Der Rapsölprinz – Ein Elbe-Abenteuer nach Charly June (2)

Im Tal der Totem

Blau wie das Rote Meer: unser Weg nach Dömitz (Foto: Munich Globe Bloggers)

Blau wie das Rote Meer: unser Weg nach Dömitz (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Hitzacker. In der Drawehnertor-Schenke nuckelten wir an abenteuerlichen Friedensflaschen. Sie trugen den Namen eines legendären Seeräubers: Störtebeker. Meine Freunde hielten mich fest, damit ich nicht augenblicklich auf den Tisch sprang und mit einem imaginären Schwert fuchtelnd die unsterblichen Wortstreiche aus dem Munde des Piraten in den Raum hieb: „Nehmt dies vom König der Vitalienbrüder. Da und da …!“ Als mein aufgestürmtes Herz wieder in sanftmütigeren Gewässern paddelte, entfaltete Old Zockerhand eine Karte. Ich tippte auf einen Ort jenseits des großen Flusses. „Wir reiten nach Dömitz. Gimmetwo spürt den Atem unserer Ahnen.“ „Ich hoffe, die haben sich die Zähne geputzt“, sagte Pam Hawkins und deutete mit beiden Zeigefingern zum Himmel wie ein südamerikanischer Lederkugelspieler beim Torjubel. Wir kannten das Ritual. Damit gab sie uns zu verstehen, dass sie soeben einen Witz gemacht hatte. Und wir taten gut daran, darüber zu lachen. Schon einmal hatte Pam die Missachtung ihrer Erheiterungsleistung sanktioniert. Sie hatte sich den mobilen Skalp vom Kopf gerissen und damit so lange in unseren mienefreien Gesichtern herum gewedelt, bis die letzte Fliege das Weite gesucht hatte.

Ein edles Bleichgesicht namens Old Tyrehand brachte uns drei Eisen-Pferde für eine Squaw-Hand voll Nuggets. Es gab also noch Leute mit Sportsgeist. Am Ufer der Elbe überließen wir unser Schicksal dem Fährmann. Er bediente sich nach Kräften an unserem Gold-Vorrat, eher er uns und die Pferde das kurze Stück über den Fluss transportierte. Wir überlegten kurz, ihn dafür den Weg in die ewigen Jagdgründe zu zeigen, aber ließen es sein. Vielleicht benötigten wir seine Dienste ein weiteres Mal. Offenbar war dieses Gebiet dem großen Häuptling nicht wichtig genug, um beide Seiten mit einer festen Brücke zu verbinden. Das überraschte uns nicht. Südlich des großen Flusses wurde auch der tödliche Abfall der künstlichen Sonnen begraben. Viele Menschen waren immer noch in Aufruhr und zeigten ihren Protest gegen die unsägliche Dummheit und Anmaßung der großen Häuptlinge mit einem x-förmigen Totem, so gelb wie eine zweite Sonne.

Auf schmalen Pfaden ritten wir gen Osten. Meist verlief der Weg auf einem Deich, wo wir den Blick in der weiten Ebene weiden konnten. Das duftende Meer wog sich nicht wie üblich in festgelegten Bahnen. Uferlos dehnte es sich aus bis zum Horizont. Meine Freude schoss aus meinem Mund gleich einer Gewehrkugel, die es eilig hatte, ihr Ziel zu erreichen. Ufff! Gimmetwo badet seine Adler-App im gelben Ozean. Diese Pracht lässt sein altes Herz springen wie ein junges Schaf.“ „Ois paletti in Cincinnati“, murmelte Old Zockerhand unter seinem Sombrero hervor. „Solange Gimmetwos Freude nicht in Gesang mündet, bleiben wir Blutsbrüder.“

(Weiterreiten zu Folge 3)

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