Lord Waldemar in Austria (6)

Der Achensee bringt mich auf Touren

Triebesgrüße vom Achensee: Lord Waldemar besteigt Miss Hochiss (beide nicht im Bild) (Foto Munich Globe Bloggers)

Triebesgrüße vom Achensee: Lord Waldemar besteigt Miss Hochiss (beide nicht im Bild) (Foto Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Die Klettersteigerei am Achensee weckte meine Libido. Womöglich erinnerte es mich unterbewusst ans Fensterln. With the little difference: Statt einem drallen Dirndl mit heißer Füllung erwartete mich oben ein prüdes Gipfelkreuz mit kalter Brotzeit. Ich revitalisierte meine Laune mit einer modifizierten Zen-Formel: Das Butterbrot ist das Ziel. Schon flüsterte die nächste Wand im Rofangebirge wie eine RTL-Werbung: „Scharfe Felsen. Spitze Steine. Geile Aussicht. 0190/2299xxx Rof an!“ „Geht’s noch?“, schoss es mir durch die Helmfüllung. „Sollte diesem Ösi-Berg mal die Sitte auf den Kamm schicken. Aber erst wenn ich fertig bin mit Miss Hochiss in ihrem scharfen Felsspitzen-Dessous.“ Und schon verbiss ich mich in den Stahlstring, fummelte an den Karabinern herum wie an einem dieser Hightech-BH-Verschlüsse, die man nicht mal mit vier rechten Händen aufkriegt und schon gar nicht mit einer linken.

In das ausgedehnte Vorspiel packte ich die Fahrt mit der Rofan-Seilbahn vom knusprigen Achensee-Örtchen Maurach zur rustikal-feschen Erfurter Hütte, wo die Touristinnen schon Schlange standen. Lag es am Zillertaler Weißbier? Oder war der Wirt ein Schürzenjäger à la Alfredo in Liebesgrüße aus der Lederhos’n? Ich hatte keine Zeit für investigative Recherchen. Die Bergin rief. Ich musste auffi. Weiter ging’s nach Norden. Vorbei am skisprungschanzenförmigen Gschöllkopf (2039 m) mit seinem Adlerhorst, den ich mir als Marischka kompatibles Panorama-Liebesnest ausmalte – Lass jodeln, Kumpel! – und an Fräulein Spieljoch (2236 m), deren Körbchengröße sie sogar für Russ Meyer interessant gemacht hätte.

Die Schwierigkeitsgrade der Klettersteige ähnelten doch auffällig dem Konzept der BH-Größen. Vom einhändig bedienbaren A bis zum Luft abdrückenden E. Der Hochiss-Einstieg war eine forsche C-Ansage. Dazwischen sanftes Fels-Petting, Steinohr-Knabbern, Level A. Quasi: Lass dir Zeit, Kleine. Dann plötzlich ein Parforceritt in C- und D-Dur. Ehe ich „Du machst mich fertig, Baby!“ schreien konnte, war ich am Gipfel.

Ich wusste, dass Leute in der Wüste gaga wurden, Fata Morganen sahen und sich schließlich nach Eintrocknen der letzten Gehirnzelle irgendeine Götter-Begegnung zusammen halluzinierten. Neu war mir, dass das Gebirge eine ähnliche Macht hatte. Diesen ambrosischen Watzmann-Schmäh hatte ich nie so recht ernst genommen. Aber als ich oben ankam und mein Butterbrot auspackte, stopfte ich es ungebissen zurück in den Rucksack, lief den Wanderweg hinunter und bestieg das geile Felsstück gleich nochmal.

(Weiter mit Folge 7)

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