Leute neben der Spur (9)

Sambatical à la Zé do Rock - Folge 2: Per Daumen durch Brazil

Snow gets in your eyes: German Raucherpause (Foto: Zé do Rock)

Snow gets in your eyes: German Raucherpause (Foto: Zé do Rock)

(This way zu Folge 1). Und hier kommt die Fortsetzung unserer Plauderei mit dem Guru des Kaudadeutsch Zé do Rock. Nach einer kurzen Zigarettenpause erzählt er uns von seiner Reise durch das Verbots-affine Schrägland Brasilien.

Munich Globe Bloggers: Für dein neues Buch bist du monatelang durch Brasilien getrampt. Eine gutes Land für Autostop?

Zé do Rock: Kein gutes land für autostop, aber ich waiss nich, ob es noch gute länder gibt. In anderen ländern bin ich schon lange nich mehr getrampt. Brasil war schon a normales land mit trampen, aba die criminalidad der letzten decadas há den leuten gehörig angst in den nacken gejagt. Nu is es a bisschen bessa: es is imma noch a gefährliches land, aber unter den gefährlichen is es relativ sicher – en Rio und Sao Paulo is es fiel bessa geworden, aber en manchen mittelgroszen städten und en manchen kleinen städten is es schlimmer geworden. Zum exemple en Vitória, nördlich de Rio. Die leute en Vitória erklären dás mit der tatsache, dás die criminellen sich en Rio nich mehr sicher fühlten, bei den ganzen accionen policiais, also sind sie sozusagen emigrad. Insgesamt is es jedenfalls etwas bessa, aba nich so, dás die leute anhalten würden. Anhalten tun vor allem berufsfahrer, dás heisst brummifaris und handelreisis. Naja, aba so gut zu trampen wi Deutschland, is glaub ich kaum a land.

MGB: Und wir dachten, in Germany sei Trampen out. Gut, dass Jack Kerouac das nicht mehr miterleben muss. Trotzdem spleenig, dieses Brasilien: Du bist auch mit einem Bus und einem Taxi getrampt. Halten in Brasilien auch die Cops und die Tarnhelmis, wenn man den Daumen raus hält?

ZdR: Mich há noch kein polizeiauto in Brasilien mitgenommen. Commt aba selten vor, ich kann me nur an zweimal erinnern, em França und en Swecia. En Alemanha bin ich mit meiner damaligen frau von a polizeiauto mitgenommen worden, ir ideia war aba nich, uns a teil von da strecke mitzunehmen, sondam uns weg von der autobahn zu schaffen. Se fragten uns, ob wir nich ganz bei trost sind, auf der autobahn zu trampen, aba dann haben se uns sprechen gehört und wussten, dás wir mit den locais autobahnregeln nich so richtig vertraut waren.

MGB: Kannst du Autostop auch Touris empfehlen, die keine Brasilisk sprechen und nicht wirklich mit Marilyn Monroe zu verwechseln sind – z. B. den Munich Globe Bloggers?

ZdR: Sind die munich globe bloggers alle hässlich? Das glaub ich nich.

MGB: Ok, nur der Chef sieht Scheiße aus. Hihihi. Der Rest spielt in der Liga von Hugh Jackmann und Halle Berry (unsere Hasen) – aber halt nicht wie MM. Also?

ZdR: Naja, ich würd es niemandem empfehlen, in Brasil zu trampen. Es dauert eher lang, und má lernt nur brummifaris un handelreisis kennen. Das is glaub ich nur spannend, wenn man sich prickelnd für brummifaris un handelreisis interessiert. Apropos: mit inglês is má nur globalisado em dem sinne, dás man americanisado wi viele andere is, oder sogar a bisschen mehr. Ir könntet euch die europano bezeichnung geben: Minga Globo Blogis, auch ‘die migloblos’ genannt…

MGB: Smart Braini, Bradda. Wir beauftragen unseren Chef-Designer gleich mal mit einem neuen Logo für den südamerikanischen Markt. But back to your new book: Du bist durch Brasilien von Nord nach Süd gereist, gefühlte 8.000 km, und hast tausend Leute interviewt. Welche neuen Erkenntnisse über deine alte Heimat hat die Reise gebracht?

ZdR: Ich há die impression, dás alles bessa geworden is – vás dás materiale betrifft, wenigstens. Auch im nordosten, im armenhaus do Brasil, dás gar nich mehr sou arm is. Aba die land erlasse neu verbote wi fleissige hennas eier legen, un die evangelikalis spilen sicha kein unwichti rolle dabei. Deutshland erlaube noh 0,5 promille, Brasilien hat 0,0 promill.

