Banana Bones und der Kristallweizenschädel (2)

Ein Kamel fliegt nach Jordanien

Petrarca sagt: Die Fassade ist das Make-up des Tempels (Foto: Munich Globe Bloggers)

Petrarca sagt: Die Fassade ist das Make-up des Tempels (Foto: Munich Globe Bloggers)

(Hier geht’s zu Folge 1). Die Idee mit Jordanien hatte Banana Bones in Berlin angesprungen. Während seine T-Shirts Karussell fuhren, ritten seine Waschsalon-Lektüre-Helden Tim, Struppi und Kapitän Haddock durch das äußerst sandaffine Land Khemed. Am Ende einer langen Schlucht stürzt ihr Blick auf einen Felsentempel. „Hagel und Granaten!“ staunt Haddock. Im Waschsalon wusste Banana Bones noch nicht, dass dieses 3D-Fels-Graffiti ein reales Vorbild hatte: das Schatzhaus Al Khanez in Petra. Banana Bones’ Allgemeinbildung hätte sich in einem ausgehöhlten Sandkorn eine geräumige Vierzimmerwohnung einrichten können.

Dafür hatte er einen goldenen Riecher. Er spürte mehr als er wusste. Lange war er auf der Suche nach dem einzig wahren Filmschauplatz gewesen. Jetzt funkelte sein Gehirn wie ein Blaulicht. Ohne die Wäsche aus der Trommel zu nehmen eilte er zu seinem Freund Süleyman. Der alte Nomade war weiter herumgekommen als die antiken Römer und die modernen Neckermänner zusammen. Sein Respektname war Lawrence II. von Arabien. Wie immer saß Süley in seiner Kreuzberger Stammkneipe Wadi Suq. Er weinte fast, als er Tim und Struppi sah. Vor langer Zeit hatte ihm seine Oma eine der ersten französischen Ausgaben in Farbe geschenkt. Süley hob die Hände als bäte er Allah um Feuer für seine Wasserpfeife. „Petra! O Petra!“ „Bei Cheops’ Zigarrensammlung“, dachte Banana Bones. „Jetzt hab ich die alte Sandviper an seine große Jugendliebe erinnert. Oder an eines seiner anderen Premium-take-away-Bunnys.“ „Lass stecken, Bones“, sagte Süleyman. Er las fremde Gedanken wie eine Zeitung. „Petra ist Scheherazade aus Stein.“

Eine Woche später saß Banana Bones mit seiner Filmcrew in einem geflügelten Alu-Kamel der Royal Jordanian Airline. Vier Stunden dauerte der Luftsprung von Frankfurt nach Amman. Bones staunte über die flotten und angenehm unverschleierten Servicedamen und ihre anmutige Emergency-Gymnastik. Die Mädchen servierten fangfrischen Salzhering aus dem Toten Meer und lächelten sogar. Auch das Salatdressing war aus dem Toten Meer. Beim Öffnen verteilte Bones die Soße versehentlich über Bunnys Gesicht und Dekolleté. „Sehr gesund“, sagte Bones geschäftsmäßig. „Gerade bei äußerer Anwendung.“ In Gedanken stapfte er längst mit seinem Helden Jordan Camel durch die Wüste. In ihren Schuhen knirschte fröhlich der Sand und der ein oder andere Skorpion, aus ihren Poren strömte Weisheit, so tief und alt wie die Erde selbst.

(Weiter mit Folge 3)

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