You can’t always want what you get

Fünf weißwurstharte Argumente, den Sommer in München auszusitzen

We know the way to Graceland. Even in München-Giesing. Just follow the Munich Globe Bloggers - self-certified Elvis-Spotters since 1977 (Foto: Munich Globe Bloggers)

We know the way to Graceland. Even in München-Giesing. Just follow the Munich Globe Bloggers – self-certified Elvis-Spotters since 1977 (Foto: Munich Globe Bloggers)

Als Avanti-Garde und Mega-Dudes des Retroreisens spüren wir unablässig die erwartungsvollen Blicke unserer Gefollowschaft auf den gerade noch jugendlich knarzenden Schultern und die daraus fontänende Verantwortung, unentwegt Neuland aufzuschütten. Wie einst die wackeren Niederländer, die mückenparadiesisches Sumpfland aufgraduierten in blühendes Tulpen- und Windmühlenländchen zum Käselaibrollen und Buntsärgeschippern.

Unsere Neulanderschließung ist mehr von der virtuellen Sorte. Eine Neulanderschließung via sherlockholmesiger Beobachtung und spätdelphischer Orakelkunst. Wie gute alte Prä-GPS-Pfadfinder navigieren wir unsere Klicksprovider unverschämt elegant durch einen komplexen und jederzeit zur Unwirtlichkeit bereiten Plastikbeton-Dschungel. Wir navigieren sie directamente hinein in die kleinen Spontan-Oasen, zu den vergänglichen, aber knusprigen Ästhetik-Snacks dieses rasant metamorphisierenden Planeten.

Wer in unseren Hängematten-Hopping-Express steigt, hat beste Chancen, Elvis zu treffen und sei’s als Silhouette eines angebrannten veganen Kiosk-Omelettes auf einem post-gentrifizierten Waveboardparkplatz im Münchner Westpark. Als Experten für Bigger-than-Life-Emotions, wie sie aufpoppen, wenn in einer der seltenen T-Shirt-warmen Sommernächte Tom Waits „Jersey Girl“ daher schmachtelt oder unser Chef seine Lieblingsgeschichte vorliest, kennen wir immer einen geheimen Weg in den Magic Garden.

Entschlossen, dem Münchner Sommer in die untoten Augen zu starren, überzeugen wir uns selbst und unsere Leser mit fünf unablehnbaren Don-Corleone-Argumenten, diesen Sommer die Koffer und Backpacks nur mit Staub zu packen. Here we stay!

1. Feinstaub-Paradies: Feinstaub ist das Crystal Meth des kleinen Mannes. Und die Landshuter Allee quasi die große Freibiermeile der Krebs-Partikel-Aficionados. Also Liegestuhl unter den Arm geklemmt, halbwegs unangefahren auf den grau begrasten und angenehm unverkackten Mittelstreifen gelangen, zurücklehnen und tief durchatmen!

2. Radler-Hauptstadt: An jeder Ecke plätschert dieses Blasenkrebs konservierende Gesöff-Hybrid aus Kopfwehpisse und Zitronenuhu. Gibt es ein besseres Training für das Dschungelcamp als durch München zu radeln und sich an jedem Zwangsstopp mit einem Radler zu vergiften?

3. Gentrifizierungs-Eldorado: Münchens Wille zur nachhaltigen Ausgrenzung der Financial Low Performer ist weltmeisterlich, die Freude an Arschlochpreisen so was von ansteckend. Best evidence: Rubelrollwood, die Hipster-Mensa und Bobo-Borzn. Einfach Kult!

4. Queue-Capital: Überrascht, dass so viele Ossis in München leben? Wir nicht. Das feiste Isar-Gracherl ist Germanys Schlangesteh-City No. 1. Hier queuet man ständig und überall, sobald man die Wohnung verlässt. Und sei es nur für die nächste Schlange. Ehrlich gelogen: Ohne Schlange fühlen wir uns inzwischen ziemlich nackt und orientierungslos. Nicht, dass es nötig wäre, aber wir arbeiten an einer App, die mithilfe eines hochkomplexen Algorithmus die nächsten Anstehschlangen im Umkreis von 100 Metern lokalisiert. Arbeitstitel: Anakonda. Sicher ist sicher.

5. Belegt-Metropole: Wer auf Handtuch-panierte Liegestühle steht, braucht nicht zum Kap Sonnenbrand. München ist belegter als jede Internet-Provider-Hotline. Ständig ist alles „weggefaxt“ (Polt). Selbst die 10 cm² Biergartensitzfläche muss man schon ein Jahr vorher reservieren und den Listenplatz in der Schlange zur Flüssigkeitsrückgabe sowieso. Der beste München-Witz und stabilste Running Gag geht so: „Ist hier noch frei?“ Marcel Proust nichts dagegen.

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>