Dublin’s Quirky Seven – Das Special (4)

Take the Whisky Rail: Number Twenty Nine

Georgianischer Spleen auf fünf Etagen: Number Twenty Nine (Foto: Munich Globe Bloggers)

Georgianischer Spleen auf fünf Etagen: Number Twenty Nine (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 3). Gloria „God bless your wonderbra” Victoria pflegte viele Hobbys und dank ihrer fast unverschämten Langlebigkeit hatte sie auch viel Zeit, diesen Passionen im großen Stil nachzukommen. Die nach ihr benannte viktorianische Zeit vertrieb sich Ihre Majestät z. B. als Kronenständer, Korsett-Model und Telefonboxenluder. Außerdem war sie die eigentliche Iron Lady (sorry Maggie!), da unter ihrer Goldkrone extrem eisenhaltig gebaut wurde. Eine echte Baustil-Ikone, die noch heute Londons blassem Teint eine Aura vornehmer Dekadenz verleiht. Ähnliches bewirkte die königliche George-Bande (George Nummer I bis IV) in Dublin. Vor allem rund um den Merrion Square posen die georgianischen Häuser mit ihren fotogenen Pforten aus Treppen, Säulen und bunten Türen.

Alles nur Fassade? Nope. House Number Twenty Nine in der Lower Fitzwilliam Street, zeigt, dass die Noblesse nicht am Schirmständer abgelegt wurde, ebenso wenig wie die standesgemäße Schrulligkeit. Zu viel Geld macht nämlich ein bisschen odd unter der Perücke. In seinem neuen Staubzüchter hat der Chef dem Museum einen Kranz aus grünem Klee an den Kopf gelobt. Vermutlich war er sogar dort. Zwar lässt sich das Gekritzel in seinem Notizblock nicht dechiffrieren, jedenfalls nicht mit unseren unbezahlten Praktikantenhirnen, aber es wirkt irgendwie euphorisch. Ist auch fabelhaft gemacht, dieses Museum. Auf jeder Etage vom Souterrain bis zum dritten Stock steht ein anderer Georgianiker und erzählt mit großem Drive Anekdoten aus dem Wohnleben der frischgebackenen Witwe Mrs. Olivia Beatty, die 1794 dort einzog.

Anfang des 18. Jahrhunderts stand das Haus noch am Stadtrand. Das heißt natürlich: kein Internetanschluss. Dafür gab es immerhin schon Call-a-Food (wenn man laut rufen konnte oder einen Boten hatte) und Fitnessgeräte (Madame hatte eines mit dem Spitznamen liver shaker. Wir möchten gar nicht wissen, was sie damit machte). Hätte ihr Mann noch gelebt, er hätte sich nach der obligatorischen Sauftour am whisky rail festhalten können, dem Handlauf in der Eingangshalle. Auch unterschiedliche Klingeltöne waren schon en vogue nicht auf dem Handy, sondern unten an der Wand, wo die Auszubeutenden (Old-School-Deutsch für Service-Team) stationiert waren. Klingelte Madame in einem der oberen Funktionsräume, wusste man unten sofort, wo sich Madame gerade aufhielt. Auch sehr spleenig: Die pole screen. Sieht aus wie ein gerahmtes Bild, das auf einem Ständer montiert ist und stand zwischen der Lady und dem offenen Kamin. Diese mobile Wand verhinderte, dass Madames Gesicht wegschmolz. Damals verputzten die Ladys ihre Visagen mit sehr wachshaltigem Material. wurde es zu heiß, erging es Madames Mimik wie Dalís Uhren oder Deep Purple auf der Cover-Rückseite ihres 74er-Albums Burn. „Verzeihung Madame, Ihr Gesicht tropft!” „Oha, wisch es auf und bring mir gleich ein Neues.”

(Weiter mit Folge 5)

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