Gin Diary – Episode 21

Strange Angels

„Some girls' enchantment has a pretty guillotinesk quality“, Jimmy said to himself. „I'd better fix my head with some bungee rope.“ (Foto: Munich Globe Bloggers / Tara Tulpe)

„Some girls’ enchantment has a pretty guillotinesk quality“, Jimmy said to himself. „I’d better fix my head with some bungee rope.“ (Foto: Munich Globe Bloggers / Tara Tulpe)

(Hier geht’s zu Folge 1). Host an Tschick? Die Ansage der kippenförmigen Aschenbecher-Extension am Mülleimer empfand ich wie das spontane „gimme five!“ eines Harlem-Ghetto-Checkers. Absolutely my cup of welcome. Cool and cosy. Rau, aber Bradda. Ich stand an der Bushaltestelle in fucking Nowhere-Vienna. Und ich spürte die Freiheit, wie sie mir nur endlose Prärie und Big Citys servierten. Wien konnte verflucht urban sein, wenn es wollte. Der Busfahrer hatte Niki-Lauda-Gene. Ersparte mir die Achterbahn.

Ich deponierte das Gepäck im magdas Hotel. Zimmer 103. Eine Empfehlung von Broox, der mich via SMS fragte, ob ich eine Story rüberklopfen will. Thema egal. Hauptsache Jimmy. „The real Jimmy“, wie er hinterher stichelte, um mich völlig unnötig an meine lange Schreibmaschinendiät zu erinnern. Broox hatte ein tramperbluesiges Travelmag namens Roamsick, für das ich mich früher öfter in die Tastatur geworfen hatte. Bevor ich die Schreibmaschine gegen einen Platz an der Bar tauschte.

Vom Balkon blickte ich direkt auf das Riesenrad. Und fühlte mich gleich so was von Harry Lime. Dazu Sonne – on the rocks. Mein abendlicher Get-the-feeling-Walk brachte mich zum benachbarten Prater. Am Rummelplatz fegte ein Nostalgiegewitter über mich hinweg. Der erste Retroflash schleppte mich in die Riesenradgondel. Der zweite Retroflash navigierte mich zum Autoscooter. An den Kisten hatte sich seit dreißig Jahren überhaupt nichts verändert. Ein Hauch Jurassic Park. Als wären sie von der Erde verschwunden gewesen und ein findiger Scientist hätte sie aus alten Polaroids geklont.

Ein Scooter rammte mich so heftig in die Seite, dass mein Kopf vom Hals katapultiert wurde. Die Crashpilotin war eine Teeniegöre. In einer Hand hielt sie das Lenkrad, in der anderen diesen unschuldigen Hasen mit der Sparmimik. Tiffy oder Piffy oder so. In der Görenfratze baumelte ein rotziges Grinsen. „Bitch!“

Ein verdammt unsensibles Memo des Universums, dass ich raus war. Abgestellt im social Niemandsland – zu alt für die Disco, zu jung für den Golfplatz. An der nächsten Bude stöberte ich nach einem Lebensuntüchtigkeitsausweis, einem T-Shirt mit der Aufschrift: „Ich bin 30. Bitte entsorgen Sie mich umweltfreundlich.“ Wo ich eh schon die ganze Zeit das unsortierte Gefühl hatte, meinen Kopf unter dem Arm zu tragen. Wegen Mrs. Mysterycardwriter.

(Weiter zu Episode 22)

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