Leute neben der Spur (8)

Sambatical à la Zé do Rock - Folge 1: Alcatraz de Luxe

Looking for a Fluchtweg: Maldives-Prisoner Zé do Rock alias Jailhouse-Rocky (Foto: Zé do Rock)

Looking for a Fluchtweg: Maldives-Prisoner Zé do Rock alias Jailhouse-Rocky (Foto: Zé do Rock)

Zé do Rock  Literat (fom winde ferfeelt), Filmregisseur, Sprach-Designer (brazileis, kaudadeutsh, ultradoitsh, wunschdeutsch forte etc.), Globetrotter und Blogger aus Porto Alegre, São Paulo, Stuttgart (der Ärmste!) und München – erholt sich gerade auf den Malediven von seinem neuen Buch per anhalter durch die brasilianische galaxis und dem Winter in Arschkaltistan (Germany). Wir haben ihn aus seiner Hängematte geschüttelt und ihn mit höchst unchilligen Fragen vermöbelt. Weil wir nicht ganz so böse sind, wie wir aussehen, durfte er dabei rauchen.

Munich Globe Bloggers: Wir haben dich gerade beim Pauschal-Urlaub auf den Malediven erwischt. Ist das schlecht für dein Weltenbummler-Image oder ist dir das quasi German sausage?

Zé do Rock: Gut is es nich, aber nich so schlimm wie Mallorca oder Teneriffa. Wobei ich auch schon auf Mallorca war, meine Shazza hat mich dazu überredet. Am flughafen hab ich mich damals schon etwas sorgen gemacht, dass mich ein freund sieht. Naja, wenigstens waren wir nich am Ballermann 6 oder so, sondern in der wohnung von einem freund. Und es hat seine vorteile, man muss zum beispil kein hotel suchen, man muss sich nich mit der sprache rumplagen. Auch mit català komm ich irgendwie durch, ein ding zwischen portugisisch, spanisch und französisch.

MGB: Shazza???

ZdR: Ach so ja: Shazza is meine gefärtin. Ich nenne sie Shazza, sie nennt mich Shazzo. Das ändert sich aber manchmal, zum beispil wenn wir in Rumänien sind, dann bin ich der Shazzul und sie die Shazzula, in China sind wir beide Sha-Tze.

MGB: Malediven klingt edel, jetsetty. Haben die Inseln Spitznamen à la Malle für Mallorca?

ZdR: Ja, stimmt, Malediven klingt edel. Die weiblichen stars von Malle … Aber die hauptstadt heisst ja schon Male. Die hauptstadt der Malediven, mein ich. Da gibts nich mer vil abzukürzen.

MGB: Was treibst du da eigentlich, außer wie neulich auf deiner Brasilien-Reise nach Kippen und Orten zu suchen, wo du ungestört qualmen kannst?

ZdR: Ja hör mal, ich hab ein buch über Brasilien für alle geschriben. Noch ein buch für raucher würd ich sicher nich mer schreiben: die nichtraucher ham das buch gar nich angefasst, als könnte ma sich anstecken, geschweige denn kaufen – wenn ma so ein buch im regal hat, werden warscheinlich die vorhänge stinken. Und das schlimmste is, auch die raucher ham es nich gekauft. Entweder weil sie biologische antiraucher sind, die finden, die verbotswelle e gut, oder weil sie einfach zu faul sind. Oder weil sie gar nich davon gehört ham.

MGB: Wo schaukelt deine Hängematte?

ZdR: Ja, das war zimlich blöd: wir ham das Paradise Island Resort & Spa ausgesucht, weil die insel nach google maps nur 200 meter südlich von der hauptstadt Male liegt. So hätten wir auch schnell mal rüber schwimmen können wenn ma lust hätte. Aber die insel liegt 10 km nördlich, nur die bote der hotelkette kommen hirher und die verlangen 130 dollar pro person für die fart. Mit dem geld kann ma vermutlich nach Indien fligen. Wir wollen der hotelkette nicht soviel geld in den arsch schieben, also sind wir hier gefangen.

