Planet Selfie. The Emsland-Files (1)

Das Ding aus dem Moor

„Selfie? Muss das sein? Bin so unfotogen mit dem Eimer und den Pampa-Pumps.‟ „Cool bleiben, Schnucki. Bei diesem Selfie kommt nur dein Eau de Toilette drauf.‟ (Foto: Munich Globe Bloggers)

„Selfie? Muss das sein? Bin so unfotogen mit dem Eimer und den Pampa-Pumps.‟ „Cool bleiben, Schnucki. Bei diesem Selfie kommt nur dein Eau de Toilette drauf.‟ (Foto: Munich Globe Bloggers)

Noch Pfannkuchen?‟ Die Gusseisenpfanne schwebt über meinem Kopf. Wie eines dieser Raumschiffe aus Independence Day. Das war keine Frage. Das war eine höflichkeitsgarnierte Aufforderung, den Teller freizugeben. Für eine neue Pfannkuchen-Invasion. Abstimmung im Survival-Department: 3:1 für Kapitulation. Die Lady mit der Pfanne strahlt und verschwindet in der Küche, um die nächste Invasion vorzubereiten. Die Fünfte an diesem Nachmittag. Das Papenbörger Hus ist Teil des Freilichtmuseums Von-Velen-Anlage Papenburg im nördlichen Emsland und simuliert das Arme-Leute-Futter im 19. Jahrhundert. So arm möchte ich auch mal sein. Die Rustikalbude könnte auch „Pancake Palace‟ heißen oder „Bei Petzis Mama‟. Pfannkuchen dieser Lecker-Liga kenne ich nämlich nur aus Petzi. Und der Tee dazu. Liquid Himmelfahrt.

Auf der anderen Straßenseite dann die weniger vergnügliche Seite des Moorlebens. Im 17. Jahrhundert kam Dietrich von Velen auf die Idee, das Moor zu entwässern und zu besiedeln. „We built this city on moor and soul“, singen die Pancakes from Venus in ihrem Superhit New York, Rio, Papenburg. Von Velens Bronzedouble post am Eingang. Very Shakespeare. Und der Hut von Guy Fawkes. Damals so was wie Manolo Blahniks für den Kopf. Schicker als die Queen. Die Arbeit machten andere. Klar. Der Museumsguide in maritimer Optik führt kurz vor, wie das geht. Torfstechen war definitiv kein Pfannkuchenessen. Nicht mal Fischstäbchen-Angeln à la Käpt’n Iglo. Weiter hinten stehen die Hütten der Moorsiedler. Gefühlter letzter Platz beim Versailles-Ähnlichkeitswettbewerb. Eher Hügelgrab mit Schornstein. Heidschnuckengarage. Eng, dunkel, leer.

Zeit für den ersten Selfie. Deshalb bin ich hier. Ich suche nach gelben und weißen Fußabdrücken der Schuhgröße Dirk Nowitzki. Emsland ist Selfieland. Die Idee, überall in der Region Selfie-Standorte zu markieren, ist ziemlich neben der Kappe. Aber lustig. Sogar ein bisschen revolutionär. Den Touris zu footmarkern, wo sie ihre Ego-Shootings machen sollen und mit welchem Hintergrund, das unterbuddelt den Pseudo-Individualismus im Selfie-Konzept. Und nebenbei das Prinzip Sehenswürdigkeit. So ein Selfie-Standort kann ja überall sein. Schiebt auch mal Unscheinbares in den Vordergrund. Wie früher in der Schule. Die Kleinen dürfen nach vorne.

(Weiter zu Folge 2)

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