Banana Bones und der Kristallweizenschädel (7)

In Jordanien ist die Wüste lebendiger als das Meer

Flüssige Fata Morgana: Das Meer in meinem Pool (Foto: Munich Globe Bloggers)

Flüssige Fata Morgana: Das Meer in meinem Pool (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 6). Banana Bones war am Ende Jordaniens angelangt. Fast das ganze Land hatte er durchquert. Immer auf der Suche nach formidablen Schauplätzen für seinen Hollywood-Kracher. Noch war der Inhalt ein großes Geheimnis, das ihm selbst verschleiert blieb. Aber er sah seinen Filmhelden Jordan Camel schon als Lego-Figur in den Garagen visionärer Amateurfilmer, die dort die skurrile Szenen für Youtube drehten. Für den Titel hatte Bones schon einige Ideen: Jäger der verlorenen Naturumarmung war sein Favorit. Der Produzent in ihm stellte sich quer. Zu komplex für die Masse. Vielleicht brauchte er etwas Abstand.

Zu viele Eindrücke rieselten durch seinen Kopf. Auch der Entspannungstag am Toten Meer hatte wenig gebracht. Miss Bunnypenny war sauer gewesen, weil Bones statt einer Totmeer-Schlamm-Marinade mit ihr eine innere Anwendung aus seiner Minibar gewählt hatte. Später, beim Sundown-Planschen im Infinity-Pool hatte sie ihn gemieden wie einen Spielberg-Hai. Ihren letzten Abend verbrachten sie im Captain’s Desert Camp in Wadi Rum. Sie saßen um ein großes Feuer herum. Pünktlich wie ein Beamter klappte die Sonne ihre Strahlen ein und grüßte routiniert ihren Kollegen Mond, der seine Schicht antrat. „Mahlzeit!“ „Mahlzeit!“

„Wonna Muunlukki?“ Die Ansage des Beduinen sprengte Bones aus seinen Träumen. Im Trance waren sie ums Feuer getanzt, hatten an Wasserpfeifen genuckelt und reichlich Hummus gefuttert. Bei Moses’ Schilf-Röckchen! Wem wollte der alte Beduine den Mond zeigen, der kurkumagelb und speckig zum Greifen nah über den Zelten hing? Da spürte Banana Bones, wie sich Miss Bunnypennys Hand unter seinem Hemd den Rücken hinauf schlängelte. Eine nervös zärtliche Sandviper die Buchstaben auf seinen Rücken züngelte. „Halt mich fest“, schrieb die Handviper, „der Bedu will mich einfangen.“ Bones leerte seinen achten Pappbecher Kristallweizen. Das Gift verdankten sie Sidis genialen Schmuggelkünsten. Unbemerkt von den alkoholfreien Beduinen türmten sich in seinem Zelt getarntes Bier, Wein und Sandmeisters Beduinenfeuer (ein Schnaps aus Sandvipergift, der so scharf war, dass man mit dem anschließenden Pinkelstrahl bis zu 2 cm dicke Steinplatten schneiden konnte). Bones graute vor dem Kristallweizenschädel, der langsam und erbarmungslos in ihm aufstieg wie die tägliche Sonne über dem Jordan. Ein Mann ist kein Streichelzoo, tröstete er sich und sah seinem Schicksal fest in die Augen. Die Viper auf seinem Rücken biss zu. Oha, dachte Bones. Er nahm seine Prinzessin an der Hand und führte sie hinaus in die Wüste.

(Ende im Gelände)

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