Der Rapsölprinz – Ein Elbe-Abenteuer nach Charly June (1)

Am Rio Jeetzel

Alle Umwege führen nach Sacramento. Dieser hier über die Elbe-Fähre in Hitzacker (Foto: Munich Globe Bloggers)

Alle Umwege führen nach Sacramento. Dieser hier über die Elbe-Fähre in Hitzacker (Foto: Munich Globe Bloggers)

Das Dampfross wieherte seinen feuchten Atem in den Himmel, bevor es mit quietschenden Hufen zum Stehen kam. Meine Begleiter Old Zockerhand und Pam Hawkins stiegen aus und blickten zum Himmel. Die Sonne im Land der Tiefsachsen hatte offenbar wieder einen gewaltigen Kater. Ihren schweren Kopf versteckte sie unter einer molligen Wolkendecke. Ich zog meinen Colt und machte mich daran ein paar Löcher in die Decke zu feuern, da spürte ich Pam Hawkins’ Hand auf meinem Arm. „Lass stecken, Gimmetwo. Du scheuchst die Ostperados auf. Nur der Fluss dort trennt ihr Revier von dem Land der Tiefsachsen.“ Als ewiger Häuptling war ich nicht gewillt auf den Rat einer Squaw zu hören, also suchte ich den Blick Old Zockerhands. Er nickte unmerklich. Die lange Zeit in der Prärie hatte dem Beigegesicht die karge Mimik der Indianer gelehrt. Ich steckte den Colt zurück und sagte: „Ihr habt recht, Gefährten. Wir sollten hier wie Gäste auftreten, nicht wie Herrscher.“

Die Siedlung, die wir zur Lagerstätte erkoren hatten, um das Land der Tiefsachsen und der Ostperados zu erkunden, nannte sich Hitzacker. Sie lag in einer Schleife des Rio Jeetzel, der nur einen Squaw-Tomahawkwurf nordwärts Wasserbrüderschaft mit dem Rio Elbe schloss. Der Name Hitzacker verriet seine Herkunft von selbst. Die Vorfahren der heutigen Stämme hatten sich hier ihre Äcker durch Feuer-Rodung erschlossen. Ähnlich wie die Stämme im Lande Brandenburg ihren Baugrund organisiert hatten, indem sie alte Ritterburgen abbrannten. „Ein bisschen Geschichte muss sein“, sagte ich zu meinen Gefährten, denen der Durst nach Feuerwasser ins Gesicht stand. „Es hilft die Wilden zu verstehen.“

Unsere Feldbetten stellten wir in den sehr alten, aber gut gepflegten Gemäuern zweier äußerst freundlicher Einheimischer auf. Den Kontakt zu ihnen hatten wir über elektrische Rauchzeichen hergestellt. Ich wollte schon meine Pulsadern aufschlitzen, um Blutbrüderschaft zu schließen, doch abermals war es Pam Hawkins, die mich zurückhielt. „Lass stecken, Häuptling“, sagte sie. „Das ist hier nicht üblich. Es reicht, wenn du Ihnen die Hand reichst. Aber wasche sie vorher. Sie ist voll mit dem Staub der Prärie.“ Abermals hatte Weisheit aus der Squaw gesprochen. War Manitu in sie gefahren? Oder lebten wir einfach in anderen Zeiten als unsere Vätersväter, wo die Squaws nicht mehr zu sagen hatten als ein Marterpfahl. Wenn große Weisheit aus den Squaws sprach, war es gut, ihnen von Mond zu Mond ein Ohr zu schenken.

(Weiterreiten zu Folge 2)

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