Banana Bones und der Kristallweizenschädel (3)

Sandwürmer empfehlen Jordanien

Was vom Römer übrig blieb: Jerash, Jordanien (Foto: Munich Globe Bloggers)

Was vom Römer übrig blieb: Jerash, Jordanien (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 2). Petra mochte eine Scheherazade aus Stein sein. Jordaniens Hauptstadt war es nicht wirklich. Banana Bones mochte Amman trotzdem. Überall hingen Kabel herum. Wie am Filmset. Die vollverschleierten Frauen erinnerten ihn an tödliche Ninjas. „Und Action!“ Jordan Camel sprang über hupende Autos, schlug mehrere Haken und stürzte sich in einen Gemüsemarkt. Dicht hinter ihm ein Dutzend vollverpackter Kampfschleierfrauen. Turbo-Flickflacks. Vertikale Mauerläufe. Ein Schwarm scharfkantiger Killer-Topflappen surrte durch die Luft. Jordan Camel prallte gegen eine tote Ziege und ging zu Boden. Artdirector Big Mosh Schlimmfinger schüttelte seinen Monitor. „Zu teuer, Meister. Das drehen wir in meiner Garage.“

Banana Bones und seine Filmcrew saßen auf der Terrasse des Books@café. Ammans coolste Bar. Hier trafen sich Globetrotter, Freigeister und andere Aliens. Der Chef war ein sympathischer Typ aus Kuwait. Den Arabern war er zu westlich. Und für die Amerikaner blieb er immer ein Araber. Mit dieser Bude hatte er sich seine Oase geschaffen. Es gab Corona Bier und Heinz Ketchup. „Seven T-bone steaks for the Tigers“, rief Mosh. Die Kellnerin lächelte verwirrt. „Passt schon, Hase“, sagte Mosh. „Mach einfach den Tisch mit Corona voll.“ Der DJ legte die Stones auf. You can’t always get what you want. „Was macht Jordan Camel eigentlich in Jordanien?“ fragte Mosh. Banana Bones wirkte ein wenig pikiert. „Was soll ein Held schon machen? Er jagt den Heiligen Gral. Die antiquarischen Gesetzesfliesen von Moses. Die Sakralen Küchenrollen vom Toten Meer. Irgendsowas.“ „Stabile Handlung!“ sagte Mosh und bestellte noch eine Runde Corona. „Handlung machen wir in der Post-production“, sagte Bones mit der unanfechtbaren Autorität eines Ed Wood.

Banana Bones’ jordanischer Kontaktmann hieß Sidi. Ein Mordskerl. Trank Bier wie ein Bayer. Und sprach Deutsch – obwohl er in Frankfurt studiert hatte. Sidi war Geo-Gourmet und kannte jedes Sandkorn beim Vornamen. 50 km nördlich von Amman, in der Römerstadt Jerash, lief Sidi zu Höchstform auf. Schwärmte von römischen Inschriften, Mosaiken und Dekapolis-Gimmicks. Sidi erweckte die antike Ruinen zum Leben. Verglichen damit war George Lucas’ neuste CGI-Software das reinste Scherenschnitt-Programm. Ben Hur peitschte seinen Fiat Bellum durch die Arena. Die Massen raunten, als Cleopatra ihren pfauigen Lover Cäsar just vor dem Triumphbogen mit einem grazilen Ellbogencheck aus der Sänfte kippen ließ. Kaum im Staub gelandet, zerfetzten ihn zwei hungrige Sandwürmer. Es roch nach nassem Leder, trockenem Lorbeer und verdautem Imperator.

(Weiter mit Folge 4)

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