Think pigger!

Fünf Bullets aus unserem Reiseklischeecolt

It's a Qualityworld! Ready for a Gourmet-Apokalpyse, Portobello Road Market, Notting Hill, London (Foto: Munich Globe Bloggers)

It’s a Qualityworld! Ready for a Gourmet-Apokalpyse. Portobello Road Market, Notting Hill, London (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Ein solides Klischee ist das Lametta des Reisens. Ohne Klischees kommt die Fremde so nackt daher wie ein Weihnachtsbaum ohne den ganzen Glitzerscheiß. Ein nagendes Gefühl von Unterglamour, von Buffetschlusspanik, von Z-Prominenz. Dieser kulturellen Verarmung des Reisens können wir nicht geschlossenen Auges zusehen. Deshalb haben wir unsere Praktikanten erneut angewiesen, unsere große Klischeemannskiste rauszurümpeln. Aus diesem Staubsafe haben wir fünf weitere Lieblingsklischees der Redaktion hervorgehustet und auf General-Glanz poliert. Quasi unsere Antwort auf den ollen Sackmann Claus Santa und seinen Lover Rudi Rednose. Here we ho ho ho!

  • Ansichtskarte: So retro kann’s gar nicht werden, dass sich Leute irgendwann wieder die Mühe machen, ein dämliches Pappstück mit geschmacklosem Bild plus Briefmarke zu kaufen, analog mit Banalitäten zu bekritzeln und dann noch einen Briefkasten zu suchen. Und alles nur, um jemandem zu sagen, dass man gerade am Knackarsch der Welt sitzt, was bei Ankunft der Karte längst vorbei ist. Dann doch lieber die Pappe halten!
  • Handgepäck: 55-35-25 steht nicht wirklich für bulimisch aktive Strand-Bekanntschaften. Diese Zahlen beobergrenzen Höhe, Breite und Tiefe des Handgepäcks im Air-Verkehr. Leider nur Orientierungszahlen. Jede Airline nervt mit eigenen Maßen und kratzt sich genüsslich am Geldsack, genau wie die Koffer-Mafia. Nicht mehr lange. Wer braucht heute noch Gepäck? Wo doch alles im Smartphones steckt: Socken-App, Zahnputz-App, Souvenir-App, Vibrator-App …
  • Jakobsweg: Wir sind dann mal weg vom Mainstream. Gewissensfrage: Muss man diesen Scheiß wirklich machen? Und wenn ja, dann genauso wie alle? Sich die sündteuren Manolo-Blahnik-Flip-Flops ruinieren für ein bisschen Seelenwellness? Klares Nope. Wem es dann doch an Charisma mangelt, diesem Me-Searching-Hype zu widerstehen, nur zu. Aber bitte in der Gegenrichtung. Also mit dem CO2-Adler, sorry, mit der Zero-CO2-Solarkutsche, nach Jackcity und von dort ostwärts geisterwandern. Enjoy the Pilgerslalom!
  • Selfies: Früher gabs Self-Service ja nur in Kantinen und beim Sex. Heute Self-Check-in und Easypass am Flughafen, Self-Scanner an der Supermarkt-Kasse. Man fühlt sich wie ein Schwerbehinderter oder ein Alien, wenn man irgendwo noch den Analog-Service-Kram nutzt. Wir warten schon auf den Self-Security-Check und die Self-Klapsmühlen-Einweisung, wenn sich die totale Selfisierung mal in einem Selfie-Amoklauf entlädt.
  • Sightseeing: Macht das noch jemand? Nee. Wozu auch? Man kennt den Scheiß doch längst aus den Multimedien. Und dagegen ist Real Life doch eine fucking Enttäuschung. Also, liebe Touri-Destinations: Verscherbelt Eure Sights in der Retro-Rubrik von Ebay und macht Platz für die Filiale einer dieser dämlichen Fastfoodklamottenhotelketten. Da enden die Touris sowieso. Und ihr wollt es doch auch.

(Fortsetzung folgt)

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