MGB: Und wir dachten, Germany hätte die zero points abonniert …

ZdR: In filen stranden is es verboten zu smauchen. Sogar die regele für die sonnenshirme sein super eng heutzuta. Wi ik in meinem buk erzeel: Mei swesta wont in a stinknormale mittelklasse-hohaus in Sao Paulo, un wenn du ankomme, sest du shon links in el einfart: HUPEN VERBOTEN! Dann gest du rein, un – in die frei! – 3 smaukverbot-shilde heng. Du komme zu die lift, da stet, das es verboten is, gastis mit zu die pool zu nem. Un dat es pro kindis unta 12 jar verbitet is, die lift aleine zu benuz. Un natural is es verbitet, personis aufgrund ir rasse, hautfarb o religion zu diskriminee. Drunta die hotlein für smauki-denunziationes. Ma komm inzu die lift, un endli henge da a shild, die kei verbit is: „Lechele, du werde filmet!“

MGB: Brasilien sollte sich umbenennen in Verbotilien (Prohisil). Als Fans des Dudeism …

ZdR: … Hehehe …

MGB: … sind wir Munich Globe Bloggers fasziniert von der Freikirchen-Geilheit der Brasilis. Treffen sich zwei Germans, gründen sie einen Verein. Treffen sich zwei Brasilis, gründen sie eine Sekte. Wie erklärst du diesen Spleen à la Brasil?

ZdR: Fileit is es en ekonomishe fenomeen. Die mittelklasse war traditional katolish, ma non troppo. In der originalversion von meinem film Schroeder liegt in Brasilien hatte ich die szene mit der blonden brasilianerin, die ich nach der religion gefragt hab. Sie sagte, „Früha war ich katholika, ne. Aba dann bin ich nach Deutshland gecommen, und hier muss man dafür zahlen! Ja, un so bin ich momentan religionslos …“

MGB: Na also, es geht doch!

Aber es gibe nicht nur die tradicionale mittelclass, also obere un mittelmittelclass, sondan auch die undere mittelclasse, die noh vor a par jahren arm war. Si is cimlich ignorant, empfanglich für solche messages, hat plötzlich moneten un file shlaumeier han das entdeckt. Das begann mit der americanisirung von Brasilien, un nu gibt es sogar a brasilianisirung der USA, die brasilianishen evangelicalen expandieren in den ganzen continent un nach Africa. File menshen in Deutshland fürchten sich vor der islamishen expansion, aba comparert mit der cristlichen expansion shaun die muslimis wi corknaben aus.

MGB: Vieles fällt vom Himmel, nur kein Hirn. Du lebst schon seit den 90ern in f* Germany. Mit welchen teutonischen Eigenschaften bist du in Brasilien aufgefallen?

ZdR: Man wexele die ganze cörpersubstanz alle 7 jare, also sein die meisten meiner cellas momentan made in Germany. Un so holet i mir gleich im ersten dag a sonnenbrand, dabei shin die sonne gar nit. I glaub i kann mit natüralitee a ‘nein’ sagen, un brasilianer sagen liba ‘ja’ au wenn si ‘nein’ meinen, si sein ja imma so cacahöfli. Naja, das war shon immer a diferenz zwishen mir un dem dursnittsbrasilianer, wenn man von a dursnittsbrasilianer übahaupt reden cann, aba früha war mir die tatsake, dass brasilianer ‘ja’ sagen, au wenn si ‘nein’ meinen, presenta denn nu. Nu vergess i’s imma wida, un glaube manchmal, das ‘ja’ bedeutet ‘ja’.

MGB: Sakradi, d.h. der brasilianische Obama sagt dann: „Yes, we can’t!“

ZdR: Es is au sondabar, dass man im brasilianishe portugalish die word für ‘ja’, ‘sim’, so gud wi ni gebrauk. Normalaweise widahole ma die verb der frage – Go ju tu die city? Go. War ju gestan in die fest? War. Un wenn ma si nit mer an die verb erinna, sage man ‘é’ (wi ä), dat heisse ‘is(t)’. ‘Sim’, die word pro ‘ja’, werd eigenli nur verwendet, wenn ma ‘nei’ mein, zamme mit die word ‘pois’, so wat wi ‘also’. Wenn jeman tu exemplo ju frage, „Hey, giv ju mik a tausendu? I vou gerne tu die casino go.“ Da say yu, „pois sim!“, „also ja!“ Und das liesze sich ins bairische folgendamaszen übasetzen: „I gib da glei an tausenda!“

MGB: Und wie red’st du mit die Viecher?

ZdR: Ach so ja: mit catzen und hunden sprech ich imma noh deutsh, egal ob ich in Brasilien oder in China bin. Nur wenn leute commen, da wexel ich zu portugiesish, weil ich nicht mag, wenn die personas sagen, „Der is nu a deutsha!“. E villeicht denken si auch, ich bin gaga: die tiren cannen caum portugisish, wi sallen die nur deutsh verstehen? Jedenfalls streng ich mich nu an, in der massa tu vershwinden. In China sprech i weita deutsh mit den tiren, wenn chinesishe personas commen, weil i sowiso kein chinesish cann, un au wenn ich es cannat, würden die chinesen caum glauben, i bin a chinese.

(Weiter zu Folge 3)

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