Moby Dünn: Die Jagd nach dem weißen Wurm (4)

Das Ende der Welt auf Borkum

Achtung Weltende: Bitte absteigen und zu Fuß untergehen! (Foto: Munich Globe Bloggers)

Achtung Weltende: Bitte absteigen und zu Fuß untergehen! (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 3). „Borkum sieht aus wie das Hai-Abzeichen, das man früher auf den Badeanzügen hatte”, sagt Madame. Vor uns liegt eine Borkum-Karte. Wir wollen ans östliche Ende der Insel. Ich finde, es sieht eher aus wie eine Möwe. „Okay”, sage ich mit der Mimik von Robert de Niro in Taxi Driver. „Du hattest doch sicher nur Seepferdchen.” Reine Provokation. Im Vergleich zu mir war Madame eine vereinstrainierte Schwimmerin. Mit fünf Jahren trug sie wahrscheinlich schon den Goldenen Totenkopf am Schwimmtextil. Ich visualisiere mir meine damalige Badehose. Mehr als Frühschwimmer (ein peinlicher Goldfisch), Seepferdchen und Freischwimmer (für lächerliche 15 Min. Schwimmen) war da nicht drauf. Ich war eben ein Knirps und meine Badehose mit drei Abzeichen komplett voll, rede ich mir ein. Schwimmabzeichen waren die Tattoos und Piercings der 70er Jahre. Ohne war man irgendwie nackt. Madame geht überhaupt nicht auf meine Frage ein. Wahrscheinlich schwamm sie mit acht schon bei der Olympiade. Natürlich in einem schicken roten Badeanzug von Arena. „Wir fahren auf dem südlichen Deich hin und im Norden zurück.” Das sind die Untertitel zu ihrem strengen Blick. „Aye, aye, Captain.”

Hoge Hörn heißt unser Ziel. Quasi die Schnauze des Haifischs. Besser: die Flügelspitze der Möwe. Ausgefranster, düniger Sandstrand, das Meer seicht und wattig. Ein kleines bisschen Ende der Welt. So sollte es auch sein in einem Naturdingsda. „Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer”, heißt das. Oha, Madame ist mal wieder auf Zick Zick Zyliss. Fast noch besser als das kleine Weltende gefällt mir der Weg dorthin. Auf dem Deich radeln, das hat was Erhöhtes, fast schon Erhabenes. Links die Insel, rechts das Meer. In der Mitte wir, die rollenden Könige. Saftiges Gras und gelbe Blümchen am Wegesrand. Wish I was a sheep.

Am Ende des Deichs beginnt das Naturschutzgebiet. Von der Aussichtsdüne ein neugieriger Blick zu den Nachbarn. Frau Juist und Herrn Norderney. Oder wer immer sich da im Watt sonnt. Weiter zu Fuß. Das Ende der Welt erreicht man nur auf archaischem Weg. Da hält kein Bus, da fährt kein Rad mehr. Komisch. Idyllen wecken meine Sehnsucht nach Monstern. „Jetzt so ein Riesenfußabdruck wie bei Robinson Crusoe. Das wär’s.” Ich sage es ganz leise. Mehr zu mir selbst. Zwecklos. Madame hat Ohren wie ein Falke. (Falls Falken entgegen meiner Behauptung nicht gut hören, dann halt wie ein anderes Hörtier). „Und was sollte das sein?” fragt Madame. „Juistzilla? Wattwurmman in Gummistiefeln?” Ich schiebe meine Sonnenbrille nach oben und blinzle ihr tief in die Augen. Wie ein Coolness-Upgrade der Blues Brothers. „Baby, it’s time for a Sanddornbuttermilch.”

(Weiter mit Folge 5)

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