A mute reminder

Christo meets Roger Waters am Königsplatz

Poppy Anti-War-Memo: Walter Kuhns Post-Sheep-Installation „Never Again“ auf dem Münchner Königsplatz (Foto: Munich Globe Bloggers)

Poppy Anti-War-Memo: Walter Kuhns Post-Sheep-Installation „Never Again“ auf dem Münchner Königsplatz (Foto: Munich Globe Bloggers)

Sonne. Finally. Jetzt leuchten sie in magic poppy red. Die Stoffblumen auf dem Münchner Königsplatz. Noch kein Schnee Anfang Dezember. Gut so. Zwischen den kahlen Bäumen und dem erschöpften Rasen wirken die überdimensionalen Artpoppies wie außerirdische Botschafter. Antennig. Entschlossen. Voll energischer Traurigkeit. Mit einer Beauty powered Message an diese merkwürdigen Erdbewohner, die so gerne zerstören. Klaatu in The Day the Earth Stood Still: „I am fearful when I see people substituting fear for reason.“

Ein symbolisches Memo, hundert Jahre nach Ende der ersten Globalschlacht. Denn Homo barbarus, wie die Menschen im Rest des Weltalls genant werden, ist ein notorischer Gewaltfuzzi, ein Wiederholungskrieger. Alle anderen Kosmosbewohner sich danach, dass ihm mal endlich jemand die Sonne ausknipst. Walter Kuhn ist da sanfter. Der Kunstgärtner und ehemalige Kunstschäfer im Olypark protestiert mit einer friedlichen Blumenversammlung unter freiem Himmel zwischen den beiden Fake-Tempeln mit römischen Vasen und griechischen Götterstatuen. 

In der Flächenperspektive drängt sich Christo in die Assoziationskette. The Gates im New Yorker Central Park, 2005. Und die weniger bekannten Wrapped Walk Ways in Kansas City, 1977/78. Als visueller Soundtrack klimpert The Final Cut. Ein Epilog auf The Wall, mit dem sich Roger Waters 1983 von Pink Floyd verabschiedete. Dieses Düsteralbum ist das reinste Mohnblumenfeld. Sie blühen überall. Auf dem Cover, zwischen den Rillen.

In derelict sidings the poppies entwine … Mohnblumen suchen sich sonst eher Ränder aus. Sie blühen zwischen dem Gerümpel an Baustellenzäunen, auf stillgelegten Gleisen und vergessenen Gräbern. Für einen so ehrenwerten wie dringlichen Auftrag, die Menschen zum Frieden zu ermutigen, recken sie ihre schüchternen Blüten ausnahmsweise in die Rampensonne.

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