Coconut Diary (2)

Zu viele Hochzeiten und ein Hängemattenfall auf Mauritius

Tante Käthe? Frank Rijkaard? It's Balla-Balla, Fußballgott der Hindus (Foto: Munich Globe Bloggers)

Tante Käthe? Frank Rijkaard? It’s Balla-Balla, Fußballgott der Hindus (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Der Hängematten-Faktor ist ein wichtiger Bestandteil meiner Insel-Formel. Nach ihr suche ich schon seit Äonen wie ein Philatelist nach der Blauen Mauritius. Doch nicht mal am Strand von Mauritius ist mir die nötige Muse gegönnt, diesen Meilenstein der Insel-Kategorisierung gebührend zu begrübeln. Schon wieder eine Hochzeit im Busch. Diesmal heiraten zwei Einheimische nach Hindu-Art. Very ritualhaltig. Räucherzeugs, Tanz und so. Mauritius kitzelt die Sinne. Das Insel-Deo is powered by Frangipani. Überall wachsen die weiß-gelben Blüten, quellen über Gartenmauern, lodern an Flammenbäumen und lächeln von den strengen Frisuren der Sega-Tänzerinnen und Hindu-Mädchen als herrsche permanenter Hochzeitsalarm. Mauritius ist ein einziges Brautbouquet.

Wie von listigen Tourismus-PR-Leuten erfunden hat die Insel auch ihr sagenhaftes Liebespaar. Paul und Virginie. Spielen in derselben Unglücksliga wie Romeo und Julia. (Mittlerer Tabellenplatz). Tragedy sells. Wenigstens die Kunst meint es gut mit ihnen. In Curepipe (diese Stadt heißt wirklich so, übersetzt: Pfeifenputzer), im Garten der City Hall (Hôtel de Ville) sind Paul und Virginie eng und langfristig umschlungen und lassen sich auch von knipsenden Touris nicht von ihrer Liebe abhalten. Kennern fällt sicherlich auf, dass Virginies Brüste nicht so blank gerubbelt sind wie die ihrer Unglückskollegin Julia in Verona. Frage: Bringt das Begrabschen von Virginies Brüsten weniger Glück wie das Rubbeln an Julias Brüsten? Oder liegt es einfach daran, dass Virginies Glücksbusen hinter Pauls Rücken besser geschützt ist vor potentiellen Glücksgrabschern? Meine Theorie: Auf Mauritius ist man ohnehin recht gut drauf, so dass der erwartete Glücksmehrwert durch Busen-Touching den Aufwand kaum lohnt. 

Das Zeitalter des Remix verlangt nach einer alternate version (After-7-“Peter, Paul and Bloody Mary”-Version) der Geschichte von Paul und Virginie: Während der Trauung fällt Virginie eine Kokosnuss auf den Kopf. Virginies Mutter gibt Paul die Schuld und beißt ihm ein Ohr ab. Als die tot geglaubte Virginie aus ihrer Bewusstlosigkeit erwacht, ist Paul verblutet. Virginie erwürgt ihre Mutter mit dem Brautschleier und stürzt sich ins Meer. Aus Angst, ihre Frisur können Schaden nehmen, bevor sie selbst ertrunken ist, beginnt Virginie zu schwimmen. Ihr Orientierungssinn ist fast so erbärmlich wie meiner. Sie schwimmt versehentlich an Land. Rasend vor Wut schüttelt sie eine Palme. Die einzige herabfallende Kokosnuss erschlägt Virginies Schwiegermutter Margarete. Sie war herbeigelaufen, um Virginie zu retten – zweifellos in einem Akt geistiger Umnachtung. Völlig verzweifelt beschließt Virginie sich mit einem Leben als Pinguin zu bestrafen. Auf dem Weg ins Kloster wird sie vom einzigen maurizischen Taxi überfahren. Unhappy End. Die Geschichte klingt noch viel glaubhafter, wenn man sie im örtlichen Kreol-Dialekt hört. Leider versteht man diese Sprache erst nach dem berühmten Cocktail, der einer zu viel war. 

(Fortsetzung folgt vielleicht)

1 comment to Coconut Diary (2)

  • Mayday Heathrow

    Tägchen, Mr. Globehänger,

    wie wär’s mal mit weniger Schattenschaukeln und mehr Cliffhangern? Ich hab wenigstens Solar Under Sea Walk ausprobiert. Is’ kein einarmiges Atlantikdurchschwimmen oder Lava-Surfing. Immerhin wage ich mich in unbekannte Tiefen. Passt zu Euch, sieht nämlich nebenspurig aus (etwa wie Paris Hilton an einer Uni). Wenn alle Hängemattenstricke reißen, kann man sich mit den Fotos nachhaltig um Aufnahme in eine Klapsmühle bewerben. Ich hab jedenfalls einen neuen Traumberuf gefunden: Unterwasserfernsehansagerin. „Guten Abend, sehr geehrte Fische, hier ist TV Qualle mit der Meeresschau.“

    Fatally Yours

    Mayday Heathrow, Womanchester

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