Listen to the wind

Tamara Weber-Fillion magict die Traffic Bar

Grace, Wind & Fire: The sublime performance of Tamara Weber-Fillion @ Traffic Bar, Munich (Foto: Munich Globe Bloggers)

Grace, Wind & Fire: The sublime performance of Tamara Weber-Fillion @ Traffic Bar, Munich (Foto: Munich Globe Bloggers)

Why can’t you see I just wanna be sad
it feels so good to feel bad

Tamara Weber-Fillion: Let Me Be

Sie steigt auf das Fensterbrett, biegt sich das Mikrophon herunter und fängt an zu singen. Als hätte jede Bühne nur einen halben Quadratmeter Platz. Als wäre Improvisation das Analogste auf der Welt. Wisdommäßig natürlich absolutely Konfuzius. Das Leben boykottiert Pläne. Aus Prinzip. Die Kleine mit dem Hut braucht keine Minute, um das Publikum mit ihrer Gänsehaut-Kollektion auszustatten. Nur mit Akustikgitarre und Schellen am rechten Fuß. Mehr passt nicht auf die Bühne. Nur noch diese Zauberstimme, die einen umwirft und auffängt wie eine stürmische Umarmung. Für Passanten sieht es aus, als wäre eine Schaufensterpuppe zum Leben erwacht und zeige nun, dass sie viel, viel mehr kann als Deko.

Zwischen eigenen Liedern zitiert sie Bob Dylan, Cat Stevens und Tracy Chapman. An die denkt man zuerst, wenn man Tamara Weber-Fillion sieht und hört. Ihr Look, ihre Traurigkeit, ihr so lange ich singe, lebe ich. Tamara singt wie Wind. Warmer Wind, der einen umhüllt wie eine zweite Haut. Wind von weit her. Ihre Homebase Quebec im Osten Kanadas ist wirklich nicht ums Eck. Umso wundervoller, sie hier anzutreffen, in der winzigen Traffic Bar. Zusammen wecken sie das oft vermisste Gefühl, am richtigen Ort zu sein.

Tamaras Magie wird auf die Probe gestellt. Es ist unjuliwürdig kalt. Der 53er Richtung Aidenbachstraße pflügt jedes Mal einen fucking Tsunami über den Gehsteig vor der Bar. Ein fehlender Verstärker. Eine übertankte Gästin, die sich abwechselnd mit ihrem Smarty zur alternativen Beschallungsquelle berufen fühlt. Tamara nimmt’s cool. Busker-Routine? Oder einfach famose Gelassenheit, wie sie nur wahre Dudes aus dem Milchbart schütteln?

Wind ist das eine. Das andere ist Feuer. Tamara umgibt diese singende Aura. Als wäre Amazing Grace für sie geschrieben worden. Selbst wenn sie nur an der Bar steht und an ihrem Bier nuckelt. Sie hat das Spell-Feature eines Burning-Man-Feuers, die Damien-Rice-geflüsterte Can’t-take-my-eyes of-her-Magie eines karibischen Sonnenuntergangs. Als sie nach dem letzten Lied von der Bühne steigt und wieder Teil der Menge wird, klebt der Blick noch immer an ihr.

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