Fish & Fritz – almost crisp Yorkshire Tales (2)

In Search of the Brontësaurus

Hier hat der Sturm ihr Haar zerzaust, dort fallend Wasser sie berauscht: die schicksalhafte Welt der Brontë-Babes (Foto: Munich Globe Bloggers)

Hier hat der Sturm ihr Haar zerzaust, dort fallend Wasser sie berauscht: die schicksalhafte Welt der Brontë-Babes (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Who the fuck is Brontë? Fritzga kurbelt die Augen nach oben. So wie der Uhu das mit seinem Kopf macht. Okay, so ähnlich. Als Fritzgas Augen wieder da sind, kommen die akustischen Untertitel dazu: „Wuthering Heights.“ „Wondering Heinz?“ „Wu-the-ring Heiiiiights!“ „Oha! Dachte, das ist von Kate Bush.“ Statt Augenrollen gibt es jetzt einen Zwacker in den Oberschenkel. „Argggh!“ So ein Edu-Defizit kann schmerzhaft sein. Und gefährlich. Beinahe poliert unsere Kutsche die Leitplanke. Während der anschließenden Aufklärungssendung schalte ich meine Hirn-Abzugshaube an. Das erklärt vermutlich die Abweichungen zwischen Fritzgas Version und meiner Version, die ich hier in gemeinwohlfördernder Absicht kurz rekonstruiere:

Der Brontësaurus ist ein Urvieh, das im englischen Literaturzeitalter Victoriaikum lebte. Die bekanntesten Vertreter dieser Wonne-Echsen waren Anne, Charlotte und Emily, auch bekannt als Stars der 1870s-TV Serie Drei himmlische Pfarrerstöchter. Größere Spuren der Brontë-Babes fanden Forscher in der buckligen Kleinstadt Haworth. Hier trieben sie ihr Dichtwesen und bereicherten die Jealoustristik, die Gouvernanten-Literatur und sogar den Herrenhauswitz – so nannte man damals pointenreduzierte Bonmots, die sich der verarmte Adel unter gedimmten Lüstern und hinter schweren Samtvorhängen zuflüsterte. Um ihren Gedichtband mit dem skandalösen Titel Poems zu finanzieren, jobbten Anne und ihre Schwestern sogar als Schultertuch-Models. Die couragierteste und emanzipierteste Verfilmung eines Brontë-Werkes gelang Monty Python mit ihrer Fuchtelflaggen-Version von Wuthering Heights.

Brontë-City also. Nächste Station auf unserer Reise durch Yorkshire. Nach eigenen Schätzungen sind die Brontës längst skelettiert. Dafür sind sie unglaublich präsent. Vermutlich spuken sie nachts werbewirksam durch den Ort, bis der nachtruhelose Bürgermeister überall Plaketten aufhängt, wo die Lit-Chics zu Lebzeiten ein paar Buchstaben fahren ließen. Ganze Arbeit, Ladys! Kaum ein Haus ohne Brontë-Hinweis. Es gibt sogar ein Brontë Meadow Project. Schauplatz für ein neo-viktorianisches Ishirô-Honda-Remake: Brontësaurus vs. Sheepzilla.

„Warum sind die Brontës ausgestorben?“, frage ich in den bewölkten Himmel hinein. Die Ein- und Austrittsdaten auf ihrem Grabstein in der Haworth Church legen ein kurzes Leben nahe. Emily legte die Feder mit 30 aus der Hand, Charlotte mit 39 und Anne (ihre Souterrain-Wohnung ist in Scarborough an der Ostküste) mit 29. Fritzga alias Hermine Granger hat selbstverständlich eine Theorie im Ärmel: „Angeblich Tuberkulose, aber das ist heute widerlegt. Zumindest bei Emily und Charlotte.“ „Wie die Eiszeit bei den Dinos“, sage ich. Und schon habe ich meine eigene Theorie: „Für Frauen, die selbstbestimmt leben wollten, war die Viktorianische Epoche die reinste Eiszeit.“ Fritzgas Augen flüchten in ihre Höhlen wie damals die Yorkshire Dale’schen Frühmenschen vor den Dinos.

(Weiter mit Folge 3)

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