Neues aus Little Eden (2)

The Wuzi-Files

Architektur-Gourmets unter sich: Wuzi & Luci
Luci: „Fuck, Alter. Krasse Hütte. Selfmade?“
Wuzi: „Sure, Bro. Leider musste ich am Balkon massiv sparen. Scheiß Bürokratenstadt!“
(Foto: Munich Globe Bloggers)

Der Autor

(Hier geht’s zu Neues aus Little Eden, Folge 1)

Mein Traum, als „Frank Gehry der Kobel-Architektur“ den renommierten Nusser-Preis einzuheimsen, war perdu. Dabei war ich überzeugt, mein neodekonstruktivistischer Cheapskate-Kobel mit seinen raffinierten Extras hätte auch James Bonds spießigen Quartiermeister Q in Ekstase versetzt. Stattdessen albträumte ich wochenlang, dass mich ein „Kchkk, kchkk, kchkk!“ skandierender Eichhörnchen-Mob durch den kleinen Waldstreifen jagt, den er seine Hood nennt. So wurde ich zumindest nicht Sklave meines Weckers, denn ich erwachte von nun an meist schon eine Stunde vorher.

Umso überraschter war ich, als ich keine zwei Monate nach Wuzis nachbarschaftswirksamer Schimpftirade frühmorgens aus dem Fenster blickte: Wuzi schob Näschen und Öhrchen aus einem der oberen Eingänge und schnellte schließlich ganz aus dem verschmähten und gedissten Baumbauhaus. Krass im Quadrat! Macht mich vor versammelter Fauna zum Meisenschiss. Dann zieht er kommentarlos ein, tut einfach so als hätte er sich die Astgabel-Residenz selbst gebaut oder als hätte er schon immer darin gewohnt.

Rehabilitiert war ich deshalb noch lange nicht. Im Gegenteil: Meine Humiliation ging munter weiter. Einige Tage später fand ich den Wutball, der als Kindersicherung gedacht war, auf dem Boden neben dem Baum liegen – gründlich zerfetzt. Wuzis Monolog dazu konnte ich mir ausmalen: „¡¿What the fuck?! ¡¿What the fuck?! La gente está muy loca.“ In einem mittelschweren Vernunftanfall verzichtete ich auf spätpubertäres Mittelfingerwinken. Stattdessen freute ich mich mit einigen sonderdämlichen Fußball-Jubelgesten, dass Villa Wuzi nun doch gefragt war. Ich hoffte zumindest, dass sein Bewohner etwas mehr darin sah als nur ein komfortables Baum-Dixi. Binnen Minuten erlebte mein Optimismus ein Comeback wie Muhammad Ali 1974 beim legendären Rumble in the Jungle in Kinshasa, Zaire (heute: Demokratischen Republik Kongo), als er den unbesiegten Schwergewichtsweltmeister George Forman erst austanzte, dann auf die Bretter klopfte à la „Nimm das, fucking Schnitzel!“. Mein Stern als zumindest künftiger Walter Gropinuss der Eichhörnchen-Architektur würde demnächst in einer hippen Ecke des Kosmos kleben wie die arthrotische Schulter des Orion.

(Fortsetzung folgt)

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