You’ll never walk alone, Herr Rossi

Beamte suchen das Glück. Klingt surreal – kommt cool
(Artwork: Kinostar Filmverleih)

Ich habe die beste Toilette. Meine Toilette ist schöner als meine Küche.

What Happiness is (Dokfilm)

Ösi-Filmer Harald Friedl hält einfach drauf. Filmt Beamte der gewählten Regierung Bhutans, wie sie mit ihren Fragebögen durchs Land reisen und Leute befragen. Kein Kommentar, keine Fragen der Filmer an die Befrager und Befragten. Nur am Anfang und am Ende des Dokumentarfilms gibt’s ein paar Anmerkungen. Anfangs kurze Infos zum Land, am Ende ein paar Ergebnisse der Studie: Die Beamten Bhutans in ihren lustigen Dienst-Pyjamas erheben das Brutto-National-Glück. Eine sympathische Alternative zum Bruttosozialprodukt der kapitalistischen Welt. Und es klingt, als habe da jemand verstanden, worum es in einer Gesellschaft eigentlich gehen sollte.

»Jetzt bin ich glücklich.«

„Denken Sie daran, sich umzubringen, sich aufzuhängen, vom Berg zu stürzen oder sich zu ertränken?“

„Ich denke oft daran. Ich habe kein Essen und keine Kleider. Ich habe kein Geld.“

Die groß angelegte Suche tut keineswegs so, als gäbe es in Bhutan nur Honigkuchenponys. Friedls Beispiele sind ausgewogen. Der Filmer verfällt nicht dem Eso-Klischee, Bhutan sei ein buddhistisches Kloster, wo die Menschen frei sind von materiellen Bedürfnissen à la All you need is a Handvoll Reis und Muse fürs Gebet.

Die Antworten sind weit weniger konfuzianisch wie Dr. Prejudice behauptet: „Hauptsache einen Haufen Geld“, sagt ein Mann, der glaubt, wo der goldene Schlüssel zu seinem Glück steckt. Aber da ist auch berg-buddhistische Schrägness: Eine Frau, die Spaß an ihrem Klo hat. „Haben Sie eine Toilette?“ Sie strahlt: „Ich habe die beste Toilette! Meine Toilette ist schöner als meine Küche.“ Cooler ist eigentlich nur noch die runzlige Omi, die sich eine Fluppe ansteckt: „Jetzt bin ich glücklich.“

No Gimmicks

Auch eine Art, ein Land zu bereisen: Den Leuten dort zuzuhören und zuzusehen, wie sie zu Hause über Glück sprechen. Landschaftsaufnahmen tauchen nur am Rand auf. Meist sieht es aus wie im Gebirge, wenn es geregnet hat. Nicht unbedingt das Wow-Ziel, das sofort auf Platz eins der To-Travel-Liste flutscht. Wenn, dann würden wir eher wegen der Leute nach Bhutan reisen. Am Ende des Films wirken diese Typen wie alte Kumpels oder Nachbarn.

Satte 41 Prozent der Bhutaner beschreiben sich als glücklich, behauptet die Erhebung. Warum? Das Alltagsequipment wirkt vergleichsweise schlicht, Gimmick-reduziert. Okay, das bestätigt nur die psychologische Erkenntnis, dass der Glückseffekt von materiellem Kram keine Schwiegermutter ist und schnell wieder auscheckt. Quasi Quick-Disembarking. Gründe für das üppige bhutanische Brutto-National-Glück bleiben leider verborgen. Hier ist Friedls dokumentarische Zurückhaltung unbefriedigend. Ein Film mit dem Titel What Happiness is, sollte zumindest versuchen, Erklärungen zu finden. Oder will der Regisseur mit seinem Schweigen andeuten, dass Glück ein ewiges Rätsel bleibt und verraucht ist, sobald die Fluppe sich in Asche verwandelt hat?

What Happiness is – Auf der Suche nach dem Glück. Dokfilm von Harald Friedl, Österreich 2012, 91 Min., Filmstart (D): 1. 8.2013.

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