Gin Diary – Episode 12

Bohemian Like You

„Ich will hier rein!“ Jimmy machte den Schröder. Oder war's Goethe? Winnetou? Emma Peel? Frau Antje? Hmmm. Life was a big fucking whirligig. (Foto: Munich Globe Bloggers / Tara Tulpe)

„Ich will hier rein!“ Jimmy machte den Schröder. Oder war’s Goethe? Winnetou? Emma Peel? Frau Antje? Hmmm. Life was a big fucking whirligig. (Foto: Munich Globe Bloggers / Tara Tulpe)

(Hier geht’s zu Folge 1). Beim Anflug auf Schiphol landete ein Refrain in meinem Hirn.

Well, I’m going to see you soon in Amsterdam
I can’t believe I can get there, but I can, man
I hope when I see you, that you’ll still like who I am, I am.

The Dandy Warhols. Ausnahmsweise konnte ich einen Post-1989er-Song sofort zuordnen – ohne Google-Support. Country Leaver war auf einer Mix-CD, die ich für Samoa aufgenommen hatte. Sure, nicht annähernd so romantisch wie das gute alte Mix-Tape, eigentlich gar nicht. Ich schob es auf die Musikauswahl, nicht auf mein Begleitschreiben. Heute sah ich das anders. An der Mucke konnte es unmöglich liegen.

Anders als in Dublin, wo ich keinen Bezug zu einem bestimmten Ort hatte, fielen mir in Amsterdam so viele ein, dass ich sie erst ordnen wollte, bevor ich loslegte. Vermutlich war es egal, wo ich anfing. Die nächste Karte würde mich sowieso finden. Aber ich hatte dieses Bedürfnis nach einer Strategie.

1. Samoa wohnte damals im Amsterdam Zuid. Nicht weit vom Olympiastadion. Ich mochte das Teil. Angedeutete Skandi-Massiv-Optik wie die Rathäuser in Oslo und Stockholm. Durch die Kurvigkeit aber deutlich eleganter. Und dieser frei stehende Turm, als wolle er sich vom Rest distanzieren. Oder schämen. Für die hässlichen Statuen nebenan.

2. Mit Samoa war ich öfter auf dem Knallkopffriedhof Zorgvlied. Der mit den poppigen Grabsteinen. Mein Darling war der Gorilla. Und die Statue mit dem Bierglas. Instinktiv suchte ich das Grab von Frank Zappa, um dort meine leere Amsteldose abzustellen. Eine neongrüne Plastikrose hätte es auch getan, aber ich hatte keine zur Hand. Dann fiel mir ein: Zappas Knochen u-booteten irgendwo in Kalifornien. Schade. Zorgvlied war absolut zappawürdig.

3. Noch etwas fiel mir auf. Mein Hirn hatte sich der Logik der Karten-Lady angepasst. Ich suchte Orte auf, wo ich mit einer neuen Message rechnete, einer neuen Ereigniskarte – um es mal brettspielerisch zu codieren – anstatt einfach durch die Stadt zu flanieren und meine Spaß-Akkus aufzuladen. Beobachtet wurde ich sowieso, da konnte ich auch so tun, als wäre ich hier, um meine Reiselust zu tätscheln, mein Fernweh zu streicheln. Nein, ich konnte es einfach tun. Ausrufezeichen. Musste nur den verdammten Schalter finden.

(Weiter zu Folge 13)

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>