Dublin’s Quirky Seven ‒ Das Special (7)

Meet the Hangover Buster: The Waldorf Barbershop

Alles, was ein Mann braucht: scharfe Rasur und Waldorfs Hangover Buster (Foto: Munich Globe Bloggers)

Alles, was ein Mann braucht: scharfe Rasur und Waldorfs Hangover Buster (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 6). Dublin, 7 Grad, Regen. Die Frisur fällt. Passt schon. Das Schild über uns sagt, dass wir richtig sind: Waldorf. Darunter: Hot Towelshaves. Die letzte Station unserer Dublin’s Quirky-7-Tour. Der Chef hat ganz schön gelitten bei der Auswahl. Solide Mission Impossible, aus der Quirky Old Town sieben Super-Quirkys rauszufiltern. Er kennt Dublin wie seine Plattensammlung und enthüllt gerade sein Viertelwissen in seinem neuen Pint-Untersetzer. Eben das verleiht unserer Mission die Aura einer Stammkneipen-Tour. The Waldorf Barbershop ist keines dieser Frisur-Aquarien, deren Bewohner sich für Hairtists (Hair Artists) halten und denen man bei ihrer vollverglasten Kopf-Kultivierung zusehen kann. Hier geht’s runter in den Keller. Rein in die Vergangenheit. Aus dem Radio dudelt Swing. „This is Waldorf Barbershop Radio”, meldet sich der Ansager nach ein paar Stücken. Liam Finnegan grinst. Wir nicken. Anerkennung am Kinn wie ein Nikolausbart. Dieser Mann hat Spleen.

Wir fläzen uns auf der schwarzen Leder-Eckcouch mit geriffelter Lehne, lesen antike Comics und warten, bis der letzte Gast ausgecheckt hat. Der Typ strahlt wie ein Kind unterm Weihnachtsbaum. „War das Elvis?” Liam lacht. Rockabilly-Frisuren sind eine Spezialität des Hauses. Coole Matten. Coole Namen. Es gibt den Forward Boogie und den Modified Waterfall. Wer’s noch historischer mag, holt sich The Dapper aus den 40er-Jahren. Oder den Lindorf-Style. Dann sieht man aus wie die Jungs in den Hollywood-Filmen über die Prohibitions-Zeit. The Waldorf Barbershop hält Dubliner Geschichte zweigleisig am Leben. Einmal mit Neils Sammlung von historischem Krimskrams. Möbel, Spiegel, Pomaden, Föhns, Reklameschilder und so. Und einmal durch diese mörderscharfen Retro-Skalps.

Unsere Guinness-Scheitel vom Vorabend sind inzwischen auf gefühlte Sofagröße gewachsen. „Schneiden Sie auch Köpfe ab?” Liam grinst. „Setzt Euch.” Er zeigt auf die dunkelgrünen Lederstühle mit verchromten Stahlrohren und einem trichterförmigen Emaille-Fuß. Liams Blick sagt: „Ihr meint, mitsamt dem Löwen drauf? No Problem.” Die Stühle sehen jetzt elektrisch aus. Per SMS verlassen zwei Testamente den Raum. Liam wickelt unsere Köpfe in heiße Handtücher. „We call it the Hangover Buster.” Er rubbelt unsere Skalps sanft wie ein Schmetterling auf Urlaub. Dann noch kaltes Tonicwater. Ein Dorf gefrorener Ameisen krabbelt durch die Rest-Frisur. Der Guinness-Löwe hat genug. Spannt seine Flügel und schwingt sich davon. Liam grinst schon wieder. Sein Blick sagt: „It’s time for a Guinness.” Wir nicken.

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