Blogging in the Rain (6)

MGB Vision-Camp am Giant's Causeway

Ich will ein Haus, ein Käffchen und 'nen Nerd: Superpams Villa Kunterweiß, Portrush, Nordirland (Foto: Munich Globe Bloggers)

Ich will ein Haus, ein Käffchen und ‘nen Nerd: Superpams Villa Kunterweiß, Portrush, Nordirland (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Unbeeindruckt vom schwankenden Mittelfinger-Wald, der ihn bedrohlich umringte, verstreute der Chef weitere Weisheitskörnchen (wisdom seeds), die im Trockenhumorast unserer Hirnböden wohl nie keimen würden: Der Reisende ist immer auch ein Sammler, stetig bemüht, seiner inneren Globus-Baustelle ein neues Steinchen hinzuzufügen. Wir sehen die Welt komplett. Doch sobald wir irgendwo heranzoomen, sieht es aus wie eine Google-Street-View-Straße voller verpixelter Häuser. Errechnen wir unsere innere Erde aus solchen Details, wirkt sie sie noch erbärmlicher als der unfertige Todesstern in Die Rückkehr der Jedi-Ritter. An einem Sonn- oder Feiertag (sofern vorhanden) könnte ein Space-Tramper ihn gar für einen von Weltraummotten zerfressenen Techno-Mond halten. Deshalb: Sammelt Eindrücke, Freunde, und baut euch einen legobunten Lebensstern.“ Wir steckten uns schnell Ohrstöpsel in die Lauscher, denn jeden Moment, so dachten wir, würde er die Pippi-Langstrumpf-Melodie summen – als musikalische Veredelung seiner Konfusius-Attacke. But the rest was silence. Nach diesem gigantischen Weisheits-Output war sein Gehirn vermutlich komplett verwaist.

Es war unser letzter Tag im Norden, da wollten wir diesen erhabenen Aussichten mit allen verfügbaren Füßen huldigen. If you mean what we know. Wir starteten in Portrush – eine Markierung unseres geographischen Vorkosters Sir Moeg, der uns mit so mancher unfehlbaren Kenner-Expertise versorgt hatte. Portrush war ein spleeniges Örtchen. Das Auffälligste war der Endlos-Sandstrand – viel zu groß für die wenigen Portrusher. Sicher haben schlaue Ökonomen schon das Bruttosandprodukt errechnet und nun steht eine unglaublich beeindruckende Zahl in den Tourismus-Flyern.

Superpam alias Vivienne Schwimmwestwood konnte ihren Jubel kaum zügeln. Sie zeigte auf die Villa Arcadia, die sich da direkt von einem Felsen am Strand erhob wie eine Festung der Schönheit: „Wir könnten die Bude entern und hier bleiben. Wie wär’s, Leute? Wir machen einen Internet-Piraten-Sender und ich stelle live am Strand meine neusten Life-Jacket-Entwürfe vor. Ihr Travel-Nerds seid meine Mannequins. Dann haben wir den Strand für uns.“

Der Chef winkte ab. „Gemach, Freunde! Aficionados der freundlichen Übernahme, Gespielinnen des Windes, Gefährten der Sehnsucht! Folgt mir, die Götter laden zum Fest.“ Eine Spielfilmlänge später streunten wir durch die Ruinen von Dunluce Castle. Auf golfgrüner Wiese erinnerte ein Mönch in Paulchen-Panther-Rosa an die Giro d’Italia, die einige Wochen vor uns hier vorbei gestrampelt kam. Ein leichte Brise streichelte die löchrigen Mauern. Es klang wie das Chor-Intro zum Stones-Song You can’t always get what you want. Wären wir die einzigen dort gewesen, der Chef hätte sofort die Hände gezückt und den geheimnisvollen Wind-Chor dirigiert.

(Weiter zu Folge 7)

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