Kings of Warmdusch: The Beach Hopper’s Guide to Tinos (6)

Even Travel-Dinos get the Blues auf Tinos

Blind Date mit Kassandra: The answer, my friend, is blowing in the wind (Foto: Munich Globe Bloggers)

Blind Date mit Kassandra: The answer, my friend, is blowing in the wind (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Kassandra nutzt diesen sterblichen Moment der Windstille und steckt sich eine Fluppe in den Mund. Ich deute auf das Päckchen mit der Aufschrift Atika. „Wusste nicht, dass es die noch gibt.“ Die Seherin zieht um ihr Leben und nickt wie ein Cowboy. „Die rauche ich seit meine Mutter Hekabe mir das Fläschchen gezwickt hat.“ „Cool“, sage ich. Es gibt keine bessere Überleitung. „Was hat es nun mit diesem Traum auf sich?“ Ich möchte das unbedingt klären, bevor wir gegen Mittag Tinos verlassen. „Träume sind überschätzt. Träume sind Bäume. Grünzeug fürs Hirn.“ Kassandra hat eine Stimme wie Ruby-TuesdayMelanie und sieht aus wie Cher in Die Hexen von Eastwick. Quasi Sirenen-Alarm. „Deswegen bin ich nach Griechenland. Dachte, hier liegt die Antwort.“ „Sorry, falscher Ort. Tinos ist die Insel der Fragen. Die Insel der Antworten ist Naxos.“ Bei Medusas Zahnspange! Kassandra will mich foppen. Na warte, du Urnen-Luder. Werde dich mit Sisyphos verkuppeln. Dann wälzt du den Rest deines Lebens einen Felsen auf den Berg. Sie lacht allwissend und nebelt mich ein. Mein Hustenanfall weckt mich.

Mit einer Tasse Kaffee setze ich mich zu Äolus auf die Terrasse unserer Casa Adelfi. Dieser Windgott ist ein verdammter Frühaufsteher. Oder macht durch. Aus dem Radio sickert Bob Dylan. The answer is blowing in the wind … Thanks, Bobby! „Äolus, was ich dich schon immer fragen wollte …“ Stille. Die ganze Woche pfeift er weitlungig und weltweise wie in Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte Die Mauer. Und dann ist er weg. Einfach so.

Manche Antworten muss man sich selbst geben. Für diesen Happen Weisheit bin ich nach Tinos gefahren. Cool. Und gleich noch einen: Die Antwort findet dich, wenn sie reif ist für deine Frage. Jetzt aber schnell auf die Fähre. Sonst halten sie mich noch für den neuen Aristoteles und behalten mich. Als Aristotelinho. Die Crew bremst. „Master of wisdom, wir haben Zeit. Deshalb sind wir doch nach Griechenland. Eine Woche ohne Uhr und ohne Plan …“ „ … es is’ so anders als daham“, ergänze ich, powered by STS.

Zur Reakklimatisierung möchten sie in Tinos City den Kitschwalk machen. Das ist diese Souvenir-Gasse Evaggelistrias vom Hafen hinauf zur Wallfahrtskirche. Kerzen. Geräuschvolle Rückenkratzer. Flachmänner mit Weihwasser für die kleine Erleuchtung zwischendurch. Einige Hardcore-Pilger kriechen die 500 Meter Strecke auf der Parallelstraße Leof. Megalocharis. „Schmerz und Erschöpfung sind Doping für den spirituellen Content-Download“, orakelt der Chef per SMS. Mir fällt dieser alte Zungenknacker ein: „Wenn Griechen hinter Griechen kriechen, kriechen Griechen Griechen nach.“ Kurz vor dem Ziel wartet die Motivationsskulptur einer kriechenden Frau, die Hand ausgestreckt nach Erlösung oder einem Glas Wasser. Mich erinnert sie an Sisyphos.

Auf der Fähre nach Mykonos packt mich der Blues. Ich halte Ausschau nach unserem feinen Ferienhäuschen und winke der Insel Tinos wie ein volksbadender Chefgott. Nur Äolus winkt zurück. Die Mütze voll Wind.

The End

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