Lord Waldemar in Austria (4)

Gimme Holz, Baby! From Universe to Hittisau

Viel Holz an der Hütte: Brewalder Bushäusl, Modell Godot 2.0 (Foto: Munich Globe Bloggers)

Viel Holz an der Hütte: Brewalder Bushäusl, Modell Godot 2.0 (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Ich umrundete die Erde in einem Buswartehäuschen aus dem Bregenzerwald. Eine hölzerne Version des Sputnik: Woodnik. Oder war es eine Vorarlberger Variante der TARDIS von Doctor Who? Die Erde drehte sich wie eines dieser Globus-Modelle, das von innen beleuchtet wird und mit dem wir als Kinder gerne unsere nächsten Reiseziele bestimmten, indem wir das Ding schnell um seine Achsen drehen ließen, die Augen schlossen und irgendwann mit dem Finger darauf tippten. Meistens landeten wir im Meer. Oder in Hinter-dem-Eisenvorhang-Land. Nicht wirklich hilfreich.

Auch diesmal war ich versucht, die Hand auszustrecken, um die Erde anzuhalten. Das Reiseziel kannte ich. Es ging nur noch um den Landeplatz. Ich wollte nicht in eine Hochzeit hineinplatzen à la Doctor Who in der Episode The Big Bang, mich als imaginären Freund der Braut vorstellen und mich gleich wieder verabschieden: „You’re going to need the space. (…) I only came for the dancing!“

Als in meinem Hirn die Realität dämmerte wie ein Kubrick-Sonnenaufgang, verortete ich mich tatsächlich in einem Buswartehäuschen. Anstatt die Erde zu umkreisen kreiste es mit der Erde um die Sonne und stand an der L29 im Schwarzenberger Ortsteil Stangenach, im nördlichen Bregenzerwald. Der heranfahrende Postbus beendete meine Kontemplation. Ich fuhr nach Hittisau. Schon wieder so viel Holz. Fast paradox. Es heißt zwar Bregenzerwald, aber viel Wald steckt nicht in der Umlaufmappe. Eher Grashügel. In der Ferne leuchten die Berge. Der weißtannige, buchige Wald lebt vor allem in den Holzhäusern mit ihren exotischen Schindeln und der verwurzelten Bauweise, die bruchlos in moderne Varianten übergeht. Cool hinbekommen, liebe Brewoodys! Wer Holz mag in all seinen wunderbaren Formen, kann hier viele Glücksmomente erleben. Nicht nur an Bushaltestellen. Die Freude am Holz ist Common Sense.

Frühstück im Hotel Das Schiff. Mission impossible, meine jahrzehntelang antrainierte Morgenmuffigkeit aufrechtzuerhalten. Lichtwellen plätschern über die hellen Holzplanken. Aus der Kombüse weht ein fröhliches Lächeln herüber. Und von einem Endlostisch grüßt eine Armada Vorarlberger Kulinaritäten. Ich fühle mich wie die Galionsfigur eines Dreimasters: unterwegs, um köstliche Welten zu entdecken. Das Hotel selbst ist architektonisch kaum mit einem Schiff zu verwechseln. Doch die holzintensive, holzadmirierende Bauweise und Gestaltung verleiht ihm unbesungen „a naval quality“ (Hugh Grant). Einfach fein.

Das famose Brewalder Holzgespür gibt sogar den Sprachsensoren neuen Input. Ich jedenfalls werde nie wieder von einem „Holzkopf“ sprechen, von „hölzerner Sprache“ oder „hölzernem Charakter“, um Starre, Schwerfälligkeit, Eindimensionalität zu verbildern. Ein Holzkopf ist für mich ab sofort ein sympathischer Mensch mit verwurzeltem und geschmeidigem Wesen.

(Weiter mit Folge 5)

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