Gin Diary – Episode 11

Cemetry Gates

St. Patrick's Day came late this year: Jimmy beim Oscar-Wilde-Statuen-Ähnlichkeitswettbewerb im Merrion Square, Dublin (Foto: Munich Globe Bloggers / Tara Tulpe)

St. Patrick’s Day came late this year: Jimmy beim Oscar-Wilde-Statuen-Ähnlichkeitswettbewerb im Merrion Square, Dublin (Foto: Munich Globe Bloggers / Tara Tulpe)

(Hier geht’s zu Folge 1). Jetlag. Mit Erdbeeraroma. Typisches After-Knutsch-Feeling. Seltsam, dass mich ein kleiner Zungentango so aus dem Zeitstrahl katapultierte. Keine Ahnung, wie lange wir da gesessen hatten, als Rave sich von meinen Lippen löste und aufstand. „Let me show you something.‟ Ich brauchte einige Sekunden, um mich wieder zu erden. Ort: Botanical Gardens, Dublin. Mit der Zeitbestimmung hatte ich Schwierigkeiten. Wochentag? Egal. Zeit wurde eh massiv überschätzt.

Unter einem Baum auf der leuchtend grünen Grasfläche vor dem Palmenhaus hielten wir vor zwei Bronzeladys in langen Ballkleidern mit müde verzückten Gesichtern, die Arme ineinander gehakt. In der freien Hand hielt die eine Lady ihre Handtasche, die andere ihre Schuhe. Best night ever. Einen besseren Titel gab es nicht für diesen verewigten Glücksrausch. Ich ging einmal um die Ladys herum und wurde ebenfalls zur Statue. An der Handtasche klebte eine Postkarte. Ich löste erst mich aus der Starre, dann den Tesa von der Bronze.

Automat. Ein kurzer Text eigentlich. Trotzdem brauchte ich gefühlte fünf Minuten dafür. Ich las das Wort immer wieder, als wäre ich gefangen in einer Endlosschleife, die mich nach dem letzten Buchstaben sofort wieder zum Anfang zurücksetzte. Endlich hatte das innere Fräulein vom Amt die richtige Synapsenverbindung gesteckt. Ich hatte mich schon gefragt, wann Amsterdam auftauchen würde. Über Jahre meine Hasenhochburg. Der Hotspot für Jimmys angels. In keiner anderen Stadt kannte ich so viele Kussproviderinnen. Damals. Als ich noch Jimmy war. Jimmy the man. Und nicht Jimmy the gin. Eine dieser Adam-Chicks, Samoa, schickte mir in dieser Zeit ungefähr dreißig Karten. Alle mit demselben Edward-Hopper-Motiv. Automat.

Und Rave? Verschwunden. Sinnlos, sie zu suchen. Lady Camouflage hatte andere Pläne mit mir. Aber wer zum Hollywood trieb einen solchen Aufwand, um einen verdammten Säufer auf eine Schnitzeljagd zu schicken? Ich knipste einen Selfie mit den Bronzeladys und schickte sie Broox. „Madam Lipstick-Trace keeps me travelling. Next stop: Adam. Weird, but vivifying.‟ Broox’ Antwort kam schnell: „Let it be, Hombre. We want best Jim ever!‟

(Weiter zu Folge 12)

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