Planet Selfie. The Emsland-Files (4)

Jenseits von Edeka

„Das Paradies ist ein Irrgarten. Aber mit einem Mundvoll Erkenntnis findet jeder wieder hinaus‟, sagt Madame Kaa, Bildungscoach und Autorin des Bestsellers „Das Apfel-Prinzip‟ (Foto: Munich Globe Bloggers)

„Das Paradies ist ein Irrgarten. Aber mit einem Mundvoll Erkenntnis findet jeder wieder hinaus‟, sagt Madame Kaa, Bildungscoach und Autorin des Bestsellers „Das Apfel-Prinzip‟ (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Am vermeintlichen Apfelkornbaum hängen dann nur Blätter statt Apfelkornfläschchen. Wäre zu schön gewesen, die herbeigefühlte Adult-Version von Pippi Langstrumpfs Limonadenbaum. Als etwas befremdliche Deko-Extension baumelt eine Schlange herunter. Klar, ich stehe im Bibelgarten Werlte. Und da ist ein Apfelbaum nicht einfach ein dahergestandener Obstprovider. Es ist ein Baum mit Erkenntnis-App. Die Schlange als Info-Dealer. Und – im Kopf automatisch vervollständigt – die coole Eva, die ihrem obrigkeitshörigen Bonsaischlangenbesitzer Adam ein Bisschen Bildung schmackhaft macht. Dafür bekommen sie Gartenverbot vom autoritären Hausmeister und Greenkeeper ihrer Gated Nude-Community Eden. Eigentlich ganz lustige Idee, Pflanzen aus der bekannten Hotelschubladenlektüre in einem Garten zu versammeln und ihre historische Verwendung zu erklären. Sofern man das Projekt als botanische Variante zum Märchenwald interpretiert – und nicht als kreationistischen Versuch, die Welt und ihre Entwicklung antiwissenschaftlich zu deuten.

Zinnoberrot glüht der Dornenbusch in der Abendsonne. Da könnte man sich glatt ‘ne Fluppe dran anstecken. Eine Pflanze wie gemacht für eine Familien kompatible TV-Serie mit vielen Schicksalsschlägen und so. Diese Dornbuschs. Am Weinstock dann ein Zitat von Hesekiel. Das ist der Typ aus Pulp Fiction, der Jules als Grimm-Quelle dient. „… und mit Grimm werde ich sie strafen, …‟ We call it Hesekielholen. Jede Menge popkulterelle Referenzen. Respekt. Und auch noch mit QR-Codes. Absolutely smartphonesk. Nur der Selfiepoint fehlt. Vermutlich erscheint die Markierung spontan wie der Heilige Geist oder die Schrift an der Wand von Belsazar. Ich selfiesier mich trotzdem. Mit Schlange. Gimme five, alter Frauenflüsterer!

Mitten im Selfie klingelt das Handy. Wie im als Lothar-Matthäus-Evangelium. Das Mundharmonika-Thema aus Spiel mir das Lied vom Tod. Der leibhaftige Chef. Ich reagiere einen Tick zu langsam. Statt den Auslöser zu drücken, nehme ich das Gespräch an. „Ich soll was mitbringen? Abenteuer? Aus dem Emsland? ‘Ne echte Apfelschnapsidee, Chef. Wo steckst du? In der Ausnüchterungszelle?‟ Soll doch froh sein, dass es noch einen Ort auf der Welt gibt, wo es friedlich zugeht und die Spleenofanten keine Weltherrschaftspläne hegen.

(Weiter zu Folge 5)

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