Fish & Fritz – almost crisp Yorkshire Tales (1)

Loads of quirky spirit in Old York

Die drei Pfaffen: See no ghost, hear no ghost, talk to no ghost (Foto: Munich Globe Bloggers)

Die drei Pfaffen: See no ghost, hear no ghost, talk to no ghost (Foto: Munich Globe Bloggers)

I’m not amused. Schon wieder winselt dieser Ghost-Trail-Trottel, ich solle mein 70s-Style-Notebook wegstecken. Fürchtet, ich stehle ihm seine Gags und ruiniere ihn. „Watch it, Bürschchen!“, tickert mein Hirn. „Wenn du mich weiter nervst, bekommt diese geistreichste Stadt der Welt noch einen Geist dazu.“ Einen, der aussieht wie ein Bastard aus Ostfriesen-Otto und Riff Raff (der Butler aus der Rocky Horror Picture Show). Optisch ist Mr. Ghost-Trail lost in translation. Zwischen Spookyness und Witzfigürlichkeit. Im Rundgang durch Yorks mega-haunted Altstadt kommt nichts Spukwesentliches mehr dazu. Walking Valium, dieser Mann. Insofern ist seine Angst begründet: Würde ihm jemand seine drei Gags zwicken, wäre er ein Humorloser und könnte auf einer Amusement-Park-Bank schlafen.

Wir checken frühzeitig aus und schieben uns im Guy Fawkes Inn ein Bier hinter die Kulisse. In diesem Pub, der damals noch kein Pub war, droppte der Anonymous-Visagen-Urheber 1570 aus seinem mobile embryo case alias Mama-Box. Aufgeknüpft wurde er 1606 in London, nach seinem gefloppten Versuch, das Parlament mit Sprengstoff zu überstimmen. Diese Aufgabe übernimmt James McTeigues Filmheld V in der nicht so fernen Zukunft. In der Graphic Novel von Alan Moore und David Lloyd sogar schon in den 1990er Jahren. Dazu sprengt V noch den alten Sound-Tower. Quasi Big Ben Bumm.

Meine Frage an das Ministry of Ghost-Traffic: Spukt ein Geist am Geburtsort oder am Sterbeort seiner alten Hülle? (Gut, dass wir so weit weg sind von der Wiesn, sonst hätte ich „Hülle, Hülle, Hülle“ geschrieben!)? Oder gilt analog zum EU-Recht der Niederlassungsfreiheit und Arbeitnehmerfreizügigkeit für EU-Geister freie Spuk-Ort-Wahl? (Kleine Sprachkritik: Das Wort „Arbeitnehmer“ ist eine Frechheit. Als würden diese Leute Arbeit „nehmen“ – sie arbeiten. Arbeit nehmen geht nicht. Man kann sie tun oder liegen lassen. Folglich sollten sie Arbeiter heißen. Und die Arbeitgeber sollten „Arbeitsnutznießer“ heißen – schließlich verdienen sie an den Arbeitern. Die Sprache kriecht immer den Ausbeutern in den Arsch. Ende des Klassenkampf-Exkurses).

35 Stonegate, um die Ecke vom Guy Fawkes Inn, ist die Adresse von Yorks „most haunted house“. Drinnen ist ein Laden namens Eye of Newt voller Gruselbücher, Eso-Zeugs, Zauberstäbe und Anti-Schwiegermutter-Deko. Das Gruseligste ist der Eintrittspreis von 10 Pfund für eine Führung durch die haunted rooms. Fritzga und ich beschließen, den Spukereien via Webcam auf die Schliche zu kommen und unsere Pfunde besser in Fish & Chips zu investieren. Das gelingt uns auch. Bei Mr. Chippy and his Yummy Gang, Swinegate 37-39.

Kirchen sind ja nicht wirklich unser Ding. Aber diese verschrumpelte und göttlich abgefuckte Holy Trinity Church, 70 Goodramgate, groovt wie ein Konzert der legendary Seahorses. Die Band gibt’s leider auch nicht mehr. Aber sollten die Jungs demnächst hier zwischen den hölzernen Kirchen-Sitzkabinen um Mitternacht einen Gig spuken, würde ich meinen gerechten Schlaf glatt zwei Stündchen verschieben. Absolut jenseitig wär ‘ne Cover-Version von Bruce Lows Das alte Haus von Rocky Docky.

(Weiter mit Folge 2)

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