Fish & Fritz – almost crisp Yorkshire Tales (5)

The Ruins of Vampire State Building

Yorkshire Bloodsports Arena: The Vampire State Building, Whitby (Foto: Munich Globe Bloggers)

Yorkshire Bloodsports Arena: The Vampire State Building, Whitby (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). I went to California / I needed sun, I warned you / When the green of your eyes met my blue by surprise / There was a storm yeah … Storm, yeah! Thanx for the Stichwort, Camera Obscura, du famose Indie-Band aus Glasgow, wo famose Indie-Bands aus den Pubs schießen wie Besoffene aus den Wiesn-Zelten. Wolken stürmen über Whitby hinweg, die Brandung verbeißt sich in die cliffy Steilküste. Oben auf dem Friedhof von St. Mary Church ragen die verrußten Grabsteine in alle Richtungen. „Versteinerte Trunkenbolde“, vermutet Fritzga. Dahinter ächzen die Ruinen von Whitby Abbey, better known as Vampire State Building.

Wir wissen nicht, was Bram Stoker – der übrigens aussah wie Max Weber und Bücher mit ähnlichen Titeln schrieb (Die transilvanische Ethik und der Geist des Vampirismus, 1902; Knoblauch und Gesellschaft, 1908) – sonst noch so intus hatte, als er hier Ende des 19. Jahrhunderts von Dracula träumte. Da Stoker bisher nicht als Untoter auffiel, verspricht uns eine Spontan-Exhumierung des Dracula-Autors wenig Erfolg in dieser Sache. Der Ort spricht für sich. Selbst wir Helden der gepflegten Seriosität denken bei dieser Kulisse quasi schlagaderartig an einen Hals-affinen Batman.

Sturm macht Hunger. Eigentlich wollten wir ein Stückchen Cleveland Way wandern. Ein begnadeter Fernwanderweg von Helmsley bis Filey, den ich selbst schon vor Jahren angeknabbert habe. Aber dann entdeckt Fritzga den Ice-cream Van mit Dracula-Eis. Fritzga lässt mich probieren. „Und?“ „Kalt“, sage ich, während ich überlege, welche Geschmacksrichtung das sein könnte. „Knoblauch ist es jedenfalls nicht. Das würde ja kein Vampir anrühren.“

„Whitby hat sogar eine Partnerstadt in Old Germany“, meldet mein Smartmountainerbrain aus unheildräuendem Himmel. „Osteoporose oder Osterode oder so. Keine Ahnung, wo das ist. Klingt jedenfalls porös und nach Osten.“ Fritzga klopft sich mit der eisfreien Hand an die Frisur. „Tock, tock, tock.“ Gutes Zeichen. Möchte nicht, dass ich irgendwann von der Nebenspur abkomme. Sehnsüchtig blicke ich auf den Wegweiser mit dem Eichel-Symbol: Cleveland Way. Die Füße sagen „walk!“, der Magen sagt „eat!“.

Vor Jahren futterte ich Fish & Chips im Magpie Café. Natürlich die besten in Wasweißichwo. Bei meiner Vampir-Ehre: Dieser Besten-Schmarrn geht mir Sarglängen an der gesäßnahen Arterie vorbei. Wir schalten auf Autopilot. Unsere Spürnasen-Navi mit integrierter Fish-&-Chips-App lotst uns zu Arnie’s Bistro am Market Square. Rote Fenster und Türen, Portionen wie von Hemingway oder Steven Spielberg aus dem Atlantik gezogen. Tosender Gaumen-Jubel. Und Fritzga strahlt, dass die Sonne um ihr Monopol fürchtet und die Wolken wegschmatzt wie ein Wolf nach der Fastenzeit seine Schäfchen.

(Weiter mit Folge 6)

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>