Lass dein Holzbein vor der Hütte (1)

Malta, wie es hinkt und lacht

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Blauer ist kein Kneipengast: Azure Window bei Maltas Nachbarn Gozo (Foto: Munich Globe Bloggers)

Kommissarin Olivia Falk saß in ihrem Stamm-Restaurant Rubino in Vallettas Altstadt. Der Chef persönlich kultivierte die Tischplatte zu einem Laufsteg der Leckereien. Beinahe im Zehnminutentakt stolzierten neue Düfte in Olivias Nase und buhlten um die Gunst ihrer Zunge. Wäre die Kommissarin nur ein wenig mehr der Muse zugewandt gewesen, sie hätte ein Lied auf die maltesische Küche geschrieben, es an Ort und Stelle vorgetragen und dazu ein imaginäres Orchester dirigiert. Hätte eingestimmt in diesen feurig begehrlichen Tanz aus sizilianischen und arabischen Zutaten, über dem das feine Aroma der Minze schwebte wie der göttliche Gefangenen-Chor aus Verdis Oper Nabucco. „Va pensiero, sull’ali dorate“. Nach dem Essen setzte sich Olivia Falk wie immer an die Bar und trank noch ein Kinnie. Eine Art maltesischer Almdudler. Den Spruch an der Theke hatte Olivia längst zu ihrem Motto gemacht. „It’s nice to be important, but it’s more important to be nice.”

Das mit dem Gefangenenchor war auch ein wenig symbolisch. Olivia Falk wünschte, ihr würden Flügel wachsen, mit denen sie sich in die Lüfte schwingen konnte um die Insel von oben falkengleich abzusuchen. Vielleicht hätte sie besser diese Ösi-Limo bestellen sollen. Blue Ox oder wie das Zeug hieß. Die Kommissarin in bestem Alter steckte in ihren Ermittlungen fest. Ihr privater Fall, wie sie es nannte. Berufskrankheit. Wie ein Reporter, der immer und überall eine Story witterte, so machte Olivia aus allem einen Fall. Letztes Jahr im Karneval hatte sie ihren Prinzen entdeckt. Doch bevor sie ihn verhaften konnte, hatte sie ihn im Gewimmel der Kostüme und Masken verloren. Ein Traum von einem Piraten! Der Fluch der Karibik hatte Maltas Karneval verwandelt. Pirat hatte Popeye abgelöst als beliebtestes männliches Faschingskostüm.

In den Straßen von Valletta nahm der Karneval Fahrt auf. Olivia Falk drängelte sich durch die Old Bakery Street bis zum Fort St. Elmo und blickte den Schiffen nach, die Kurs auf Gozo nahmen. Solange man kein Vogel war gab es eigentlich keinen Grund auf Malta unglücklich zu sein. Das Meer blieb stets in der Nähe wie ein treuer Hund. Die Straßen, Häuser und Paläste der Altstadt schwitzten schon um 7 Uhr morgens Geschichte. Deren lange weiche Schatten rochen wie Handelsschiffe, beladen mit Gewürzen aus fernen Ländern. Und wenn der Wind einmal übermütig durch die gitterförmig angelegten Straßen steppte, säuselte er wie das Großmeisterhirn Jean de la Vallettes, wenn es über Francesco Laparellis stadtplanerischen Entwürfen brütete. Mitte des 16. Jahrhunderts war hier eine der frühsten Planstädte Europas entstanden.

(Weiter zu Folge 2)

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