Lost in Contemplation (3)

Walk like a Haiku in Kildare's Japanese Gardens

Bridge of Life: Feel the wisdom flow beneath (Foto: Munich Globe Bloggers)

Bridge of Life: Feel the wisdom flow beneath (Foto: Munich Globe Bloggers)

Der Meister. Nichts anderes im Sinn, als seinem nichtswürdigen Lehrling (Zenzubi) metaphysische Steine in das Bündel zu legen. Diesen Garten des Lebens zu finden, erfordert mehr Zeit, als ein Menschenleben entbehren kann. Mit GPS oder wenigstens einer Analogkarte ginge es vielleicht auch an einem halben Tag. Von Hollywood in den Wicklow Mountains angle ich mich von Kreisverkehr zu Kreisverkehr. Und die Hälfte davon kommt mir irgendwann bekannt vor. Habe noch Glück, dass Irland eine Insel ist – wer weiß, wo ich sonst gelandet wäre. In meinem Zustand maximaler Verzweiflung greife ich auf einen alten Trick der Jedi-Ritter zurück. Ich fahre mit verbunden Augen weiter und vertraue der Macht. Keine 10 Minuten später stehe ich am Eingang der Japanese Gardens, im irischen Kildare.

„Sorry, we’re closing“, sagt die Dame. No way. Bin immer noch im Jedi-Modus. „Dieser Garten ist so lange geöffnet, wie ich es wünsche“, denke ich halblaut. Die Macht strömt aus meiner Hand direkt in ihren Kopf. Sie: „This garden is open as long as you wish, Master. You don’t need a ticket. Can I offer you a cup of tea?“ Oha, so viel Service hatte ich nicht erwartet. Eine Sekunde überlege ich, ob die Macht sie auch noch dazu überreden kann, mir den Inhalt der Kasse zu überreichen. Doch dann flüstert mein innerer Obi Wan: „Ein Jedi missbraucht die Macht nicht. Er nutzt sie maximal für eine Tasse Gratis-Tee.“

Der Weg durch den Garten folgt 20 Lebensstationen. Den Anfang macht das Tor des Vergessens (Gate of Oblivion), am Ende steht das Tor zur Ewigkeit (Gateway to Eternity). Das Gate of Oblivion wirkt sehr nachhaltig. Ein paar Minuten später kann ich mich nicht mehr erinnern, wie es aussah. Gegen die Macht japanischer Zen-Garten-Stationen ist selbst ein Jedi machtlos. Alles sehr seelenkompatibel komponiert. Höchst schwebewirksam. Besonders nach Torschluss, wenn die ganzen Touris weg sind. Wie in einem Bonsai-Möbel-Einrichtungshaus. Dieser rote Ahorn. Als würde eine Französin dir jeudi ins Ohr flüstern. Harmonie bis zur lyrischen Warntafel: „Beauty dies where litter lies“.

Allerdings auch sehr traditionell, diese Japaner. Legen dir viele Steine in den Lebensweg: Engagement Bridge, Marriage Bridge, Honeymoon Path. Okay, ich war gewarnt. Leichtfertig wie ein unreifer Jedi-Schüler nahm ich den steinigen Weg (Ruggend Path) statt dem Easy Path – quasi direkt in die Ewigkeit. Aber dann hätte ich die Bridge of Life verpasst. (Das ist die auf dem Foto). Klein, rot, geschwungen. Ein begehbarer Glückskeks. Sie verwandelt mich augenblicklich in einen wandelnden Haiku. Steine im Wasser / die Stille trägt mich / ein Stück – platsch. Bruce Lees Kranich auf dem kleinen glatten Stein im Bach war dann doch eine Nummer zu ambitioniert. Meine Schuhe quaken wie Frösche. Ihre Musik begleitet mich zum Gate of Eternity. Geprüft und gereift fließe ich hindurch.

4 comments to Lost in Contemplation (3)

  • Elli

    Großartig – da will ich sofort hin!

    • Chief Chibuku

      Yep, ein Wisdom-Upgrade ist eine feine Sache. Quasi Soul-Detox. Öffnungszeiten: tgl. 9-18 Uhr – für Jedi-Ritter rund um die Uhr. May the force be with you.
      CC

  • bani

    großartig… sehr gelacht und sehr gerührt

    • Munich Globe Bloggers

      Interesting! Wir rühren sonst nur unsere Sunshine Booster Smoothies (Ananas, Kurkuma, Ingwer) für die subkutanen Sonnen-Signaturen. Aber in diesem Fall haben wir wohl eine Ausnahme gemacht.
      Die Munich Globe Shakers

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