Lord Waldemar in Austria (3)

I wait it my way: Zen and the Art of Bus-Stopping im Brewald

Mikado mit Ausguck: Zen-Wartehäusl in Bränden, Vorarlberg (Foto: Munich Globe Bloggers)

Mikado mit Ausguck: Zen-Wartehäusl in Bränden, Vorarlberg (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Das Schöne an einem Wartehäusl ist, dass es selber auch wartet und nicht gleich weg ist, wenn man mal eben den Bus nimmt, um sich an Tschick zu organisieren. Als Magister der Angewandten Ösilogie (Universität Puntigam) habe ich einige Forschungsjahre darauf verwendet, die Geheimnisse der Wartekunst zu begrübeln. Erkenntnis: Der gemeine Analog-Michel kennt nicht den Unterschied zwischen schnödem Zweckwarten und der avantgardistischen Kunst des Freien Wartens. Gäbe es eine Warte-WM, dann wären die Ösis die Spanier. Quasi Top-Favorit.

Die allgemeine Talentförderung in der Disziplin Freies Warten hat eine ziemlich hohe Decke. Oben wartet ein weiter Himmel mit viel, viel Luft. Da ich selbst ein lausiger Coach bin, – ich vermeide ganz bewusst das L-Wort, praktisch Tabu im Brewald, auf der MGB-Brücke sowieso – kann ich nur ein zündendes Plädoyer an die Welt richten: Schafft mehr Raum für freies Warten! Was der Bolzplatz für die Karriere von Ronaldinho und Neymar ist, das ist das freie Buswartehäusl für die Karriere eines freischaffenden Esperanten. Man kann so ein Bushäusl irgendwo in die Wildnis hinein integrieren (und meinetwegen Kunst nennen, damit die Förderungen fließen) und die jungen Warte-Talente werden es annehmen wie Neymar Jr. einen Elfer-Pfiff des Schiris.

Mit der fotosynthetischen Power eines lichtgeilen Efeus rankte ich mich über wendelnde Holzstufen empor zum Ausguck der Haltestelle Bränden an der Landesstraße L 205 zwischen Hittisau und Krumbach. Ich wollte gerade „Land in Sicht!“ rufen, als mir klar wurde, dass es keine Wellen waren, die den Horizont strukturierten. Gleichwohl fühlte ich mich fest verankert und badete meine Augen mit kindlicher Freude im Vorarlberger Hügelmeer. Die Bushaltestelle des japanischen Architekten Sou Fujimoto fiel deutlich aus dem Holzrahmen: Weiße Eisenstäbe standen dicht beieinander wie ein kleiner Bambus-Hain, der dem Passanten Haikus zuflüstert, um den Warte-Appetit anzuregen.

Knock on wood
said the frog
falling from the tree

You name it! Als ich mich durch den Stangerlwald schlängelte, hauchte mir das Qi-geladene Gestänge einen aktuellen Regional-Haiku in die Lauscher:

Could we change?
the bus stop asked the man
You’ll stay – I’ll take the bus

Das Wartehäuschen hatte kein Dach. Einen Pragmatiker mochte das irritieren. Für einen gefühlten Jedi-Meister war es nur eine kleine Prüfung. Sollte sich eine fette Wolke über der Haltestelle herumlümmeln wie einer dieser Hose-auf-Halbmast-Hip-Hopper, würde ich nach oben blicken und sagen: „Du machst niemanden nass, der hier wartet. Du schwebst nach Hause und überdenkst dein Leben.“ Die Wolke würde sich kurz an den Cumulus fassen und antworten: „Ich mache niemanden nass, der hier wartet. Ich … wie ging’s gleich noch weiter? Ach ja … schwebe nach Hause und überdenke mein Leben.“

Auch für mich war es Zeit, weiter zu ziehen. Nicht, um mein Leben zu überdenken. Ich hatte eine andere Mission: diesem köstlichen Brewald noch ein paar Geheimnisse entlocken.

(Weiter mit Folge 4)

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