Lord Waldemar in Austria (7)

Searching for the Achensee-Formel

Brauch kaan Wöldmasta, bin scho Chillmasta! Lord W. an der Strandbar Etner, Pertisau, Achensee (Foto: Munich Globe Bloggers)

Brauch kaan Wöldmasta, bin scho Chillmasta! Lord W. an der Strandbar Etner, Pertisau, Achensee (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). It’s a life. Aus The Truman Show. In Endlosschleife. Cool, wenn das Hirn Juke-Box spielt und automatisch den passenden Soundtrack zum Panorama launcht. Der Achensee schlummerte blau und freundlich unter der vitalen Vormittagssonne. Am östlichen Ufer schunkelten die Berge schemenhaft im Gegenlicht. Segelboote glitten vorbei, von Süden näherte sich ein Ausflugsschiff. Ich saß in der Strandbar Etner in Pertisau bei einem Mojito und rekonstruierte den Untergang der Titanic. Es gab einen Eisbergwürfel. Und der schräg aus dem Glas ragende Strohhalm war das sinkende Schiff. Fehlte nur noch die Liebesszene aus dem Cameron-Film. Ich nahm den Strohhalm heraus und schob das Glas über den Tisch. Probier mal, Rosi! Sensationell. Almost historisch. Rosi zog ihre Eye-Markisen hoch. Ich nickte ihr zu. Quasi Nachdruck. Sie nippte. Auf dem Rand hinterließ sie ihr rotes Lippenprofil. Ich setzte den Strohhalm wieder ins Glas und zog die Kamera. Klick. Klick. Klick. Der Untergang der Titanic war im Kasten. Kosten: keine 10 €. So viel zum Budget, Mr. Cameron!

Wer Achensee sagt, muss auch Pertisau sagen. Die Kombi macht den Sommer fett. Kraxeln und chillen. Ich wollte ja den ganzen See umrunden, wie angekündigt. Aber mit Stil. Der Berserker in mir sollte zu seinen Jubelposen kommen. Genau wie der begnadete Hängemattias und promovierte Relaxist. Ösiland ist eindeutig Chill-Country. Alpen-Jamaika. Ich sag nur Kaffeehäuser. Wahre Tempel der Lebensfreude. Die Ösis haben sogar ihr Patois-Pendant. Paradeiser me! heißt nicht Bewirf mich mit Tomaten! sondern „Teile dieses Paradies mit mir!“ Es gibt Schönheit, die unruhig macht, weil man ihr nicht gewachsen ist. Und es gibt Schönheit, die einen in den Stand-by-Modus versetztInneres Runterfahren. That’s the Achensee-Way.

Jemand hatte die Endlosschleife durchbrochen. Jetzt schmeichelte mir Keane mit You are young. Auch okay. Dieser Achensee stibitzt einem locker zehn Lebensjahre. Sollte Jungbrunnsee heißen oder Lake Agediscount. Achensee klingt ja eher nach ach und weh. Nach Heizdecke und Kaffee – im Kännchen. „Die erste Keane war besser“, sagte Rosi durch meinen luftigen Grübelschleier. Ich hatte nicht bemerkt, dass der DJ auch noch den Rest von Strangeland gespielt hatte. „Das waren bestimmt die fears von Hopes & Fears. Die Angst, ein Meisterwerk nicht wiederholen zu können. Eng verwandt mit der Angst, ein magic moment könne für immer vergehen. Das gibt dem Leben die Schwere.“ Anscheinend hatte ich das nur gedacht und nicht laut gesagt, wie geglaubt. Oft ist es ja andersrum. „Erde ruft Waldemar!“meldete sich Rosi. Your eyes look very different today, sagte ich. Wie Erde und Mond. Das verschaffte mir Zeit, mich zur orientieren. Immer noch Sommer. Immer noch Achensee. Immer noch Strandbar. Immer noch sank die Titanic. Alles war gut.

(Fortsetzung folgt)

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