Planet Selfie. The Emsland-Files (2)

Nagegrüße aus Haselünne

Vorsicht! Das Betreten dieses Selfiespots kann ungewollte Beam-Effekte hervorrufen und Sie an einen noch unbekannteren Ort teletransportern (Foto Munich Globe Bloggers)

Vorsicht! Das Betreten dieses Selfiespots kann ungewollte Beam-Effekte hervorrufen und Sie an einen noch unbekannteren Ort teletransportern (Foto Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Aus Selfie-Nähe betrachtet, erinnern diese gelben Footprints an die runden Transporter-Markierungen im Raumschiff Enterprise. Kirk, Spock und Pille verteilen sich auf die Beamspots und Scotty flimmert sie mit einem Reglerpush auf einen unerforschten Planeten. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Ich bin dann mal wachsam. Vermutlich wartet ein pensionierter Emsland-Scotty in einem Versteck nur darauf, dass sich ahnungslose Selfie-Touristen auf die gelben Füße stellen. Dann schickt er sie mit seiner Beam-App in eine noch unerforschtere Gegend. Mich zum Beispiel zurück an meinen Schreibtisch. No fucking way, Mr. Moor-Scotty!

Einige Touris scheinen auch skeptisch zu sein. Anstatt sich selbst auf den Selfiepunkt zu stellen, bitten sie den Von-Velen-Guide in seinem ostfriesenähnlichen Outfit so zu tun, als würde er einen Selfie von sich machen, und knipsen ihn dabei – selbstverständlich als Selfie. Ein Selfie von einem Selfie. Wie nennt man das? Knallfie? Klapsmühlfie? Scottybeammeupfie?

Bei aller Mich-Knips-Euphorie findet man im Emsland auch noch ein paar unmarkierte Ecken. Bisschen suchen muss man schon. 50 km südlich von Papenburg liegt Lahre, eine Orts-Extension der Fuseltown und Emsländer Doppelkornkammer Haselünne mit ihren Promille-Providern Berentzen, Heydt und Rosche. Quasi am Auenrand residiert der Bibermann. Sein Schloss heißt Hofcafé an der Biberburg und lässt sich ganz biberuntypisch betreten: durch eine oberirdische Tür auf trockenem Boden. Fühle mich jetzt leicht overdressed im Neoprenanzug mit Tauscherbrille und Schwimmflossen. Andererseits tummeln sich im Emsland so viele spleenige Figuren, ein Schrägvogel mehr fällt da kaum auf.

Der Bibermann zählt zur Gattung Homo trockenhumorensis, ähnelt einer sympathischen Version von Uli Hoeneß und erkennt jeden seiner Blendy-Zahnpasta-Models an den Nagespuren. Die Bibertorte im Café enthält zum Glück sehr wenig Biber. Eigentlich gar keinen. Warum sie Bibertorte heißt? Hmmm. Ergänzungsfrage: Wie viel Wolfgang Amadeus steckt in den Mozartkugeln? Oder können die Dinger etwa Klavier spielen? Spontan-Theorie: Nach drei Stück Bibertorte fällt man um, wie ein vom Biber gefällter Baum.

(Weiter zu Folge 3)

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