Leute neben der Spur (20)

Stefanie Sargnagel hört beim Trampen gerne Geschichten über Schafzucht

Walk like a flamingo, talk like a Beisl: Statusmeldungenerstatterin Stefanie Sargnagel (Foto: Alexander Goll – abgeschnitten von uns)

Walk like a flamingo, talk like a Beisl: Statusmeldungenerstatterin Stefanie Sargnagel (Foto: Alexander Goll – abgeschnitten von uns)

En-vogue-People sind uns ja rundum suspekt. Aber bei der urleiwanden Wienerin Stefanie Sargnagel schwächeln sogar unsere Starkmaten. Bei aller feuilletonierten VIPness ist sie immer noch bastante undergroundy, um unsere Nebenspur-Demands zu meeten. Kürzlich elogisierte der Chef die Akustikversion von Stefanies neuer Facebookschmähcollection mit dem gefährlich nüchternen Titel Statusmeldungen. Wer so gefragt ist, kommt nicht nur im Internet herum. So jemand dreht auch draußen im fiesen Real Life seine Runden. Wir haben Stefanie irgendwo dazwischen aufgegabelt und sie mit unseren notorisch irrelevanten Fragen gepierct. Anstatt uns eine solide Ice Bucket Challenge aufzusetzen, hat sie uns ganz ladylike respondiert. Respekt, Madame!

Munich Globe Bloggers (MGB): Im Oktober bist du mit deinen Statusmeldungen auf Lesereise. Jeden Tag an einem anderen Ort. Das klingt für uns wie durch Facebook-Posts zu scrollen. Was bleibt da bei dir hängen?

Stefanie Sargnagel (Sarg): Es wird mit der Zeit sehr monoton, weil man ja immer dasselbe macht und vor allem Bahnhöfe, Hotels und Veranstaltungsorte sieht. In Zukunft bin ich aber mit den Rapperinnen Klitclique unterwegs und im November mit der Autorin Puneh Ansari. Das wird dann gleich viel spannender, weil man sich auch austauschen kann. Außerdem sind wir mit dem Auto unterwegs, da kann man auch mal stehenbleiben, wenn etwas interessant aussieht.

MGB: In 80 Tagen aus dem Bett – der Untertitel deines Buchs verspricht aufs Reisen übertragen eher das Gegenteil zum Durchrauschen, quasi Turtle-Travelling. Ist das mehr nach deinem Reisegeschmack?

Sarg: Ich reise gerne per Autostopp und mit Zelt. Man kommt nur stückchenweise voran und hat das Gefühl, man erobert sich die Wegstrecke. Außerdem sieht man dadurch Orte, durch die man sonst einfach durchfahren würde und die Leute, die einen mitnehmen, versorgen einen mit ungewöhnlichen Informationen. Dadurch, dass natürlich nur Leute stehenbleiben, die das gerne tun, hat man überdurchschnittlich viele Begegnungen mit freundlichen Menschen. Es sind meistens ganz unterschiedliche Leute, die einen mitnehmen und sie erzählen einem dann etwas über Schafzucht, die Einwohnerentwicklung oder Agrarwissenschaft. Dinge, über die man sich nie informieren würde, die aber erzählt doch ganz interessant sind. Es ist aber sehr anstrengend, deshalb braucht man auch genug Zeit sich zu erholen und ich mache es nur zu zweit.

MGB: Du bist dieses Jahr Stadtschreiberin in der Bachmann-City. Wir denken da an einen Call-a-Poem-Service. Die Leute rufen dich an, wenn du in deinem Turmstübchen sitzt, oder klopfen dir auf die Schulter wenn du spazieren gehst und bestellen „ein Aperçu-to-go“ oder „einmal Hundsgemein mit Pommes“. Läuft das so?

Sarg: Ja, genau so ist es.

MGB: Like it! In deinem Buch und Hörbuch Statusmeldung erwähnst du eine Reise nach Mazedonien. Für uns Ostverächter hört sich das an wie Molwanien. Quasi Ziegenschnaps, Betonbarock, Keuchhustenpartys und ganzheitliche Zahnlücken. Welche Geheimwarnungen hast du in deinem Buch verschwiegen und ist das ein klassisches Sargnagelreiseland?

Sarg: Mazedonien ist landschaftlich sehr schön. Der malerische Ohrid See ist zum Beispiel ein sehr beliebtes Urlaubsziel in Exjugoslawien und UNESCO Weltkulturerbe. Es gibt viel Weinbau und gutes Essen. Skopje ist auch eine sehr eigentümliche Stadt, weil sie mit dem alten Bazar fast was orientalisches hat, gleichzeitig flashige brutalistische Gebäude und eine neue Innenstadt, die mit historischem Kitsch verschandelt wurde. Es ist sehr multiethnisch und man hört den Muezzin singen, während das Wahrzeichen ein riesiges leuchtendes Kreuz ist. Albanien als Nachbarland ist auch ein totaler Geheimtipp. Ich habe noch nie so starke Gastfreundschaft erlebt wie in Albanien, wir wurden als Rucksackpenner ständig auf Kaffee und zu Übernachtungen eingeladen. Gleichzeitig hat es landschaftlich und geschichtlich hochinteressante Dinge zu bieten. Ich denke, es wird dort in Zukunft noch sehr touristisch werden.

MGB: Zurück nach Wien. Wie hat sich deine Residenzcity bzw. deine dortige Hood für dich verändert, seit du so berühmt geworden bist? Gibt es für dich neue No-go-Areas oder Places-to-be? Welcher Ort wäre ideal für eine Sargnagelstatue? Und wie sähe sie aus?

Sarg: Ich werde in Studentenvierteln wesentlich mehr angesprochen als in Arbeitervierteln, deshalb fühle ich mich in meiner Gemeindebauwohngegend immer noch angenehm anonym. Am liebsten hätte ich ein eigenes Shoppingcenter wie die Lugnercity.

MGB: Oh, wie schön! Einen Sargnagelcenter, wo man Unglückskekse mit deinen Facebook-Posts kaufen kann und einem Nonstop-Kino, in dem nur deine Cartoons laufen. Zur Einweihung checken wir ein und singen: „Mia san die Steffie, olé, olé.“

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