Kings of Warmdusch: The Beach Hopper’s Guide to Tinos (3)

„Relax!“, sagt das Orakel von Volax

Like it! Stonefacebook alias das Orakel von Volax (Foto: Munich Globe Bloggers)

Like it! Stonefacebook alias das Orakel von Volax (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Zwei Mal über Strände geschrieben, schon sortiert mich der Chef ins seichte Fach. Nennt mich Sandmann und fragt mich, ob ich meinen Platz im Büro mit dem Handtuch reserviere. Sieh dich vor, Chef. Next time it’s personal.

Nach der Südostküste wagen wir uns weiter Richtung geografisches Zentrum der Insel. Das lümmelt sich irgendwo nordwestlich von unserer Relax-Basis Casa Adelfi in Triantaros. Ich teste ein neues Reise-Orientierungsmodell. Weg mit dem Reisebuch und seinen pseudo-wertvollen Analog-Infos. Fuck the Smartassphone. Toys”R”fuss! Wir fahren zu den Orten mit den coolen Namen. So reist ein Asphalt-Cowboy im 21. Jahrhundert. That’s the real eTraveling. E wie Emotion. Okay, Chef, du jüngstes Rechthaber-Gericht. Nennen wir’s Q-Travelling. Q wie quirky.

Auf dem Weg zum Kolimbithra Beach, der sich später als unser Chefstrand herausmausern wird (sorry für den fiesen Spoiler), kurven wir nach Volax (manchmal auch Volakas geschrieben) zum berühmten Felsvisagen-Orakel. Lohnt nicht, das zu googeln oder wikipedieren. Stoneface-Orakel haben wir selbst entdeckt. Berühmt also erst demnächst. Sobald dieser todesinvestigative Superscoop über die Monitore der Welt flimmert und von einer schwedischen Popgruppe vertont wird (Tonight the super scooper / Google’s gonna find me / Chiming like a nun / Smiling, having fun / Feeling like a number one).

Nach dem Rundgang durch das Dorf mit seiner „Unser Dorf braucht nicht schöner werden, weil es schon sehr schön ist“-Optik – Weißer-Riese-weiße Mauern, santorinblaue Holzfenster und -türen und dschungelbuchmäßig verwilderte Ruinen, die verhindern, dass der Dorftester sein Häkchen hinter die Kategorie kitschig setzt – erholen wir uns vor diesem Medium-Beauty-Flash am Dorfrand. Wir sehen unaufgeräumtes Hügelland in den spätsommerlichen Trendfarben Ziegenweiß, Moussakagelb und Retsinagrün. Nebenan futtern Ziegen. Sie wecken Däkkis Mitgefühl. Die Ziegenbeine sind paarweise in Körperbreite aneinandergebunden. Ihr Laufstil erinnert mich an Filmzombies. „Gemeinheit. Die Götter werden euch eine saftige Krise schicken“, sagt Däkki. „Falls sie nicht gerade Zickenbraten futtern, die Schufte!“, ergänzt Sebis.

Mitten in unsere mündliche Petition an den für Tinos zuständigen Windgott Äolus, den wir gerade beim Essen stören, weshalb es so windstill ist, platzt eine Stimme: „Leute, ich bin das Orakel von Volax und sage Euch, Ihr werdet heute Abend gut schwimmen und essen am Kolimbithra Beach. Dieses Orakel wurde gefördert und finanziert durch EU-Mittel.“ Versteinert blicken wir auf ein Felsengesicht, das in seiner steinalten Geschichte noch nie jemand mit Audrey Hepburn verwechselt hat. Nicht mal mit Nana Mouskouri, wenn sie ihre Austin-Powers-Brille trägt und Weiße Rosen aus Athen singt. Nach ein paar Minuten Medusa-Modus nimmt mein Kiefer wieder Aufträge entgegen: „Coole Info, Mr. Felsbook. Wussten wir leider schon. Hast du auch was mit News-Faktor größer 1?“ „Yes, aber die Zeit ist um. Just relax“, sagt Facestone. „Auch diese Antwort wurde gefördert …“ „Lass stecken, Kumpel“, sage ich. „Fördern die auch was mit Nutzwert?“ „Fuck you!“, sagt das Orakel. „That’s it!“, sagen wir mit der metaphysischen Vielstimmigkeit eines griechischen Tragödienchors und heben synchron unsere Like-it!-Daumen.

(Weiter zu Folge 4)

2 comments to Kings of Warmdusch: The Beach Hopper’s Guide to Tinos (3)

  • bani

    oh, so funny, herr dokta! so gelacht!

    • Munich Globe Bloggers

      Merci, Frau Bani. Wir bemühen uns, jedes Anzeichen von Seriosität quasi vor Aktivwerdung zu verhaften und einer ordentlich überzogenen Strafe zuzuführen. Weiterhin gutgelaunte Lektüre
      wünschen die
      Munich Globe Cops

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