Gin Diary – Episode 14

Let It Grow

Red-lighted and light-hearted Jimmy finally knew how to handle his confusion – with a little help of No. 461: Let it blossom, let it grow … (Foto: Munich Globe Bloggers / Tara Tulpe)

Red-lighted and light-hearted Jimmy finally knew how to handle his confusion – with a little help of No. 461: Let it blossom, let it grow … (Foto: Munich Globe Bloggers / Tara Tulpe)

(Hier geht’s zu Folge 1). Travis präsentierte mich dem Publikum als special Ü-Gast. Ich war nicht einfach ein alter Kumpel, den er nach 15 Jahren zufällig wieder traf. Es klang mehr, als käme Eric Clapton auf ein Ständchen in eine Bar, wo sonst nur Kiezgrößen aufblusen und abfolken. Und die drei anderen Typen, die hier ihre Buchstabensuppen verteilten, waren meine Vorglüher. Der Synapsentraffic in meinem Oval Office spielte in der NASA-Liga. „Jimmy, we’ve got a situation here.“ Ich dimmte das Rauschen mit vier Tonic flavoured Jimmys. Dann trat ich ans Mikro.

Travis lieh mir seine Ausgabe von Die Malteser Schildkröte. Das Buch beschrieb meinen Versuch, mit 17 um die Welt zu trampen. De facto zeltete ich zwei Wochen hinter einer Autobahnraststätte. Beim Abdaumen und abends im Zelt malte ich mir aus, wie die Länder und Städte wohl waren, die mir die Welt verweigerte, weil sie mich am Straßenrand stehen ließ.

Mein erstes Ziel war Amsterdam. Ich wusste eigentlich nur, dass es irgendwo in Holland lag. Davon abgesehen war ich feuchtgrün hinter den Ohren wie ein Dutzend Gewächshäuser. „Ich dachte, die Leute dort sprechen Rudi-Carrell-German. So ein Strange-Deutsch wie die Österreicher, Schweizer, Ostfriesen, Bayern, Schwaben, Hessen, … Rudi war damals der einzige Holländer, den ich kannte.

Und Frau Antje. Von ihr hatte ich offenbar nur das Aussehen gespeichert. In meinem Brain-Preview lief ich durch die Straßen und grüßte lächelnde blondzopfige Frauen in Holzschuhen, die riesige Käselaiber neben sich herrollten. So wie die Franzosen den lieben langen Tag ihr Baguette spazieren trugen. Mein Amsterdam war eine sehr gemütliche Stadt ohne Autos, aber voller Windmühlen. Zwischen den Flüchen, die ich Autofahrern hinterher murmelte, wenn sie die blaulichternde Dringlichkeit meines Daumens ignorierten, übte ich Wörter und Sätze auf Rudicarrellisch auszusprechen …“

Das Publikum war ausgesprochen höflich und lachte sogar an Stellen, die mir heute peinlich waren wie ein Youtube-Video meiner gesammelten Teenflops. Dankbar verzichtete ich auf eine Zugabe. Als ich in meinem Hotel ankam, hatte sich mein Jimmycount auf acht erhöht. Zu viele, um mich einschüchtern zu lassen vom Schiri in meinem Spiegel, der mit der Gelben Karte herumfuchtelte.

Außerdem war ich very busy. Mit der süßen Tulpe aus dem Brecht, die Travis mir vorgestellt hatte. Wie hieß sie gleich noch? Hmmm. Gedächtnisstütze gehörte nicht wirklich zum Portfolio eines Gin Tonics. Als ich am späten Morgen erwachte, wusste ich nur noch, dass ihr Name schön war. Blumig. So wie sie. Beide waren verschwunden.

Ich hatte mich mit Travis zum Frühstück verabredet und wollte ihm das Buch zurückgeben, das ich versehentlich eingesteckt hatte. Beim Aufheben fiel der Einmerker heraus. Es war nicht mehr der Bierdeckel aus der Bar. Es war eine Karte.

(Weiter zu Folge 15)

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