Handtuch dabei?

Memo für Milchstraßen-Tramper

Daumen raus und rechtzeitig zum Fünfuhrtee auf Beteigeuze sein (Cover: Heyne Verlag)

Daumen raus und rechtzeitig zum Fünfuhrtee auf Beteigeuze sein (Cover: Heyne Verlag)

„… ‚Wenn wir Glück haben, sind es bloß die Vogonen, die uns in den Weltraum werfen wollen.‘ ‚Und wenn wir kein Glück haben?’ ‚Wenn wir kein Glück haben’, sagte Ford grimmig, ‚könnte der Kommandant seine Drohung wahr machen und uns erst noch ein paar von seinen Gedichten vorlesen’.“

Kostproben der vogonischen Dichtkunst möchten wir unseren Lesern lieber vorenthalten. Weltraumerfahrene Leichenbeschauer typisieren ihren Genuss – das Zynikerpack vom Duden hält das Wort ‚Genuss‘ in diesem Zusammenhang für angemessen – als qualvoll und äußerst todesursächlich, während der Beipackzettel unserer eigenen Dichtkunst nur folgende Hauptwirkungen garantiert: „apokalyptische Kopfschmerzen, tsunamihaft hereinbrechende Übelkeitswellen und sich sushinös aufrollende Fußnägel“. Im Gegensatz zur vogonischen Dichtkunst empfehlen wir unseren Lesern, Douglas Adams kosmische Tramperbibel unter dem Kopfkissen hervorzukramen und mal wieder den Daumen zwischen die Zeilen zu halten. Das Buch nimmt einen auch beim hundertsten Mal sofort mit und spuckt einen erst wieder aus, wenn die letzte Seite umgeblättert ist. Wer sich das Zeug lieber in die Ohren stopft wie einen Babelfisch, bitte! Unsere Labormäuse schwören auf das postgöttliche Ohrenbuch mit Christian Ulmen.

„Ja, cool“, denken sich jetzt vermutlich 42 Prozent unserer Leser, „aber Weltall, also hmm, nee, da komm ich die nächste Zeit eher nich’ hin. Meine Freundin will unbedingt mal wieder nach Venedig. Da wird’s bisschen schwierig mit einem Abstecher nach Beteigeuze.“ „Stirb langsam, Spaßbremse!“, antworten wir da, während unser sonnenfinsternisbrillengefilterter Blick seine sensible große Zehenspitze in ein gewaltiges Glas pangalaktischen Donnergurgler taucht. „Dieser Lonely Universe für Milchstraßentramper hilft einem auch auf der als ‚größtenteils harmlos‘ beschriebenen Erde weiter.“

Es ist nun mal so, dass die Menschheit nicht aufhören kann, einem fortwährend Lösungen für Probleme anzubieten, die man bis dahin gar nicht hatte, z. B. eine App, die einem sagt, wann es Zeit ist, die Socken zu wechseln. Damit erreicht die Menschheit immerhin, dass sich der Einzelmensch noch blöder vorkommt, weil er nicht längst die Koffer gepackt und den Daumen rausgehalten hat, in der anderen Hand ein Schild mit „Spiralnebel No. 5“ oder so. Es mag ja unwahrscheinlich sein, dass man vor seinem Lebensende mitgenommen wird, aber das heißt auch, man hat genügend Zeit, während des Wartens Per Anhalter durch die Galaxis zu lesen, das mit Abstand sinnvollste Buch auf einem unendlich sinnlosen Planeten.

Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis, 1981, Heyne Verlag

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>