Dublin’s Quirky Seven ‒ Das Special (6)

Life is a Lemon Soap: Sweny's

A Portrait of the Artist as a Young Doorman: Sweny's (Foto: Munich Globe Bloggers)

A Portrait of the Artist as a Young Doorman: Sweny’s (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 5). Der Wind säuselt wie Enya. Geradezu vitalisierend, diese irische Herbstluft auf der Haut. Weckt Erinnerungen an alte Seifenwerbung. Irischer Frühling. „Komm in die herzhafte irische Frische.” Gab’s diese Seife auch in Irland? Oder hieß sie da vielleicht Swedish Summer? Der schwedische Sommer ist ja vom Temperament her auch nicht gerade ein Mexikaner. Wie wir so über die gefühlte eigene Antike blubbern, haben unsere GPS-Boots das nächste Ziel gefunden. Sweny’s. „In dieser Apotheke bekommt man Aspirin zum Lesen”, schreibt der Chef in seinem neusten No-Seller. Oder kommt dieses Assoziations-Summen aus unseren unbezahlten, aber aufstrebenden Praktikantenhirnen? Wir reichen der Apothekerin unser Rezept und erhalten eine Penguin-Ausgabe von A Portrait of the Artist as a Young Man. Optisch würde James Joyce gut in einen Monty-Python-Film passen. „Einmal täglich vor dem Einschlafen ein Kapitel. Jeweils mit einem Pint Guinness runterspülen”, sagt die Apothekerin. Dann macht sie uns Tee.

Als Ulysses-Held Leopold Bloom an jenem 16. Juni 1904 Sweny’s verließ, trug er ein Stück Seife in der Hand. Lemon Soap. So eine wollen wir dem Chef mitbringen. Wer ständig schmutzige Sachen schreibt, sollte dann und wann seine Hände waschen. Sagen wir ihm natürlich nicht. Die heutige Joyce-Lesung aus Dubliners haben wir leider verpasst. Laut Chef ein f* must! Die Seife wird ihn versöhnlich stimmen. Wir bekommen sie sogar geschenkt. Dafür versprechen wir, eine Ansichtskarte zu schreiben, wenn wir wieder in München sind.

Sicher eine sehr intime Atmosphäre, so eine Lesung zwischen Bücherkisten, Schränken und Regalen aus dunklem Holz. Literatur-Apotheke trifft es ganz gut. Aus dem alten Sweny’s sind auch Fläschchen und Dosen übrig geblieben. Harmonieren prächtig mit den Hüten, Fotos, Briefen und Zeitungsartikeln aus Joyce’ Tagen. So langsam bekommen wir doch noch Lust, Ulysses zu lesen. Anderseits: im englischen Original fast siebenhundert Seiten, in der deutschen Übersetzung über tausend Seiten. 1000 pages to read before you die? Puh! In dieser Zeit könnten wir uns durch gefühlte hundert Pubs trinken und hätten dann zugleich eine etwas aktuellere Version von Dublin erlebt, und zugleich joyceiger. Zählen Sie mal die Pubs, die damit werben, dass James Joyce dort Stammgast war! Eben. Scheinbar kannte der Autor auch keinen besseren Weg, seine Stadt kennenzulernen, als von die Abkürzung von Theke zu Theke.

(Weiter mit Folge 7)

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