Coconut Diary (1)

Hübsch frisierte Erinnerungen an Mauritius

Tatort Palmenhain: Hier lag er. Und recherchierte kokosnussharte Fakten. Unser rastender Reporter (Foto: Munich Globe Bloggers)

Tatort Palmenhain: Hier lag er. Und recherchierte kokosnussharte Fakten. Unser rastender Reporter (Foto: Munich Globe Bloggers)

Das Taxi schnupft den Asphalt wie Koks. Büsche gehen in Deckung. Ein Bauer greift sich an den Kopf. Zu spät. Sein Sombrero hebt ab in den blauen Himmel wie ein UFO. Satter Kontrast: Überall diese  bonbonfarbenen Hindu-Tempel und hier drinnen auf der Rückbank  leichentuch-blasse Gesichter. „Ich hab mal Michael Schumacher gefahren.“ Zwischen den Winkeln des Rückspiegels spannt sich ein Hängemattengrinsen. Später erzählt mir ein Funbird, auf ganz Mauritius gäbe es nur einen einzigen Taxifahrer. „Wir nennen ihn Five-Minute-Man. Fünf Minuten. Maximum. Länger wartest du an keinem Ort der Insel auf ihn.“ Cool. Mauritius ist größer als Gran Canaria. 

Ein Magazin hat mich auf diese Insel geschickt. Indischer Ozean. 900 km östlich von Madagaskar. Von Frank-City sitzfleischgerbende elf Stunden im Alu-Adler. Heiraten unter Palmen. Die Story steckt mir nicht gerade die Hose in Brand. Aber ein paar Mäuse in die Tasche. Und klar, Mauritius. Der Name geht mir unter die Schale. Seit Pimpf-Zeiten. Die Welt war ein Kochtopf, in dem Geheimnisse brodelten. Loch Ness. Bermudadreieck. Blaue Mauritius. Und dann noch der Island-Groove. Wenn eine Insel winkt, geht’s mir wie dem Alpen-Indianer, wenn sein Berg ruft. Widerstand zwecklos.

Die Braut steckt immer noch in der Deko. Ihr Bräutigam lehnt an der Bar und massiert sein Hirn mit einem Zombie. Am Strand wartet ein Torbogen mit Blüten. Ohne Brautpaar wirkt er verlassen. Eine vergessene Filmkulisse. Zum Zeitvertreib gehe ich ein paar Mal hindurch. Eine Stange Glück kann nicht schaden. Notfalls nehm’ ich auch schlechten Sex. Der ist besser als sein Ruf. Sagt Tante Vroni. Was passiert, wenn der Bräutigam seine Braut nicht mehr erkennt nach ihrem Face-Upgrade? Der Legende nach sind Zyklone die Seelen last minute verschmähter Bräute. Wehe, wenn sie über die Insel fegen.

Die meisten machen es ganz unbarock unter diesem Torbogen. Ohne Cast. Braut, Bräutigam, Standesbeamter. Quick and dirty. Okay. Quick and easy. Etwas mehr nach meinem Reporter-Geschmack ist die Unterwasser-Hochzeit. Was für Neo-Romantiker. Zwei Delphine als Trauzeugen, zwei Riffhaie als Schwiegermutter-Ersatz. Die Korallen singen La Paloma, dazu Zitteraal-Geschrammel und ein Trompetenfisch-Solo. Und wenn die Schwiegermütter zicken, liegen sie beim Dinner auf dem Grill.

(Weiter zu Folge 2)

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