Dublin’s Quirky Seven ‒ Das Special (5)

Godot was here: The Little Museum of Dublin

„Ik bin ein Dubliner”: Kennedys rhetorische Mondlandung reloaded - The Little Museum (Foto: Munich Globe Bloggers)

„Ik bin ein Dubliner”: Kennedys rhetorische Mondlandung reloaded – The Little Museum (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 4). Who killed the Kennedys? Gut, dass die Rolling Stones ihre Frage selbst beantwortet haben. Wir hätten es nicht gewusst und nur eine weitere toupetschäumende Verschwörungstheorie angerührt. Unsereins hält sich lieber an Fakten, um nicht zu sagen Motherfakten. Haben wir von unserem Chef. Sein neuer Dublin-Reiseführer ist quasi die Großmutter aller Gravitäten. (Sorry, aber dermaßen indianerhaft unsichtbar und unhörbar angeschlichene Camouflage-Werbung sollte man als Leser eigentlich gar nicht bemerken). Dafür sind wir heute im Little Museum of Dublin. Gleich an der Nordseite von St. Stephen’s Green, dieser Lie-in-Extension von Trinity College. Das Stadtmuseum für das 20. Jahrhundert gibt’s erst seit 2011. Alle Exponate haben die Dubliner selbst zusammengetragen. Und jedes Teil hätte sich mit seiner Geschichte ein eigenes Museum verdient.

Kurator Simon O’Connor erzählt, dass Kinder oft erstaunt sagen: „Oh, it’s a real museum.”  Das Little Museum verzichtet nämlich auf den ganzen Multimedia-Schnickschnack. Nur Objekte und ein Guide, der zu jedem Teil eine pfiffige Story auspackt. Che Guevara, rot-schwarz, mit Erlöserblick. Bekannt aus tausend WG-Küchen. Ein Siebdruck des Dubliner Künstlers Jim Fitzpatrick, um dem 1968 ermordeten Kuba-Jesus zu huldigen. Vorlage natürlich das Foto von Alberto Korda. Wir interessieren uns vor allem für das Plattencover von Thin Lizzy, dessen Rückseite nebenan in St. Stephen’s Green fotografiert wurde, aber der Chef meint, wir sollen Samuel Beckett erwähnen. Von Beckett hängt ein Brief an der Wand, in dem er seinem jugendlichen Nachmieter ein paar Fragen beantwortet und ihn bittet, „if you ever meet my ghost in house or grounds, give it my regards”. Wenigstens hat er dem Studenten nicht gesagt, er solle auf seinen Geist warten. Wir wissen, wie unpünktlich Becketts Leute sein können.

Und was soll dieser Notenständer? Wir tippen: Hier dirigierte Mozart sein Lieblingslied Roll over Beethoven. Knapp daneben. John F. Kennedy, so erfahren wir, war in Wirklichkeit gar kein Berliner. Er hatte irische Vorfahren. Oha! Kurz nachdem er den Berliner versichert hatte, einer von ihnen zu sein, kam der wankelmütige US-Präsident nach Dublin und versprach: „Ik bin ein Dubliner.” Logen. Und wir waren auf dem Mond, Mr. President. Lustig war, dass die Iren im Parlament keine Stehhilfe hatten. Einfach nicht ihre Art, sich am Pult festzuhalten. Ein echter Ire steht auch noch mit satten 5 Promille frei, ohne zu wackeln. Damit sich der nicht ganz so trinkfeste Kennedy festhalten konnte, lieh ihm ein Musiker seinen Notenständer. Voilà, da steht er. Nur der Ständer. Kennedy muss man sich dazu denken. Machen wir gerne.

(Weiter mit Folge 6)

Leave a Reply

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>