Banana Bones und der Kristallweizenschädel (6)

Wüste Tage und Nächte in Jordanien

Die Karawane bleibt heiter: Omar Shubashi und Lawrence Koyota singen ihren Wüsten-Hit I park it my way (Foto: Munich Globe Bloggers)

Die Karawane bleibt heiter: Omar Shubashi und Lawrence Koyota singen ihren Wüsten-Hit I park it my way (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 5). Der perfekte Moment für eine Morgenmeditation, dachte Banana Bones. Sand, Coffee & Cigarettes. Aber der wüstenfuchsige Sidi und die Crew erlagen ihrem Mitteilungsdurst. Kaum war Sidis lexikaler Anfall zum Thema Dornbusch verklungen, meldete sich Artdirector Big Mosh Schlimmfinger mit vippigem Besserwisser-Kiefer: „Ich glaube, hier wurden die Innenaufnahmen zur Kult-Serie Diese Dornbuschs gemacht.“

Ein Stückchen weiter stand ein Felsen herum, die Oberfläche vom Sand glatt gerubbelt. Prähistorische Teenager hatten sich dort mit einigen Kamel-Graffitis verewigt. Sidi juckten die Rippen. Ein untrügliches Zeichen. „Ein Schatz!“ Er nahm Banana Bones’ salzsteifen Hut und buddelte im Sand. Nach einigen Minuten präsentierte er eine kostbare Kaffeekanne. „Heiliger Jedi! Die stammt aus der Qui-Gon-Jinn-Dynastie. Spätes 24. Jahrhundert.“ Mosh zitterte vor Ehrfurcht. Miss Bunnypenny hyperventilierte. „Wenn wir jetzt dran reiben, erscheint ein Dschinn und bringt uns was zu futtern.“ Bones schenkte ihr einen Blick, auf dem man ein Kamelsteak hätte grillen können. Frauen, die Hunger hatten, waren seine Cup of Coffee. „Für mich ein Kristallweizen“, sagte Mosh und beendete die romantische Vision seines Chefs. „Nee, halt! Doch lieber ‘n Pils. Die Kristallweizen hier sind wahrscheinlich von Kamelbräu oder mit Dead-Sea-Wasser gebraut. Da krieg ich ‘nen Riesenmonsterschädel.“ Sidi schüttelte nur gläubig den Kopf vor soviel ungläubigem Aberglaube. Er machte ein kleines Feuer und kochte Kaffee in der ausgegrabenen Kanne. Mit Kardamom. Wie bei den echten Bedus. Als Sidi die Gläser füllte, las Bones die Gravur: „Made in Hongkong“.

Nach einer ausgiebigen Beduinen-Siesta segelten sie am frühen Abend auf zwei überdachten Pick-ups durch Wadi Rum. Der heiße Atem der Wüste brannte in ihren Gesichtern. Am Horizont grüßten weiße Zelte wie die Palmen einer jäh aus dem Meer steigenden Insel. Von irgendwo wehte eine Dudelsack-Melodie herüber. Banana Bones spürte, wie pures Glück durch seine alten Knochen rieselte. Längst hatte er vergessen, weswegen er nach Jordanien gekommen war. Diese Wüste war seine Braut. Und noch in dieser Nacht würde er ihren Schleier lüften.

(Weiter mit Folge 7)

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