotenzial und welche Beschwerden heilt der Spaghettolith, außer Hunger?

Nadja: Namhafte Pastafariologen spekulieren, dass die vorausgegangenen Monolith-Erscheinungen in Utah und anderswo lediglich Teaser waren für die Erscheinung des Spaghettolithen. Demnach ist der Spaghettolith die Vollendung des Monolithen. Nicht nur deshalb ist Breitenbach am Inn definitiv die schönste Monster-Metropole der Welt. Dieser magische Ort mit seinen wundervollen Pastafari-Pilgerwegen ist zu einem internationalen Touristenmagnet geworden. Spagehttolithen werden wundersame Heilkräfte nachgesagt, wenn man diese entdeckt und berührt.

Eva: Ich sehe da auch sehr viel Potenzial. Tirol braucht eh dringend eine neue Tourismus-Attraktion, nachdem Après-Ski in Verruf geraten ist. Das eröffnet zudem die Chance auf eine Versöhnung zwischen Pastafarischer Glaubensgemeinschaft und katholischer Tiroler ÖVP. Unsere Nudelarme sind ausgestreckt. Und ich denke, Hunger-Heilung ist mehr als genug für ein Wunder! Das ist definitiv mehr, als die „Wunder“ der anderen Religionen leisten.

Les-Femmes-Farfalles-Gründerin Eva Rosina beim Direktempfang außertomatischer Botschaften via ravioliaktivem Henderson’schem Nudelwellenfilter
(Foto: Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters Österreich)

(Weiter zu Folge 2: Pastablanca)

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