MGB: Ein sonniger Knast. Und das Meer? Für dich nur Deko oder checkst du da ein?

ZdR: Mit dem schwimmen ist es auch nicht so leicht, ein teil von der lagune ist für die jetskis, ein paar teile haben strömungen und man darf da nicht hin, ein teil gehört schon zum näxten atoll mit seinem eigenen resort, also private property. So sind wir schon 4 mal fyr irgendwelche ybertretungen verwarnt worden. Jetzt wollte ich mit dem kajak zur ybernäxten insel fahren, da wohnen eingeborene, aber Shazza war nur einverstanden, wenn das resort, das die kajaks vermietet, damit einverstanden ist, und das ist es nicht. Also nix „escape from paradise”. Das Paradise Island ist im endeffekt ein touristengefängnis, oder wie die senegalesen zu ihrem Club Med sagen, „Prison Touristique”. Oder auch „Club Merde”. Der extra-eintrag im google maps is ein marketing-fake, die insel 200 meter von Male gibts gar nich. Fyr ein touristengefängnis is es aber nich schlecht, jeden tag ein byffet mit 2 duzend neuen gerichten, tyrkisblauem wasser, bunten fischen und einer unterwasserlandschaft die eher an einen andren planeten erinnert.

MGB: Wo platzierst du die Inseln anhand des Zé-do-Rock-Koeffizienten (Kippen-Bier-Chill-Index): Paradies oder Hölle?

ZdR: In einer skala von 0 bis 10 (0 katastrophal, 10 genial), gibt es fyr raucher die note 5: ma darf im restaurant, in der lobby und im zimmer nich rauchen, wobei niemand im zimmer kontroliert und ma sowieso kaum im zimmer sizt. Nachteilig is in dem fall, das die zigaretten im resort so toier sind wie in Doitschland. Das gleiche probleem gibt es mit dem trinken: es gibt kein minimarkt im resort, und so muss ma die preise fon der bar oder fon der minibar zalen, und die sind ungefär dieselben wi in Doitschland. Alk gibts ansonsten nirgends, das land is streng muslimish. Note 2. Chill-faktor krigt note 10. Wenn man hier nicht relaxen kann, wo sonst? Dope is auch streng verboten, wobei man viele fische sieht, die hai sind. In solchen sachen is Nordkorea das freieste land. Kein dope-verbot, man kann überall shmauchen un trinken. Man muss nur das geld dazu han.

MGB: Und wie sind die Leute so drauf, die Maledivis?

ZdR: Wie die malediwer drauf sind, is schwer zu sagen. Hier in der prison touristique hat man nur kontakt mit dem personal, die sagen dann gerne „Yes, Sir!”, sind aber ansonsten nich sehr gesprächig, vor allem is ihr englisch eher basic. Mit den gästen redet man auch nich viel. Die meisten sind indische honeymooners, die mit sich selbst beschäftigt sind, dann gibts auch viele chinesen. Die meisten weissen sind russen, sowohl oligarchen wie auch jungigarchen. Ein paar araber gibts auch, sogar frauen mit burka. Die gehen natyrlich nich ins wasser, an sonnenbaden is sowieso nich zu denken, und ich frage mich wozu ma sich fyr ein paar stunden in einen engen flieger sezt, um hier im zimmer zu bleiben.

MGB: Auf den meisten Inseln haben Kolonial-Heinis ihre Sprache dagelassen. Wie schaut’s auf den Malediven aus? In welcher Sprache organisierst du deine Tschicks (puchos) und Cervejas?

ZdR: English. Ansonsten sprechen die a südindishen dialekt, also indo-arish. Shaun aba gar nit so aus wi der Fürer sich das dacht hat.

MGB: Kannst du die Malediven in einem Satz verpacken?

ZdR: Ja, a paradies, aber es wunda mi nit, dass Adam un Eva da raus wollten.

(Weiter zu Folge 2)

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