Gin Diary – Episode 02

Pigs On The Wing

„I'm a plastic boy in a plastic zoo‟, dachte Jimmy und suchte am Himmel nach einem fliegenden Plastikschwein (Foto: Munich Globe Bloggers/Tara Tulpe)

„I’m a plastic boy in a plastic zoo‟, dachte Jimmy und suchte am Himmel nach einem fliegenden Plastikschwein (Foto: Munich Globe Bloggers/Tara Tulpe)

(Hier geht’s zu Episode 01). 22 Grad. Sonne. Die Frisur hielt. Rom? Knapp daneben. London, Baby. My city darling no. 1. Weil London mich jedes Mal überraschte. Weil London immer noch swinging war. Weil keine andere Stadt meine Soul-Souvenirs so sorgsam aufbewahrte. Welcome to Jimmy’s private Travel Memory Museum. Außerdem hatte ich eine Einladung mit Urgent-Stempel. Eine mysteriöse Karte hatte genügt, um mich wieder in den alten Jimmy zu verwandeln – nach einem langen, ruinösen Bad im Gin-Tonic-Pool. Wie Clockwork-Alex nach einem Spritzer Dschungelkatzensaft fühlte ich die alten Tiger in mir springen.

Ich nahm mir ein Zimmer in Hammersmith, westlich von Kensington. Hier war ich noch nie gewesen. Vorteil: Ich grübelte nicht ständig, was sich seit meinem letzten Besuch verändert hatte. Zudem hinderte mich Hammersmith daran, an jeder Ecke im Lake Memory abzutauchen wie ein gelbes U-Boot. Nachteil: Wie sollte ich in Hammersmith die Karten-Lady finden? Wie sollte die Lady mich finden? Big-sleep-sure wusste sie von meiner Londoneskness. Spielte sie vielleicht eine Hauptrolle in der Kult-Serie Jim and the City? Highgate, we’ve got a problem!

Ich begann meinen Memo-Walk im Battersea Park. Er war etwas umständlich zu erreichen. Die Südseite der Themse wurde von der Tube fast komplett ignoriert. Und Bus fuhr ich in Städten nur an der Seite einer entführten Braut, die ich soeben vor einem großen Fehler bewahrt hatte.

Battersea Park hatte ich in den 90ern per Zufall entdeckt. Ich war auf der Suche nach dem richtigen Winkel, um die Powerstation nebenan so zu knipsen wie auf dem Animals-Cover. Genauso gut hätte ich den Londoner Himmel nach einem fliegenden Plastikschwein absuchen können. Oder nach einer Tardis. Meine damalige First Lady Rijeka – ich sortierte meine Gespielinnen mit Ortsnamen passend zu ihrem Coolness-Level – war schon genervt von meinem Spleen. In letzter Sekunde – wie ein Superheld – tauchte der kleiner verschlungene Parksee auf und verscheuchte das Stand-by-Gewitter.

Wir enterten einen Tret-Schwan, strampelten ein paar Minuten und versorgten uns mit Flüssigstimmung aus zwei Flaschen gerade noch trinkbarem Rotwein. Beim Versuch, Rijeka zu fotografieren, ging sie über Bord. In einem gefühlten Anfall von Gentlemania hatte ich kurz erwogen, mit ihr ins Wasser zu fallen. Aber es wäre irgendwie uncool gewesen, erst die Kamera abzulegen, und dann hinterher zu springenAlltagsheldenhaft bot ich ihr einen Teil meiner trockenen Klamotten an. Mein kleiner Romantik-Bonus war trotzdem aufgebraucht. Null Dispo. Nach diesem Wochenende sah ich Rijeka nie wieder. Zu Hause änderte ich ihren Namen in Waterloo.

Wenn sie die Karten-Lady war, dann war ich der Doctor. Ich fummelte meine Old-School-Map aus der Tasche und suchte meine nächste Memorial-Site.

(Weiter zu Episode 3)

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